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Ausschreitungen in Tunesien:Urlaub auf dem Pulverfass

Die gewalttätigen Unruhen erreichen auch Küstenorte und die Hauptstadt Tunis, dennoch rät das Auswärtige Amt nicht von Reisen nach Tunesien ab.

Trotz der gewalttätigen Unruhen hat das Auswärtige Amt (AA) keine offizielle Reisewarnung für Tunesien herausgegeben. Es rät aber zu erhöhter Vorsicht. Die Proteste seien innenpolitisch bedingt, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Urlauber seien bisher nicht betroffen. Touristen sollten aber Menschenansammlungen und Reisen in ausgewiesene Sperrgebiete in Tunesien meiden.

Karte Tunesien Unruhen Infografik

Unruhen im Westen des Landes, aber auch in Tunis und an Küstenorten (für eine Großansicht der Tunesien-Karte auf die Lupe klicken)

(Foto: Graphik: sueddeutsche.de, S. Kaiser)

Solange das Auswärtige Amt keine offizielle Reisewarnung herausgibt, können Urlauber ihren Urlaub nicht kostenlos stornieren. Wer also seinen Urlaub lieber woanders verbringen möchte, muss die Kosten für Storno oder Umbuchung selbst tragen.

Die gewalttätigen Ausschreitungen konzentrierten sich auf die Provinzen Sidi Bouzid und Kasserine im Zentrum des Landes sowie auf weitere westliche Landesteile. Am heftigsten waren dort die Zusammenstöße in der Stadt Kasserine, nahe der algerischen Grenze.

Nun haben die Unruhen aber auch die Hauptstadt Tunis und den Küstenort Sousse erreicht, das etwa 20 Kilometer von dem beliebten Touristenort Monastir und 80 Kilometer von Hammamet entfernt liegt. Die Insel Djerba, ebenfalls beliebtes Reiseziel, ist bisher nicht betroffen.

Der Tourismus ist die zweitgrößte Industrie in Tunesien. Etwa fünf Millionen Ausländer kommen im Jahr in das afrikanische Land. Bleiben die Urlauber jetzt wegen der Unruhen aus, könnte das die wirtschaftliche Situation verschärfen. Dabei richten sich die Proteste gerade auch gegen die hohe Arbeitslosigkeit. Besonders junge Menschen leiden unter der Perspektivlosigkeit. Nach Erhebungen der Weltbank haben 37 Prozent der Hochschulabsolventen in Tunesien dreieinhalb Jahre nach ihrem Examen immer noch keine Stelle.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) schätzt die Zahl der Gäste von deutschen Reiseveranstaltern in Tunesien derzeit auf weniger als 5000. Auf das gesamte Jahr reisen laut DRV etwa 480.000 deutsche Touristen nach Tunesien. Bisher seien keine erhöhten Stornierungswünsche festgestellt worden, sagte Verbandssprecher Torsten Schäfer.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/inra/kaeb

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