Barack-Obama-Touren in Chicago:Wo steckte er nur?

Seitdem Barack Obama Präsident der USA ist, gibt es in Chicago eine neue Touristenattraktion: Obama-Touren. Sie führen zu seinem Friseur, seinem Buchladen und fast bis vor sein Haus im Villenviertel Kenwood. Nur eine Station sollten Besucher besser meiden.

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Seitdem Barack Obama Präsident der USA ist, gibt es in Chicago eine neue Touristenattraktion: Obama-Touren. Sie führen zu seinem Friseur, seinem Lieblingsimbiss und zu seinem Haus im Villenviertel Kenwood. Nur eine Station sollten Besucher lieber meiden.

Der arme Mann. Ganz grau ist er geworden in letzter Zeit. Zwei Kriege, globale Wirtschaftsflaute, die Immobilienkrise, miese Arbeitsmarktzahlen und fiese Opposition - kein Wunder, oder? Doch Zariff scheint unbesorgt. "Genau richtig für sein Alter", findet der Friseur vom Hyde Park Hair Salon und lächelt. Zariff sollte es wissen.

Wie ein Groupie: Schnitzeljagd durch Obamas Chicago

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Alle zwei Wochen wird Frisör Zariff (links im Bild) ins Weiße Haus zum Haareschneiden eingeflogen. Seit 18 Jahren kümmert er sich um die Frisur von Barack Obama. Klein, schmal und unscheinbar ist sein Ladenlokal in Chicago, Glasfenster reichen von der Decke bis zum Boden. Drinnen spielt leise Soulmusik. Ein typischer Barbershop, wenn da nicht ein Frisiersessel unter Glas wäre, gleich links am Eingang. Auf dem hat der 44. US-Präsident gesessen. Zariff, einen Nachnamen verwendet der Haarkünstler nicht, ist mächtig stolz darauf und will den Stuhl für die Nachwelt erhalten. Davor ist eine Fotografie montiert: Saloninhaber links, Zariff rechts, Obama in der Mitte. Der Wahlkampfslogan "Change we can believe in" ("Wandel, an den wir glauben können") steht in Silberlettern darüber. "Schrecklich zottelig" soll Obama ausgesehen haben, als er den Salon betrat. Er wurde Stammkunde und der "Hyde Park Salon" zur Sehenswürdigkeit für Obama-Touristen. Wenn Barack Obama nicht im Weißen Haus regiert, wohnt er mit seiner Familie nur ein paar Straßen weiter im benachbarten Stadtteil Kenwood.

Wie ein Groupie: Schnitzeljagd durch Obamas Chicago

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Es ist eine alte Villengegend mit schattigen Bäumen und Multikulti-Flair. Die University von Chicago ist gleich um die Ecke, an der Obama von 1992 bis 2004 Jura unterrichtete. Selbstverständlich wird das dreistöckige Backsteinhaus im Georgianischen Baustil heute streng bewacht. Je sechs Schlaf- und Badezimmer soll es haben, einen Weinkeller für 600 Flaschen und hochherrschaftliche Säulen vor dem Eingang. Sicherheitsleute bewachen das Eckgrundstück. Schlechte Aussichten für Zaungäste. Davon gibt es viele.

Wie ein Groupie: Schnitzeljagd durch Obamas Chicago

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Ungehindert spazieren Chicago-Besucher durch den Millennium Park mit der spiegelnden Cloud-Gate-Skulptur, die einen fallenden Quecksilbertropfen darstellen soll, aber wie eine außerirdische Riesenbohne aussieht.

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Sicher bewundern sie Chicagos imposante Architektur, eine himmelsstrebende Wolkenkratzer-Welt aus Stahl, Glas und Beton. Naturkunde- und Kunstmuseum, Aquarium und Planetarium, schicke Shoppingmeile und der Amüsierkai Navy Pier - alles da. Doch Chicagos Sehenswürdigkeiten haben Konkurrenz bekommen: Obama-Touren.

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Treffen wird man ihn nicht. Dafür aber kundige Einheimische wie Marsha Goldstein, die dem Präsidenten auf Empfängen schon die Hand geschüttelt hat. Wer nicht allein mit dem Stadtplan losziehen möchte, kann sich mit ihr als Reiseführerin auf Trampelpfade durch "Obamaville" begeben. Nur zum Südende Chicagos, wo Barack Obama prägende politische Erfahrungen sammelte, "da fahre ich nicht hin", sagt die Mitsechzigerin entschieden. Fabriken und Stahlwerke haben lange dicht gemacht, Diebesbanden, Straßengangs und Drogendealer das Vakuum gefüllt. In den späten 1980ern, als sich Obama gegen Asbest in Sozialwohnungen engagierte, sei es in der Far South Side schon schlimm zugegangen. Aber das sei kein Vergleich zu heute, warnt Marsha, schüttelt die Locken und wackelt mit dem Zeigefinger: "Lebensgefährlich!"

