Deutsche Bahn:Welche Änderungen der neue Fahrplan bringt

Lesezeit: 5 min

Wieder alle ICE-Sprinter zwischen Berlin und München im Einsatz

Die Bahn bietet künftig mehr schnelle ICE-Sprinter-Verbindungen an - in der Hoffnung, Passagiere zum Umstieg vom Flugzeug in den Zug zu bewegen.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Die Bahn will den ICE-Sprinter als Alternative zum Inlandsflug etablieren. Wo es künftig schneller geht, wie viel die Tickets kosten und was sich für Familien verbessert.

Von Eva Dignös

Alle Jahre wieder kurz vor Weihnachten gibt es bei der Deutschen Bahn einen neuen Fahrplan. Am 12. Dezember tritt er in Kraft. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Welche Verbindungen sind neu im Angebot?

Mehr ICE-Sprinter

Schnelle Züge, wenig Stopps - das ist das Prinzip der ICE-Sprinter. Das Angebot wird mit dem Fahrplanwechsel ausgeweitet, in der Hoffnung, die Bahn als konkurrenzfähige Alternative zum Inlandsflug zu etablieren. Die Sprinter seien dann, betont das Unternehmen, auf acht der zehn stärksten innerdeutschen Flugstrecken unterwegs. So gibt es künftig auch drei schnelle Verbindungen zwischen Köln und Berlin: Knapp vier Stunden dauert die Fahrt. Eine halbe Stunde schneller als im normalen ICE ist man im Sprinter von Düsseldorf nach München, zwei Verbindungen am Tag gibt es. Neu sind auch Früh- und Spätzüge von Hamburg sowie München nach Berlin, interessant vor allem für Geschäftsreisende.

Neue ICE 4

Seit Jahren kauft die Bahn neue Züge, alle drei Wochen wird derzeit ein neuer ICE 4 ausgeliefert. Die XXL-Version des ICE hat in 13 Wagen Platz für mehr als 900 Passagiere. Auf der Strecke von München über Stuttgart und Frankfurt/Main nach Hamburg sind künftig nur noch die langen Züge unterwegs. Außerdem werden auf einigen Strecken die Intercity-Züge durch ICEs ersetzt, zum Beispiel zwischen Frankfurt/Karlsruhe und München. Das bietet mehr Komfort, kostet aber auch mehr.

Ohne Umsteigen

Auch Direktverbindungen sparen Zeit. Ohne Umsteigen geht es nun von Köln nach Bremerhaven oder von Münster nach Frankfurt/Main. Gestrichen wird dagegen der Direktzug von Dresden über Berlin nach Westerland. Ein falsches Signal, findet man beim Fahrgastverband Pro Bahn. "Wir brauchen deutlich mehr Direktverbindungen im touristischen Verkehr", sagt der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Urlaub in Deutschland liege im Trend, er dürfe nicht nur mit dem Auto erfolgen.

Ins Ausland

Dank eines neuen Sicherungssystems können die Züge zwischen München und Zürich nun schneller fahren. Nach dreieinhalb Stunden ist man da, zunächst dreimal am Tag, ab April sechsmal. Außerdem gibt es eine neue Direktverbindung von Frankfurt über Lindau nach Innsbruck und weiter nach Wien und bald auch mehr Züge von Hamburg nach Dänemark - allerdings erst ab Sommer.

Mehr Nachtzüge

Die Reise im Schlafwagen erlebt ein Comeback. Die Deutsche Bahn hat ihre Nachtzüge zwar schon vor Jahren ausrangiert, Reisende profitieren trotzdem von neuen Verbindungen der österreichischen ÖBB mit Stopps in Deutschland. So geht es über Nacht in elf Stunden von Zürich nach Amsterdam, zusteigen kann man beispielsweise in Freiburg, Mannheim oder Köln. 14 Stunden dauert die Fahrt von Wien über München und Karlsruhe nach Paris.

Wie entwickeln sich die Ticketpreise?

Aufschlag für Flexpreis und Bahncards

Die Preissteigerung liege mit 1,9 Prozent deutlich unter der Inflationsrate, heißt es bei der Deutschen Bahn. Das allerdings ist ein Durchschnittswert, bei manchen Fahrscheinen fällt der Preissprung größer aus, bei anderen ändert sich nichts.

So sind die Supersparpreistickets nach wie vor ab 17,90 Euro zu haben, die Sparpreistickets ab 21,50 Euro. Für Flexpreistickets, die - in Corona-Zeiten besonders praktisch - flexibel storniert und umgebucht werden können, müssen Bahnreisende künftig 2,9 Prozent mehr bezahlen, ebenso für alle drei Varianten der Bahncard: Die Bahncard 25 beispielsweise kostet für die zweite Klasse künftig 56,90 Euro statt bislang 55,70 Euro, bei der Bahncard 50 steigt der Preis von 229 Euro auf 234 Euro. Einen Sitzplatz reserviert man weiterhin für vier Euro in der zweiten und 5,30 Euro in der ersten Klasse.

