Bausünden in Spanien In den Sand gesetzt

Profitgier, Korruption und nachlässige Behörden: Unerbittlich dokumentiert Greenpeace mit einem jährlichen Bericht die schlimmsten Bausünden an der spanischen Küste.

Von Javier Cacéres

Es gab mal eine Zeit, sie liegt noch gar nicht so lange zurück, da konnte man auf Urlaubskarten von kilometerlangen, weißen spanischen Stränden berichten. Vom Sandmeer und seinen weißen Wellen, von nichts als dem sanften Lärmen der Natur. Das war einmal.

Bausünden in Spanien

Greenpeace dokumentiert Bausünden an Spaniens Küsten

Ein paar hundert Millionen Touristenreisen sind vergangen, und wie sehr man das sieht, veranschaulicht die spanische Sektion der Umweltorganisation Greenpeace mit alljährlicher Unerbittlichkeit, indem sie ihren Bericht zum Stand der Verschandelung der meerumspielten Ränder Spaniens vorstellt. "Destrucción a toda Costa" lautet der Titel; ein Wortspiel, das man am ehesten mit "Zerstörung: Koste es, was es wolle" übersetzen könnte. Es ist ein Drama in Wort und Bild.

Auf einhundert besonders flagrante Fälle von spekulationsgetriebener Umweltzerstörung hat sich Greenpeace diesmal gestürzt. Kein Bau ist so paradigmatisch wie der Fall des Hotel Algarrobico in Almería, weil es in den Augen der Umweltschutzorganisation "das aggressivste Projekt der ganzen spanischen Küste" ist und gleichzeitig das Versagen der spanischen Behörden bestens illustriert.

So erteilte die Gemeinde Carboneras der Firma Azata del Sol die Baulizenz, die Gebühren aber wurden ihr zu 99 Prozent erlassen. Die sozialistische Landesregierung Andalusiens wiederum segnete den Bebauungsplan ab, obschon es mehrere Studien gibt, die darauf hinweisen, dass dieser illegal sein dürfte. Immerhin liegt das Grundstück in unmittelbarer Nähe eines Naturparks.

Dem Umweltministerium wiederum wirft Greenpeace vor, das Küstengesetz nicht anzuwenden, obschon es ein Mittel wäre, um die Konstruktion des Hotelkomplexes zu stoppen. Auf Eis liegt er zurzeit dennoch: Die Justiz verhängte bis zur endgültigen Prüfung diverser Klagen einen vorläufigen Baustopp.

Andalusien zählt - neben Valencia, Murcia und den kanarischen Inseln - zu den Regionen, die ihre Strände und Küsten am Schlimmsten behandelt haben. Oft genug ging das mit eklatanten Korruptionsfällen einher, so etwa in Andratx, Mallorca.

Was die Umweltschützer am meisten sorgt, ist jedoch, dass sich mittlerweile auch im bislang vergleichsweise unberührten Norden ebenfalls ein Bauboom breit macht. Es gibt Küstenabschnitte in Asturien, Kantabrien oder dem Baskenland, wo der Bau-Wildwuchs aus südlicheren Gefilden imitiert wird. Nur, weil das Wetter nicht so ist wie auf Teneriffa, dürften diese Gegenden immerhin um größere Hotelkomplexe herumkommen.

Doch der Bauboom ist nur eine Facette der Umweltbedrohung, im Baskenland wird die Metallindustrie zu den schlimmsten Sündern gezählt. Insgesamt werden fast 140 neue Sport- und Wirtschaftshäfen neu gebaut oder erweitert, mit zum Teil verheerenden Auswirkungen auf Ökosysteme und einer Zunahme der Umweltverschmutzung.

Eine Verschnaufpause, so hoffen Umweltschützer, könnte das Ende des Immobilienbooms bieten. In den letzten Jahren hat Spanien jenseits jeder Notwendigkeiten gebaut, seitdem die Spekulationsblase geplatzt ist, gehen die Verkäufe drastisch zurück.

Ein Grund dafür ist, dass auch die Nachfrage aus mittel- und nordeuropäischen Ländern gesunken ist, unter anderem hat Großbritannien Steuervergünstigungen für Zweitwohnsitze im Ausland aufgehoben.