Asien-Reisen: Macao Völlerei am Perlflussdelta

In der Spielermetropole Macao überlassen die Einheimischen die Kasinos den Fremden und gehen lieber essen. Kein Wunder, nirgends ist das Speisenangebot so vielfältig wie hier.

Zu António Coelho sollte man nicht zu spät kommen. Sein Lokal in Macao läuft glänzend. Als die alte Chinesin um halb neun das Lokal betritt, ahnen die Gäste, dass das nicht gut gehen wird. "Ist das hier António's?", ruft sie in den Raum. Der Namensgeber des Restaurants kommt hinter seinem Thresen hervor. "Sie sind ja kaum zu finden!", herrscht sie ihn an. Reserviert hatte sie für acht Uhr. "Tja", sagt António, "der Tisch ist weg, Sie hätten von unterwegs anrufen sollen." Die alte Chinesin rauscht hinaus. Der Patron entfernt das Reservierungsschild vom freien Tisch neben der Theke.

Völlerei am Perlflussdelta: Eine kulinarische Tour durch Macao Zum Themendienst-Bericht von Frank Rumpf vom 8. März: In Macao sind die Speisekarten nicht unbedingt lang, das kulinarische Angebot aber ist groß: Das gilt in der früheren portugiesischen Kolonie auch für die klassische chinesische Küche. (Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei. Das Bild darf nur in Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei Nennung der Bildquelle verwendet werden.) Foto: Fremdenverkehrsbüro Macao/dpa/tmn

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António Coelho kann es sich leisten, Gäste abzuweisen, die wie diese Dame aus der neuen chinesischen Oberschicht meinen, alles müsse nach ihrer Pfeife tanzen. Macao wurde vor zwölf Jahren von den Portugiesen an China zurückgegeben. Seitdem ist der Landzipfel im Perlflussdelta eine Sonderverwaltungszone. Die neuen Herren haben aus der Stadt ein chinesisches Las Vegas gemacht - mit riesigen Kasinos.

Mit dem Glücksspiel geht es Macao inzwischen so gut, dass die Regierung jedes Jahr einen Teil der Einnahmen an die 550.000 Einwohner verschenkt. Wenn sie klug sind, geben sie den Bonus fürs Essen aus. Denn nur an wenigen anderen Orten in Asien gibt es europäische und chinesische Küche in so vielen Variationen.

António zum Beispiel serviert gefüllte Taschenkrebse mit Röstbrot und gratinierten Ziegenkäse mit Honig und Olivenöl. Dann Kabeljau aus dem Ofen, anschließend eine mosambikanische Spezialität: scharf gewürztes "African Chicken". Zum Nachtisch eine Serradura als üppigere Version von Tiramisu. Am nächsten Tag kann die kulinarische Entdeckungsreise fortgesetzt werden.

Hinter dem Red Market im Zentrum bereiten schon im Morgengrauen Bratküchen und Imbissstände für ein paar Cent ein Frühstück aus allen möglichen Küchen dieser Erde zu: Bratnudeln, Obst, Dim Sum, Mürbeteigkekse. Tagesempfehlung: gedämpfte, blassweiße Reisrollen mit Chilis und Sesam-Sojasauce.