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Thailand:Ein Urlaubsland trägt Trauer

Schwarze Kleidung, Kondolenzbücher in den Hotels und Straßen voller Girlanden: Nach dem Tod von König Bhumibol ist Urlaub in Thailand anders als sonst.

Ein Textilstand auf dem Straßenmarkt in Takua Pa in der Provinz Phang Nga: Auf Stangen und Ständern hängt nur schwarze Kleidung. Hemden, Hosen, T-Shirts mit der Aufschrift: "I was born in Regency of King Rama IX of Thailand". Geboren wurden viele während dieser Zeit. Schließlich herrschte der im Oktober verstorbene Bhumibol Adulyadej 70 Jahre und somit länger als jeder Regent zuvor in seinem Land. Bhumibols Tod versetzte Thailand zunächst in Schockstarre. Jetzt hat das Land weitgehend die Farbe verloren.

Schon kurz nach dem Tod des Königs waren in Bangkok die Schaufenster umdekoriert. Selbst Ketten wie H & M reagierten rasch - und zeigten nur noch schwarze Modelle. Anfangs fürchtete man, dass während der Staatstrauer nicht genug Kleidung in Trauerfarbe zur Verfügung stehen würde oder dass sich nicht jeder entsprechend kleiden könne. Doch die Thailänder sind Textil-Profis: Vielerorts entstanden Pop-up-Färbereien, in denen man seine Kleidung umtönen lassen kann.

Touristen werden schon im Flugzeug auf die Stimmung im Land vorbereitet

Wer momentan nach Thailand reist, wo am 1. Dezember Bhumibols Sohn die Thronfolge angetreten hat, erlebt ein Land, das noch immer trauert. Gäste von Thai Airways werden schon in der Luft eingestimmt. Die jüngste Ausgabe des Bordmagazins der Fluggesellschaft ist dem König gewidmet. Inserenten, die sonst für Schmuck, Mode und Luxusuhren werben, verzichten auf Produktabbildungen und veröffentlichen stattdessen großformatige, schwarz-weiße Traueranzeigen. Auch viele Reiseveranstalter verschicken schon mit den Reiseunterlagen einen Dresscode für die Gäste: Als Zeichen der Anteilnahme am Tod des Königs wird gebeten, während der Reise keine farbige Kleidung zu tragen. Für den Besuch des Großen Palastes in Bangkok, der einstigen Residenz der Könige von Siam, gab es immer schon die Vorschrift, geschlossene Schuhe zu tragen - und keine zerlöcherten Jeans. Frauen sollen die Schultern bedecken, Hosen und Röcke lang genug sein. In diesen Tagen wird besonders darauf hingewiesen.

Doch nicht alle Touristen halten sich an die Bitte, die Gefühle der Bevölkerung zu respektieren - vor allem außerhalb der Hauptstadt nicht. Bei knapp 30 Grad am Ende der Regenzeit spazieren Touristen lieber in Shorts, ärmellosen Tops und Flip-Flops durch Tempelanlagen. Die Einheimischen sind zu höflich, um auf solche Respektlosigkeit zu reagieren. Sie lächeln. Doch es ist nicht immer ein Anlächeln. Thailänder können so eine Barriere zum Gegenüber aufbauen, um nicht das Gesicht zu verlieren. Die Gedanken hinter dem Lächeln sind für Fremde so wenig lesbar wie die verschnörkelte thailändische Schrift.

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Dass Thailand trauert, ist nicht zu übersehen. Bei der Fahrt über Land sieht man überall in den Orten schwarz-weiße Stoffgirlanden - sie sind entlang der Straßen angebracht und an öffentlichen Gebäuden, als Zeichen der Staatstrauer. Riesige Plakatwände mit Bildern des verstorbenen Königs, meist in seinen jungen Jahren, stehen mitten in der Landschaft. Das ist keine Inszenierung, auch kein glamouröses Drama wie einst der Tod von Lady Diana. Bhumibol war für sein Volk mehr als ein König der Herzen. Gleichwohl gibt es auch einen sozialen Druck zur Verehrung, dem sich Thailänder kaum entziehen können. Majestätsbeleidigung kann mit bis zu 15 Jahren Gefängnis geahndet werden. Dies gilt auch für Ausländer. Journalisten droht bei negativer Berichterstattung über das Königshaus die Ausweisung. Berichten lokaler Medien zufolge waren bereits wenige Tage nach dem Tod des Königs fünf Menschen wegen Majestätsbeleidigung angeklagt worden. Sie sollen den Verstorbenen in sozialen Medien diffamiert haben.