Badegewässer in Europa Besser baden

Endlich Ferien am Meer! Umso schöner, wenn das Wasser sauber ist.

(Foto: AFP)

Die Wasserqualität an Europas Stränden ist besser denn je. Ein paar Probleme bleiben aber - auch in Spanien, das im Sommer einen neuen Besucherrekord erwartet.

Von Julia Höftberger

Bis an den Horizont kräuseln Wellen das Türkis des Meeres von Cala Egos, einer felsigen, von Strandkiefern gesäumten Bucht im Süden Mallorcas. Bis zum vergangenen Jahr verbrachten hier vor allem Touristen lange, unbeschwerte Badetage. In diesem Sommer jedoch trüben Berichte lokaler Zeitungen wie des Diario de Mallorca das Vergnügen. Denn die Wasserqualität hat sich seit dem vergangenen Jahr von "gut" auf "mangelhaft" verschlechtert. So steht es im aktuellen Bericht über die Qualität europäischer Badegewässer, den die Europäische Umweltagentur (EUA) jedes Jahr herausgibt. Die Prüfer haben eine erhöhte Konzentration von Enterokokken und Kolibakterien festgestellt, die auf Fäkalien zurückzuführen sind.

Ein Desaster für den Ort, denn gerade in diesem Sommer wappnet sich die Baleareninsel für einen Besucheransturm sondergleichen. Wie es aussieht, ist Cala Egos aber auf Mallorca ein Einzelfall. 94 Prozent der übrigen mallorquinischen Badegewässer sind laut EUA-Bericht als gut bis ausgezeichnet klassifiziert. Die am 1. Juli eingeführte Ökosteuer wird diese Entwicklung voraussichtlich weiter begünstigen, zumindest, wenn die Einnahmen tatsächlich wie vorgesehen investiert werden: in nachhaltigen Tourismus.

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Die meisten Badestellen mit mangelhafter Wasserqualität gibt es in Spanien

Auf dem spanischen Festland, das dieses Jahr ebenfalls einen Besucherrekord erwartet und sich davon Linderung der Wirtschaftskrise verspricht, liegen 31 der EU-weit 34 Badegewässer, deren Werte sich fünf Jahre in Folge als mangelhaft herausgestellt haben. Der Massentourismus trägt hierfür jedoch nicht die Alleinschuld, denn obwohl überfüllte Strände in der Tat negative Auswirkungen auf die Wasserqualität haben, befinden sich die betroffenen Stellen in von Touristen kaum frequentierten Regionen im Landesinneren. Genaue Informationen über die Verschmutzungsursache habe man nicht, sagt Peter Kristensen, Projektleiter der EUA. Meistens seien ins Wasser gespülte Düngemittel und starker Regen Grund für Verunreinigungen.

Einwandfrei oder gut ist die Wasserqualität hingegen an den spanischen Küsten, ebenso wie auf den Kanarischen Inseln. Dasselbe gilt für Frankreichs beliebte Touristenziele Côte d'Azur und Korsika. Manche Badestellen an der italienischen Küste sind dagegen mit Vorsicht zu genießen, gleich mehrere Badestrände bei Neapel und Pescara wurden von der EUA mit "mangelhaft" bewertet. Dafür kann man auf Sardinien und Sizilien überall bedenkenlos ins Wasser.

Laut der Europäischen Umweltagentur, deren aktueller Bericht immer auf Messungen während der vergangenen Badesaison beruht, gab es seit Beginn der Analysen vor 40 Jahren eine kontinuierliche Verbesserung der europäischen Badegewässerqualität. 2015 wiesen 96 Prozent aller im EUA-Bericht gelisteten Badegewässer eine ausreichende, 84 Prozent sogar eine ausgezeichnete Wasserqualität auf. Das entspricht nicht nur dem höchsten Stand der vergangenen sechs Jahre, sondern ist auch der beste Gesamtwert, der jemals gemessen wurde.

"Mehr und mehr Badegewässer erfüllen nicht nur die Mindestanforderungen, sondern genügen höchsten Ansprüchen", sagt Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der Europäischen Umweltagentur. "In einigen Städten können die Menschen sogar ein Bad in Hafenbädern genießen." Ein Paradebeispiel dafür ist Kopenhagen: In der dänischen Hauptstadt werben an Sonnentagen gleich fünf Hafenbäder um die Gunst der Badegäste. Der "Nyhavn" hat sich erfolgreich von der Kloake zum beliebten Erholungsgebiet gewandelt, was vielleicht ein Stück weit dazu beiträgt, die Trauer der dort ausharrenden Kleinen Meerjungfrau zu lindern.

Informationen zum Thema

Website der Europäischen Umweltagentur EUA: www.eea.europa.eu

Qualitätssiegel "Blaue Flagge" der Stiftung für Umwelterziehung: www.blueflag.global

Informationen zur Wasserqualität in den einzelnen Bundesländern: www.umweltbundesamt.de

Als deutsches Vorzeigeprojekt für die Optimierung der Wasserqualität wird im EUA-Bericht unter anderem die Isar genannt, wobei Flussbäder hierzulande gegenüber den stehenden Gewässern klar in der Unterzahl sind. In Frankreich hingegen haben Flussbäder Tradition und machen sogar die Hälfte aller Binnenbadegewässer aus.

Egal ob Hafen, Fluss oder Baggersee, in Deutschland sind Schwimmer fast überall auf der sicheren Seite. Nur fünf Badestellen landesweit fielen bei den Testern durch, 98 Prozent der deutschen Badegewässer weisen eine zumindest akzeptable, 90,3 Prozent sogar eine ausgezeichnete Qualität auf. Damit rangiert Deutschland im EU-Vergleich an achter Stelle, knapp vor Österreich. Die deutschen Seen und Flüsse überholen mit 93 Prozent ausgezeichneten Bewertungen die deutschen Küsten, die nur zu 76 Prozent durch exzellente Sauberkeit glänzen. Akzeptabel bis gut ist das Nord- und Ostseewasser allemal, die Glöwitzer Bucht bei Barth an der Ostsee ist als einzige deutsche Küste nicht ausreichend sauber. Europaweit liegen die Binnengewässer qualitativ jedoch etwas hinter den Küsten.

In Deutschland sind die Seen noch sauberer als die Küsten an Nord- und Ostsee

Alternativ informiert das Umweltsiegel "Blaue Flagge", das von der global operierenden Stiftung für Umwelterziehung, der Foundation for Environmental Education (FEE) vergeben wird, über besonders saubere und sichere Badestätten in 40 Ländern in Europa, Südafrika, Neuseeland, Kanada und der Karibik. Im weltweiten Vergleich stehen die europäischen Badestellen jedenfalls sehr gut da.

2015, exakt 40 Jahre nach Erscheinen des ersten EUA-Berichts, waren nur noch knapp zwei Prozent der europäischen Badegewässer mangelhaft. 1991 betraf dies noch ein Viertel. Immerhin aufs Badewasser ist in Zeiten wackeliger Europapolitik also noch Verlass.

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