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Arlberg in Österreich:Ski zwingen zur Akrobatik am Grat

Ein Blick direkt nach unten beruhigt: Da kann man den Skifahrern auf den Pisten zuschauen. Sie wuseln die Hänge hinauf und hinunter. An der Bergstation des Riffel-II-Liftes beginnt der Klettersteig. Hier oben aber ist nur der verschneite Felsgrat, der Wind und ein einziger anderer Kletterer, der uns schnell überholt.

Die Skier sind auf den Rucksack geschnallt, was die Sache auch nicht leichter macht. Nicht nur wegen des Gewichts, sondern weil man mit den Skispitzen immer wieder in Konflikt mit dem teils über dem Kopf verlaufenden Drahtseil und den eigenen, dort eingehängten Bandschlingen gerät. Sie verhaken sich. Man muss sich bücken und um die eigene Achse drehen, was auf einem Grat eine verzichtbare akrobatische Nummer ist.

Informationen

Anreise: Mit der Bahn etwa von München nach St. Anton in gut drei Stunden, ab 29 Euro, www.bahn.de

Unterkunft: In Pettneu: Hotel Pettneuerhof, Übernachtung mit Frühstück ab 94 Euro pro Person im Doppelzimmer, www.pettneuerhof.com; in St. Anton: Hotel Grieshof, Übernachtung mit Halbpension im DZ ab 168 Euro, www.grieshof.com

Klettersteig: Der Winterklettersteig ist nur etwas für erfahrene Ski-Bergsteiger, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sowie Lawinenausrüstung sind erforderlich. Einstieg an der Riffl-II-Bergstation, Bergfahrt 17 Euro. Geführte Touren über die Skischule St. Anton, Tagessatz 364 Euro, www.skistanton.com

Weitere Auskünfte: www.stantonamarlberg.at

Frank Widmann steigt voraus, wartet, gibt an schwierigen Passagen Tipps. An der Schlüsselstelle, einem Spalt zwischen zwei senkrecht aufragenden und mit hellgrünen Flechten bewachsenen Gneisblöcken, muss man von der einen auf die andere Seite hinüberspreizen, sich hochziehen. "Wenn du da eine Gruppe mit fünf Gästen hast, wartest du gerne mal eine Stunde, bis alle drüber sind", sagt er. Die Kälte spürt man bald nicht mehr, da die kontinuierliche Bewegung den Körper aufwärmt, sogar die Fingerspitzen.

Das letzte Tal ohne Lift soll nun auch noch verbaut werden. Der Skilehrer ist dagegen

Am höchsten Punkt, der 2816 Meter hohen Vorderen Rendlspitze, zeigt Widmann bei einem Becher heißen Tees auf das Malfontal, durch das wir bald runterfahren werden. Es sei geplant , zwei Lifte hineinzubauen, um das Skigebiet Kappl mit jenem von St. Anton zu verbinden. Die Umweltverträglichkeitsprüfung sei schon durch. "Hoffentlich tun sie es nicht", sagt Widmann, der ja eigentlich von dem ganzen Skizirkus lebt, "das ist das letzte von Liften unverbaute Tal bei uns, sonst kannst du die Abfahrt nach Pettneu runter vergessen." Bis jetzt ist das Malfontal den Skitourengehern vorbehalten, oder jenen, die sich über den Winterklettersteig mühen. Danach wäre hier Freeridegelände für alle.

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Vom höchsten Punkt geht es noch mal ziemlich steil und felsig bis auf die Rossfallscharte runter. Erst hier reicht Widmann die Hand, zieht den Flachmann raus und schenkt die Verschlusskappe voll mit Birnenschnaps. "Der ist ein bisschen gesüßt, das mögen die Gäste lieber als die scharfen Kracher", sagt Widmann, ganz Skilehrer.

Die Abfahrt durch das Tal, in dem er jeden noch unverspurten Hang kennt, ist dann so schön, dass man die Arlberger innerlich übel verwünscht beim Gedanken daran, sie könnten hier Lifte reinbauen.

Von Pettneu geht es mit dem Skibus zurück nach St. Anton. Dort, in Widmanns Skischule, stehen ziemlich gut gelaunte bärtige Jungs aus aller Welt herum, Widmanns Skilehrer-Kollegen. Sie zeigen ihm Videos von eigenen Freeride-Fahrten, teils aus Drohnen gefilmt, dann würfeln sie um die nächste Runde Dosenbier, Amerikaner, Holländer, Deutsche.

"Ich bin der einzige Einheimische hier", scherzt Widmann und kassiert das Geld des Verlierers. "Damit machen wir am Saisonende da draußen immer ein großes Grillfest."

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