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Uluru in Australien:Jetzt ist aber Schluss

Uluru Australien

Für Besucher ein Fotomotiv, für Ureinwohner heilig: der Uluru.

(Foto: Getty Images)

Der lange Streit um das Kletterverbot am heiligen Berg der Aborigines geht in die letzte Runde - wahrscheinlich. Ein Besuch beim Stein des Anstoßes.

Uluru at Dusk

Für die Besucher ein Fotomotiv, für die Ureinwohner ein heiliger Ort: Etwa drei Kilometer lang und 350 Meter hoch ragt der bei Sonnenaufgang rot strahlende Uluru aus der Wüste.

(Foto: Nigel Killeen/Flickr Vision/Getty Images)

Das Beste, was dem Berg passieren kann, ist Wind. Dann nämlich wird die Stelle gesperrt, an der eine Metallkette auf einem steilen Weg zum Gipfel führt. Und all die Leute, die hier auf bloßem Stein eineinhalb Kilometer nach oben klettern wollen, müssen unten bleiben, weil der Aufstieg zu gefährlich wäre. Wenn es windig ist, dann herrscht endlich Ruhe am Berg. Nicht irgendeinem Berg, sondern am Uluru, einer der beliebtesten Touristenattraktionen Australiens. Gelegen im roten Zentrum, in einem Teil des Landes, der den australischen Ureinwohnern gehört.

Für sie ist der Berg ein Heiligtum, und daher wollen sie nicht, dass die Fremden darauf herumklettern. Lange haben sie die Touristen auf Schildern, Infotafeln und in Broschüren um Rücksicht gebeten, vor zwei Jahren beschlossen sie eine drastischere Maßnahme: Wenn alles so kommt wie geplant, soll es ab Ende Oktober verboten sein, auf den Uluru zu steigen. Wenn.

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Denn seit Monaten tobt eine heftige Diskussion darum, was man auf dem Uluru darf und was nicht, und wer überhaupt darüber entscheidet. Es geht um die Frage: Wem gehört der Berg?

Der Stein des Anstoßes, kurz nach sechs Uhr morgens. Alles ist wie immer in der touristischen Hochsaison. Am nachtblauen Himmel verglimmen die letzten Sterne, auf den Parkplätzen reiht sich ein Reisebus an den anderen, und die Besucher strömen über markierte Wege zu den Aussichtsplattformen. Sie stellen sich in Reihen auf, halten Handys und Kameras hoch und sehen zu, wie am Horizont die Silhouette des Berges hervortritt.

Wie der Uluru im Licht der aufgehenden Sonne seine Farbe wechselt, von Grau zu Kakaopulverfarben zu einem flammenden Orangerot. Wie Schichten, Risse, Höhlen und Verwerfungen im Gestein sichtbar werden, wie man Linien und Muster zu erkennen meint und Formen, die an riesige Augen erinnern.

Für Ungeübte nicht ungefährliche Kletterei

Sofort ist einem klar, was die Menschen an diesem Berg fasziniert, der so unvermittelt aus dem weiten roten Land emporragt. Warum der "Uluru Climb" von unzähligen Leuten auf Instagram und Youtube als ultimatives Erlebnis beschrieben wird, das man nicht verpassen darf. Warum sich die Leute in der prallen Sonne eine Wand hochquälen, die für ungeübte Kletterer nicht ungefährlich ist.

Clive Scollay weiß noch, wie alles angefangen hat. Scollay sitzt mit Basecap und Rucksack in einem Hotelcafé der Touristensiedlung Yulara, die 17 Kilometer vom Berg entfernt ist. Scollay war lange Sozialarbeiter in einem Dorf der Anangu-Ureinwohner, jetzt leitet er Maruku Arts, eine Plattform für indigene Künstler. Als es Scollay vor 40 Jahren hierher verschlug, war der Berg überall nur als "Ayers Rock" bekannt, der Name, den europäische Entdecker ihm gegeben hatten.

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Es gab eine Rinderfarm und eine Tankstelle, ansonsten lebten die Leute so, wie sie schon Tausende Jahre zuvor gelebt hatten. Sie jagten und sammelten im Busch und kamen zu Zeremonien am Uluru zusammen. Scollay traf Menschen, die noch genau wussten, wie das war, als sie den ersten Weißen gesehen hatten.

Mitte der Achtzigerjahre bekamen die Anangu das Land, in dem der Uluru liegt, wieder zurück und verpachteten es an die Regierung. Ein Nationalpark mit einer gemeinsamen Verwaltung wurde eingerichtet, ein Resort für Touristen gebaut und ein Flughafen. Seither strömen Besucher aus aller Welt zum Uluru, bis zu 400 000 im Jahr. Und mit dem Tourismus kam das Bedürfnis nach dem Außergewöhnlichen - nach dem Aufstieg auf den Berg.

Weil so viele Besucher hochkletterten, wurde hier erst eine Kette angebracht und dann für jeden, der beim Aufstieg in den Tod stürzte, eine Plakette. 37 Tote gab es bislang am Uluru.

Auch die junge Frau, die sich als Leah Savage vorstellt, kam als Touristin. Savage stammt aus Westaustralien, als Kind reiste sie mit den Eltern zum Ayers Rock, die Familie kletterte hoch, weil das alle so machten.