Kolumne "Ende der Reise":Von Affen und Urlaubern

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Der Javaneraffe, auch Langschwanzmakake genannt, hat über Generationen gelernt, dass bei Touristen ewas zu holen ist. Und geben sie es nicht freiwillig her, muss man es eben klauen.

(Foto: Imago/Westend61)

Auf Bali leben nicht nur viele Menschen, sondern auch viele Affen von den Touristen. Doch Corona bedroht ihr Geschäftsmodell.

Glosse von Hans Gasser

So ein Affe! Wen hat man in den vergangenen anderthalb Pandemiejahren nicht alles so genannt - rein innerlich natürlich. Politiker und Lebenspartner, Lobbyisten und Virologen. Dabei sind Affen, wie wir wissen, mitnichten das, wofür wir ihren Namen missbrauchen, nämlich dumm oder zumindest nicht ganz zurechnungsfähig. Das Gegenteil ist der Fall, wie abermals eine Geschichte von der schönen, wegen Corona nun aber touristenarmen Urlaubsinsel Bali beweist.

Dort leben nicht nur viele Menschen, sondern auch viele Affen von den Urlaubern, beispielsweise die Langschwanzmakaken im Sangeh Monkey Forest oder rund um den Hindu-Tempel Uluwatu an der Südspitze der Insel. Weil die Regierung einen strengen Lockdown verhängt hat und keine Touristen mehr ins Land kommen, fehlt auch den Affen ihre bisherige Geschäftsgrundlage. Die ging so: Urlauber fütterten die Makaken mit Bananen und Erdnüssen, und die Affen posierten dafür auf Schulter oder Schoß für ein Urlaubsfoto.

Weil diese Futterquelle nun versiegt ist, mehren sich die Berichte, wonach hungrige, vielleicht auch nur gelangweilte Affen in Häuser eindringen, um Essen oder andere Dinge zu klauen. Der Sangeh-Park-Manager Made Mohon rief dazu auf, wenigstens eine begrenzte Zahl Touristen wieder in den Park zu lassen, denn: "Die Parkmitarbeiter geben den Affen immer noch Bananen und Maniok, aber ganz offensichtlich wollen sie Snacks von Touristen."

Dabei müsste er doch wissen, was Wissenschaftler über die Affen rund um den Uluwatu-Tempel herausgefunden haben. Die dortigen Langschwanzmakaken wären treffender als Langfingermakaken bezeichnet. Sie klauen den Urlaubern gezielt Brillen, Kameras oder Hüte, um danach Nutznießer eines Tauschgeschäfts zu werden: Futter gegen Kamera oder Sonnenbrille. Erfahrenere Affen ließen sich dabei für teureres Diebesgut auch mehr Naturalien geben, bevor sie es wieder hergaben. Was ist nun die Moral? Erstens: Affen sind geschäftstüchtig. Zweitens: Urlauber sind auch nur ein Teil der Nahrungskette.

© SZ
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Lisbon, Lissabon, Portugal, 16rd August 2020. Tourists and local people visit the beaches of Cascais and Estoril.

Kolumne "Ende der Reise"
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In Zeiten, in denen dieses Wort so inflationär gebraucht wird, muss eine Lanze dafür gebrochen werden. Denn wo kämen wir hin, wenn alle zu Hause blieben. Nirgends, genau!

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