Bahnländer Schweiz, Frankreich und Großbritannien Frankreich: "Oh! Le TGV!"

Eines der beliebtesten Gesprächsthemen der Franzosen ist le déclin, der Niedergang der Nation. Die Umgangsformen und der Zusammenhalt, die Baguettes und das Wetter, alles werde schlechter, klagen sie. In diesen Krisenzeiten hadern sie besonders über ihr Land, das reformunfähig sei und von den Chinesen abgehängt werde.

"C`est formidable": Im TGV arbeitet auch Präsident Nicolas Sarkozy.

(Foto: REUTERS)

Wer seine französischen Freunde von solch trüben Gedanken abbringen will, muss das Zauberwort mit den drei Buchstaben aussprechen: TGV. Schlagartig werden sich die Gesichter aufhellen. Garantiert.

"Oh! Le TGV!", werden die Freunde rufen. "C`est formidable", "der ist toll", beziehungsweise "super sympa". Dann kommt unweigerlich die Bemerkung, mit dem TGV gelange man in drei Stunden von Paris nach Marseille, ans Mittelmeer. "Das schaffst Du mit dem Auto oder mit dem Flugzeug nie."

Der TGV (Train à grande vitesse, Hochgeschwindigkeitszug), ist kein bloßes Verkehrsmittel, sondern Demonstration französischer Exzellenz. Der Zug verkörpert den Anspruch der Nation, international vorne weg zu fahren. Im Sessel zurückgelehnt, mit 300 Stundenkilometern durchs Rhone-Tal brausend, ist der Franzose einmal vorbehaltlos stolz auf sein Land. Und das mit Recht.

Bereits in den Sechzigern, als Deutschland ganz aufs Flugzeug und Auto setzte, bastelten die Franzosen an einem Hochgeschwindigkeitsnetz. 1981 weihte François Mitterrand - ein Eisenbahner-Sohn - die erste Line von Paris nach Dijon ein. Heute lassen sich viele Teile des Landes mit den pfeilschnellen Zügen erreichen. Dank allerlei Sonder-Tarifen sind die Fahrpreise erschwinglich. So nutzen die Pariser den TGV gern, um schnell mal ein Wochenende in der Provence zu genießen.

Sekundengenaue Pünktlichkeit erwarten sie dabei nicht. Wie alles andere in Frankreich werden auch die TGV's gern bestreikt, und wenn es schneit, kommt es ohnehin zu Problemen. Anders als die Pariser Metro - über die alle immer schimpfen - werden den eleganten Schienenflitzern Verspätungen und andere Zwischenfälle aber kaum krumm genommen.

Diesen Januar entwich im TGV Paris-Marseille eine Boa Constrictor aus ihrem Käfig. Sie schlängelte sich zwischen den Füßen der Fahrgäste hindurch und wurde schließlich in einem Heizungsschacht gestellt. Bahnfahren in Frankreich ist eben noch ein Erlebnis!