bedeckt München 23°

Australien:In Melbourne hat sich eine besonders eigenwillige Café-Szene entwickelt

Das Café "Auction Rooms" ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen; viele hier mögen den Kaffee schwarz und ohne Milch.

(Foto: Auction Rooms)

Cold Drip, Flat White, Batch Brew: Die Bewohner der australischen Metropole trinken ihren Kaffee anders. Das musste selbst Starbucks einsehen.

Wenn David Kim eine Tasse Kaffee brüht, rutscht seine Brille manchmal auf seiner Nase weit nach vorne. Doch der Barista aus Melbourne schenkt solchen Kleinigkeiten keine Beachtung. Für ihn, der im "Australian Brewers Cup" den dritten Platz belegte, ist Kaffee eine Kunst. Eine, die seine volle Aufmerksamkeit braucht.

"Kaffee ist nicht gleich Kaffee, es kommt auf so vieles an", sagt Kim, dessen Café "Auction Rooms" im Norden Melbournes für Koffeinfans aus aller Welt eine Pilgerstätte geworden ist. Hier gurgeln die Maschinen vor sich hin. Es läuft und tröpfelt, mal schnell, mal in Zeitlupe, mal ist der Kaffee durchsichtig hell, mal kräftig schwarz. "I'll have the batch", hört man immer wieder an der Theke in breitem Aussie-Slang: eine Tasse Filterkaffee, gebrüht mit der Kaffeebohne, die diesen Tag im Angebot ist. Die Melbourner vertrauen darauf, dass ihre Baristas nur das Beste in die Tasse füllen. Viele mögen ihren Kaffee hier gern schwarz und nicht zu bitter - Milch ist nicht so wichtig.

"Die Australier trinken viel mehr Kaffee als andere Nationen, die ich kenne", sagt David Kim. "Kaffee gilt hier nicht als ungesund, sondern eine Tasse von hoher Qualität passt zu dem gesunden Leben, das viele Australier führen." Viel fetter Milchschaum stört dabei nur. Ein Grund, warum "Batch Brew", der klassische Filterkaffee, zurzeit so beliebt ist.

Diese Brüh-Technik hat allerdings wenig mit der Filtermaschine von früher gemein: Die Qualität des Pulvers ist besser, das Aroma ausbalanciert, der Kaffee schmeckt nie zu bitter. Wie schnell das Wasser durch den Filter rinnt, reguliert Kim je nach Pulversorte. "Es geht um das Verhältnis von Kaffee und Wasser. Entscheidend ist, wie schwer das Pulver ist, nicht, wie viel man nimmt. Nur wer das beherrscht, brüht exzellenten Kaffee", sagt Kim.

Sein Filterkaffee im "Auction Rooms" kostet zwischen 4 und 8,5 australische Dollar, umgerechnet also zwischen 2,70 und 5,80 Euro. Die Schlange ist besonders am Wochenende lang, manchmal reicht sie vom Tresen bis vor die Tür des Cafés. "Kaffee gehört für uns Städter zum täglichen Leben", sagt Kim. "Es ist ein Ritual, unsere Art, das Leben zu genießen. Darum geht es, Freunde zu treffen, den Moment zu leben - nicht nur darum, morgens wach zu werden."

In Melbourne ist Kaffee längst zu einem Aushängeschild der Stadt geworden. Selbst Raststätten und Bars an sehr touristischen Plätzen servieren guten Kaffee. Ob Cold Drip, Aero-pressed, Flat White, Batch Brew: Wer auf eine Tafel in einem Coffeeshop schaut, dem kann schwindlig werden von all den Zubereitungsarten, Filtermöglichkeiten und Milchschaum-Variationen. Längst gibt es Stadtführungen, die sich nur um Kaffee und Cafés drehen. Die Kaffeemesse Melbournes ist eine der wichtigsten der Branche.