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Australien: Top-End:Crocodile Dundees Pfade

Die Abenteuerkomödie "Crocodile Dundee" hat den Kakadu Nationalpark zur Attraktion erhoben. Doch das "Top End" im Norden Australiens bietet noch mehr.

Das Sektglas beschlägt sofort, der Inhalt ist bestimmt 25 Grad kälter als die Außentemperatur. Auch am Abend kühlt es sich in Darwin kaum ab, weshalb die Passagiere der "Kim" über jeden lauen Luftzug froh sind, der das 50 Jahre alte Perlenfischerboot streift. Jeden Abend starten die "Sunset Cruises" in Darwins Naturhafen. Wer hier am Sektglas nippt, ist mit einem Fuß noch in der Zivilisation - und mit dem anderen schon in der Wildnis.

Aus dem Busch in den Busch - Crocodile Dundee hat es vorgemacht.

(Foto: australia.com)

In Darwins Innenstadt geht zur gleichen Zeit die Post ab: Hunderte von Rucksackreisenden bescheren den Bars an der Mitchell Street einen guten Umsatz. Darwin kommt selten zur Ruhe, denn hier endet der Stuart Highway, jene legendäre Nord-Süd-Trasse durch Australien, deren Bewältigung der Traum vieler Reisender in "Down under" ist. Darwin als Schlusspunkt ist für sie ein Platz zum Feiern.

Auf der nördlichen Hauptschlagader in die Wildnis..

Der Stuart Highway ist eine Hauptschlagader des "Top-Ends": Von hier sind viele Attraktionen leicht erreichbar. Nur der Kakadu-Park liegt nicht direkt am Stuart - wer dorthin möchte, muss ein wenig südlich von Darwin auf den Arnhem Highway abbiegen. Bei der Weiterfahrt in Richtung Süden ragen beiderseits der Straße dürre Eukalyptusbäume aus der roten Erde, Termitenhügel und Büsche dazwischen. Das Bild wird nur von wenigen Abzweigungen unterbrochen. Bei dem Ort Batchelor etwa geht es nach Westen in den Litchfield Nationalpark. In den Seen unterhalb der Wasserfälle Wangi Falls und Florence Falls tummeln sich an freien Tagen viele Einwohner Darwins - es sind ja nur 140 Kilometer Strecke.

Der nächste Stopp am Stuart Highway ist Adelaide River. Der Ort verkörpert das typische Bild des australischen Buschlandes: Ein paar Häuser, eine Polizeistation und eine Tankstelle mit Roadhouse. Dort begegnen Filmfans einem alten Bekannten: dem Büffel "Charlie", den "Crocodile Dundee" mit ein paar Fingerzeigen in die Knie zwang. Bis zum Jahr 2000 ließ sich "Charlie" auf einer Koppel an der Tankstelle gerne fotografieren. Heute steht er ausgestopft auf der Theke der Gaststätte. "Altersschwäche" verrät der Barkeeper als Todesursache.

Wilde Landschaften, wilde Tiere, zivilisierte Touristen

Um Tiere ganz anderer Art geht es 117 Kilometer weiter südöstlich. Nahe des Ortes Pine Creek, wo eine mit Wasser gefüllte 135 Meter tiefe und 250 Meter breite Grube an die großen, aber vergangenen Zeiten der Goldförderung im "Top End" erinnert, widmet sich das "Franz Weber Territory" Australiens Wildpferden, die von manchen Bewohnern des Kontinents als Plage empfunden werden. Auf 500 Quadratkilometern bietet das Reservat seit 1993 rund 800 Wildpferden und 35 Reitpferden ein sicheres Zuhause. Touristen sind willkommen - sie können Reitunterricht nehmen oder auch an längeren Ausritten teilnehmen, die zum Teil mit Camping im Buschland verbunden sind.

Eine der meistbesuchten Attraktionen im "Top End" ist der Nitmiluk Nationalpark. Zu ihm gehören die Edith Falls - Wasserfälle an einer Anhöhe, die sich durch eine gut zweistündige Wanderung auf dem "Leliyn Walk" erkunden lassen. Und zu ihm gehört das 15 Kilometer lange und 25 Millionen Jahre alte Schluchtenlabyrinth der Katherine Gorge. Auf geführten Bootstouren können die Schluchten abgefahren werden.

Hinter der Oase endet die Zivilisation - selbst für Crocodile Dundee

Der Ort Katherine, der sich als Ausgangspunkt für die Bootstouren und Wanderungen anbietet, hat außer der einzigen Ampel auf der rund 1700 Kilometer langen Strecke zwischen Darwin und Alice Springs im Zentrum Australiens kaum etwas zu bieten. 113 Kilometer südöstlich werden Reisende allerdings ein weiteres Mal überrascht: Nach den Vogelparadiesen, Wasserfällen, Eukalyptuswäldern und weiten Schluchten des "Top End" gibt es bei dem Ort Mataranka eine von Palmen umgebene Thermalquelle mit 34 Grad warmem Wasser. Glasklar ist das erfrischende Nass, in das sich manchmal allerdings ganze Busladungen von Touristen stürzen.

Auf dem Weg von Katherine nach Süden fällt bereits auf, dass die Bäume immer niedriger werden, je weiter man sich von Darwin entfernt. Mataranka wirkt wie der letzte Außenposten des "Top End" mit seiner tropischen Vegetation, bevor das karge Outback mit seiner roten Erde beginnt. Der UKW-Radioempfang ist längst verloren gegangen, die Zivilisation hat sich endgültig im Rückspiegel verabschiedet - und auch die Welt des "Crocodile Dundee" hört in Mataranka auf.

Quellen: sueddeutsche.de/dpa

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