Chicago - Nato-Gipfelstadt und zweite Heimat Obamas

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Obamas Büro als Community Organizer war damals in einer katholischen Pfarrei (351 E. 113th Street) und so winzig, dass Meetings angeblich im nächsten McDonald's (600 E. 115th Street) bei Big Mac und Cola stattfanden. Die Trinity United Church of Christ (532 W. 95th Street), wo Obama am 3. Oktober 1992 Michelle Robinson heiratete, lag nur wenige Autominuten entfernt. 1995 zog die Gemeinde vier Blöcke weiter. Getroffen hatte Barack Obama seine große Liebe im Sommer 1989.

Im Bild: Nach der Harvard Law School kehrte Obama nach Chicago zurück. wo er auch eine Kampagne zur Wählerregistrierung unterstützte.

Obama Gedenkstein Chicago

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Im ersten Jahr als Jurastudent in Harvard arbeitete er in den Semesterferien als Praktikant bei der renommierten Kanzlei Sidley & Austin. Die junge Rechtsanwältin Michelle Robinson wurde ihm als Mentorin zugewiesen. "She had him at hello", schwärmt Marsha Goldstein, als wäre sie dabei gewesen. Was soviel bedeuten soll, dass es schon bei der Begrüßung um Barack geschehen war. Erste Avancen wies Michelle als unpassend zurück. Endlich ließ sie sich überreden, ihn zum Baskin-Robbins-Eisladen (1400 E. 53rd Street) in Hyde Park zu begleiten. Der erste Kuss hat nach Schokolade geschmeckt, steht im Obama Buch "Hoffnung wagen". Michelle habe ihn gebeten, erzählte ihr Bruder Craig Robinson später gern, den neuen Boyfriend zu testen. Sport offenbart den wahren Charakter, also warfen die beiden auf dem Freiluft-Plätzen South Lake Shore Ecke Hayes Drive ein paar Körbe. Hier treffen sich Basketballfans spontan zum Spiel.

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Seine Mittagspause verbringt der Präsident bescheiden bei Beef Brisket - ein Berg von Rinderbrustaufschnitt zwischen dünnen Roggenbrotscheiben und Kartoffelpfannkuchen - zum Beispiel in "Manny's Deli" (1141 South Jefferson Street). Zum Nachtisch darf's dann Kirschkuchen sein, weiß Dan Raskin, Enkel des Cafeteria-Gründers. Beim jüngsten Besuch musste Obama zwei Stunden Händeschütteln. Das zeigen Ausschnitte in Dauerschleife auf dem Flachbildschirm im Essraum. Seither ist Pause. Aber sein oberster Wahlkampfstratege David Axelrod war noch vor fünf Minuten hier, versichert Raskin.

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Hyde Park-Kenwood in Chicago steht für das Privatleben der Obamas. Hier wurden die Töchter geboren, hier sind Reinigung, Pizzeria, Barbershop und Lieblings-Buchladen. Weil er Mitglied ist, signierte Obama die ersten Exemplare seiner beiden Bücher in "57th Street Books" (1301 E 57th Street), einer kleinen Kooperative im Kellergeschoss. Beim ersten Mal kamen 50 Leute. Beim zweiten Mal ging die Warteschlange um den Häuserblock. "Wir vermissen ihn", bedauert Managerin Laura Prail, verrät aber nicht, was die Präsidentfamilie so liest. Seit seiner Wahl kommt Obama nicht mehr. Darum parkt wohl auch Obamas ehemaliger Frisiersessel unter Glas.

President Barack Obama is silhouetted against stage lights during a nationally televised news conference in the East Room of the White House in Washington

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Der "Obama Cut" ist die Spezialität von Friseur Zariff: ein extra kurzer Schnitt, besonders hinten und an den Seiten, der anscheinend besonders bei kleinen Jungen beliebt ist und 21 Dollar (17 Euro) kostet. "Mehr bezahlt Obama auch nicht", sagt der Zwei-Meter-Mann mit den Schaufelhänden und dem Drachentattoo auf dem Unterarm. Zariff war einmal Kampfsportlehrer. Alle zwei Wochen soll der Präsident ihn extra einfliegen lassen. Stimmt das? "Ich bin der einzige, der seine Haare schneidet", antwortet Zariff ausweichend und lächelt: "We get it done!" - "Wir schaffen das!" Klingt auch wie ein Slogan.

© dpa_tmn/Heike Schmidt/kaeb
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