Neu ist der "Supersparpreis Young" für Reisende zwischen 15 und 26 Jahren. In Kombination mit einer Bahncard können sie Tickets für ICE- und IC-Züge für unter 10 Euro buchen.

Wer sein Ticket für die Fahrt in die Weihnachtsferien oder den Winterurlaub noch bis 11. Dezember kauft, fährt zu den alten Preisen. Fahrscheine sind bis zu einem halben Jahr im Voraus buchbar, je früher man sich entscheidet, umso größer sind die Chancen auf ein günstiges Supersparpreisticket. Der "Sparpreisfinder" der Bahn hilft bei der Suche.

Freie Fahrt für Kinder

Kinder bis einschließlich 14 Jahren reisen ab 12. Dezember im Fernverkehr kostenlos, sofern sie gemeinsam mit einem mindestens 15 Jahre alten Passagier unterwegs sind. Bislang galt das nur in Begleitung der Eltern oder Großeltern, künftig spielen die Verwandtschaftsverhältnisse keine Rolle mehr: Der kleine Bruder kann mit der großen Schwester fahren oder die Patentante mit dem Patenkind. Bis zu vier Kinder dürfen pro älterer Begleitperson gratis mitgenommen werden, sie müssen im Ticket eingetragen sein.

Kein Ticket mehr beim Schaffner

Spontan einsteigen und beim Schaffner einen Fahrschein lösen - das geht ab 1. Januar im Fernverkehr nicht mehr. Die Bahn stellt den Verkauf von Papiertickets im Zug ein und verweist darauf, dass nur ein sehr geringer Anteil der Reisenden diesen Service noch genutzt habe. Die Spontanität war ohnehin nicht ganz billig: Im Zug konnten nur die teuren Flexpreistickets gekauft werden, mit einem zusätzlichen Aufschlag von 17 Euro. Für Kurzentschlossene gibt es noch die Option, in den ersten zehn Minuten nach der Abfahrt online über die Bahn-App oder die Webseite bahn.de das Ticket zu buchen - stabiles Internet vorausgesetzt.

Welche Corona-Regeln gelten?

Es bleibt auch nach dem Fahrplanwechsel bei "3 G" in allen Zügen: Mitfahren darf nur, wer vollständig geimpft, genesen oder vor maximal 24 Stunden getestet wurde. Seit 24. November gilt diese Regel im Fern- und Regionalverkehr, wer die erforderlichen Nachweise nicht vorzeigen kann, muss den Zug am nächsten Bahnhof verlassen und mit einem Bußgeld von bis zu 2500 Euro rechnen.

Mit der ersten Bilanz war man bei der Bahn zufrieden: 150 000 Reisende seien in der ersten Woche nach Einführung der verschärften Corona-Vorschriften überprüft worden, lediglich 200 von ihnen hätten keinen Nachweis vorweisen können und den Zug verlassen müssen. Allerdings beschränkte man sich bislang auf Stichproben - zum Vergleich: Allein im Fernverkehr befördert die Bahn rund 300 000 Menschen pro Tag.

Doch die Zahl der Kontrollen könnte steigen: Im Regionalverkehr sind dafür ab sofort neben dem Sicherheitspersonal auch die Schaffnerinnen und Schaffner zuständig. Es werde allerdings nur dann nach dem 3-G-Nachweis gefragt, wenn die Kontrolleure von Sicherheitspersonal begleitet würden, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, heißt es bei der Bahn.

Die Züge können nach wie vor voll ausgelastet werden. Im Unterschied zum vergangenen Winter, als nur noch ein Platz pro Doppelsitz vorab gebucht werden durfte, gibt es auch keine Beschränkungen bei den Reservierungen. Die erwartete Auslastung wird online in der Reiseauskunft der Bahn in Form von Piktogrammen angezeigt.

Wie sieht es mit der Pünktlichkeit aus?

In den vergangenen Wochen war in der Pünktlichkeitsstatistik der Bahn durchaus Luft nach oben: Im Oktober schafften es gerade mal 67,6 Prozent der Fernverkehrszüge annähernd fahrplangemäß in den Bahnhof, einer der schlechtesten Werte seit Langem. Die Bahn begründet die Verspätungen mit Bauarbeiten nach der Flut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Ein Sturmtief habe die Züge zusätzlich aus dem Takt gebracht. Im November waren 69,4 Prozent der Züge pünktlich - wobei die Bahn dafür ihre ganz eigene Definition pflegt: Pünktlich ist, wer nicht mehr als fünf Minuten und 59 Sekunden zu spät kommt.

Zur SZ-Startseite
Traumreise

SZ PlusInterrail
:Mit dem Zug durch Europa

Mit 18 Jahren reisten unser Autor und seine Freunde mit Interrail von Landshut nach Amsterdam, Paris und San Sebastián. Erinnerungen an einen wunderbaren Sommer, als das Glück noch in zwei Tüten passte.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB