Hin und weg:Schöner pendeln

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Hin und weg: Wo ist der Lokführer? Im Erzgebirge wird das autonome Fahren erprobt.

Wo ist der Lokführer? Im Erzgebirge wird das autonome Fahren erprobt.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Im Erzgebirge wird am autonom fahrenden Zug gearbeitet. Das ließe sich doch ausbauen.

Von Marco Völklein

Manchmal genügt eine kleine Meldung, die auf dem Handy aufploppt, um sich in eine schönere Zukunft zu träumen. Neulich zum Beispiel am S-Bahnhof. Schon beim Betreten des Bahnsteigs wird klar, dass der Heimweg heute wieder länger dauern wird: Durchsagen künden von einer Stellwerksstörung, von Verspätungen und von Zugausfällen, kurz: von einem riesigen Chaos. In der Tasche ballt sich die fröstelnde Hand zur Faust - und im Kopf reift ein böser Gedanke: Wie viele solcher Störungen braucht es eigentlich noch, bis ein regelmäßig mit der Bahn pendelnder Baggerfahrer die Faxen dicke hat und mit seinem Arbeitsgerät dieses vermaledeite Stellwerk einfach mal abräumt?

Dann also die Meldung: Auf einer Bahnstrecke im Erzgebirge testen Wissenschaftler seit Längerem einen ferngesteuerten Zug. Der Führerstand des Triebwagens ist verwaist. Gesteuert wird der Zug von einem Lokführer, der im fernen Braunschweig vor großen Monitoren sitzt; Kameradaten werden in Echtzeit übertragen. Das Ganze sei, so heißt es, ein wichtiger Baustein hin zum autonomen Fahren auf der Schiene.

Oh ja, das wäre doch was! Was für eine Welt! Ein System aus autonom fahrenden Zügen, eng aufeinander abgestimmt, gelenkt wie von Geisterhand. Gesteuert aus modernen Stellwerken heraus über ein flächendeckend und lückenlos errichtetes 5G-Mobilfunknetz (das ist nämlich Voraussetzung dafür, wie die Forscher betonen). Schön wär's. Und dann noch endlich Empfang im Zug.

Da ließe sich noch weiterträumen: Wenn man am Zielbahnhof aus einem pünktlichen und gar nicht überfüllten Zug aussteigt, erwartet einen dort der genau darauf getaktete Bus und bringt einen nach Hause - der muss noch nicht mal autonom verkehren, nur zuverlässig sollte er rollen und in einem vernünftigen Takt. So alle 15 oder 20 Minuten, das würde ja schon reichen. Und das alles, weil Verkehrspolitiker aller Couleur und auf allen Ebenen genügend Geld bereitgestellt haben für einen funktionierenden Nahverkehr. Was für ein Traum! So weit weg von der Realität.

Hin und weg: Marco Völklein denkt über den Kauf eines Faltrades nach. Sollte der Bus mal wieder nicht fahren, wäre er damit autonom unterwegs.

Marco Völklein denkt über den Kauf eines Faltrades nach. Sollte der Bus mal wieder nicht fahren, wäre er damit autonom unterwegs.

(Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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