Arktis:Spitzbergen - entlang der "kalten Küste"

Abkühlung gefällig? In der Arktis bedeutet Sommer etwa fünf Grad Celsius. Schilder warnen vor Eisbären - und gelegentlich schwimmt ein Walross durchs Panorama.

Von Ingrid Brunner

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Spitzbergen

Quelle: Thomas Bujack

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Eisbärenland: Schon am Flughafen von Longyearbyen, mit etwa 2000 Einwohnern der Hauptort von Svalbard (Spitzbergen), warnen Schilder vor den größten Landraubtieren der Welt. Der Bestand in Spitzbergen wird auf 3000 Tiere geschätzt. Zuletzt wanderte im März ein Eisbär durch den Ort. Die Einwohner sind stets wachsam - und die drei Kindergärten mit eisbärsicheren Zäunen geschützt.

In der Umgebung Longyearbyens sollte man wegen der Bären nie unbewaffnet unterwegs sein. Gleichzeitig sind die Tiere streng geschützt. Selbst wer in Notwehr auf sie schießt, wird automatisch angeklagt und muss nachweisen, dass er nicht leichtfertig gehandelt hat. Erst muss er versucht haben, den Eisbären mit Lärm und Leuchtraketen zu vertreiben - dann ist der tödliche Schuss als letzte Möglichkeit straffrei.

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Das Spitzbergen-Ren ist eine eigene Unterart. Es ist kleiner als das artverwandte Rentier auf dem Festland. Sein Fell ist fast weiß, der Körperbau gedrungener - eine Anpassung an die Hocharktis.

Schätzungsweise 10 000 Tiere leben auf dem Spitzbergen-Archipel. Die direkte Nähe zum Menschen scheuen sie nicht, sie haben keine Fressfeinde, nicht einmal der Eisbär wird ihnen gefährlich: Das Rentier gehört nicht in sein Beuteschema, nur in Extremfällen würde er ein Jungtier oder ein krankes Tier reißen.

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Spitzbergens Tundralandschaft ist eine Reduktion auf Stein, Sumpf und Wasser - und das, was das arktische Klima damit macht. Im kurzen Sommer bei Durchschnittstemperaturen von fünf Grad Celsius bahnt sich das Schmelzwasser seinen Weg. Lediglich die obere Schicht des Permafrostbodens taut zwischen Juni und August auf. Nicht von ungefähr heißt Spitzbergen auf Norwegisch Svalbard - kalte Küste.

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Eine Impression aus dem Magdalenenfjord: Man kann sich den Inseln und Fjorden Spitzbergens auch vom Wasser aus annähern - indem man ein Schiff besteigt. Die MS Nordstjernen etwa befährt zwischen Mai und September die Westküste.

Zwar prägen Treibeis und blauschimmernde Gletscher die Landschaft. Doch der Westspitzbergenstrom, ein Ausläufer des Golfstroms, sorgt selbst hier im Nordpolarmeer dafür, dass die Westküste ganzjährig schiffbar bleibt.

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In einem eisfesten Tenderboot nehmen Passagiere der MS Nordstjernen die mächtigen Gletscher des Magdalenenfjords aus der Nähe in Augenschein. Bis zu 30 Meter ragen die Abbruchkanten empor. Laut knirschend zertrümmert die Bootsschraube die Eisbrocken. Es klingt, als mixe ein Barmann einen Cocktail mit dem Eiscrusher. Wer will, nimmt sich einen Brocken Eis für seinen Drink mit an Bord.

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Inmitten der grauen Steinwüste wachsen Farbwunder. Flechten, Moose und Farne sowie einige arktische Steinbrechblumen, die in der kurzen Vegetationsperiode blühen, sind die einzigen Pflanzen, die auf Spitzbergen überleben. Die Flechten schaffen bisweilen surreal anmutende Farbteppiche.

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Abgesandte der Insel Moffen: Eigentlich ist es nur ein flaches, wenig spektakuläres Eiland, dennoch bietet Moffen einen Rückzugsort für eine stattliche Walross-Kolonie und ist schon deshalb sehenswert. Wer die Insel mit dem Schiff erreicht, passiert den 80. Grad nördlicher Breite: Man ist dann nur noch zehn Grad, etwa 1100 Kilometer, vom Nordpol entfernt.

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Der Kongsfjord (Königsfjord) im Nordwesten von Spitzbergen ist 22 Kilometer lang. Gletscher säumen die Küstenlinie: Der Kongsvegen, der Kongsbreen, der Conwaybreen und der Blomstrandbreen kalben in den Fjord. Ein überwältigender Anblick, wie sich diese im Inneren blau leuchtenden Eismassen in den Fjord schieben, wie immer wieder mächtige Brocken abbrechen und unter lautem Donnern ins Meer stürzen.

An Südufer des Kongsfjord liegt Ny-Ålesund, die nördlichste Siedlung Spitzbergens. Und nicht nur das: Ny-Ålesund gilt als nördlichster dauerhaft besiedelter Ort der Welt - sieht man von der russischen Forschungsstation Barneo im arktischen Packeis und der kanadischen Station Alert auf Ellesmere Island ab.

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Birdwatcher aus aller Welt kommen nach Spitzbergen, wo etwa 30 Vogelarten regelmäßig brüten. Darunter Alkenvögel wie die Dickschnabellumme, die Grylltheiste und der Papageientaucher, die gerne in gut geschützten Felswänden und -spalten nisten, meist in Küstennähe, wo sie nach kleinen Fischen und Krustentieren tauchen.

Diese Zugvögel fliegen Tausende Kilometer, weil die Sonne von Ende April bis Ende August nicht hinter dem Horizont verschwindet und bei reichem Nahrungsangebot besonders günstige Brutbedingungen herrschen.

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Exklusives Panorama: Norwegen, Dänemark und Schweden heißen die drei Berge, die man von Ny-Ålesund aus erblickt. In diesen Genuss kommen nur wenige: Im Sommer leben dort etwa 120 Personen, im Winter nur um die 30. Sie alle sind Teil einer Gemeinschaft internationaler Wissenschaftler, die dort die globale Klimaveränderung beobachten und Polarforschung betreiben.

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Das Geisterdorf Grumant, eine verlassene sowjetische Siedlung, war in den Fünfzigerjahren die größte Siedlung auf Spitzbergen. Der längst unrentabel gewordene Kohlebergbau bildete Anfang des 20. Jahrhunderts den Anfang der dauerhaften Besiedlung des Archipels.

Aufgrund des Spitzbergenvertrags von 1920 darf jeder Unterzeichner noch heute die Bodenschätze Spitzbergens ausbeuten und sich auf dem Archipel niederlassen - sofern es sich um eine friedliche und nicht militärische Nutzung handelt.

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Zukunftsträchtiger Bunker: Was hier aus dem Boden ragt, ist der Eingang zum Svalbard Global Seed Vault. Tief im Permafrostboden lagert Saatgut von Nutzpflanzen aus der ganzen Welt. Ziel ist es, die Biodiversität und damit die Nahrungsgrundlage für die gesamte Menschheit zu schützen und zu erhalten. Im Jahr 2007 nahm die Samenbank ihre Arbeit auf. Insgesamt 4,5 Millionen Proben mit jeweils 500 Samen sollen hier einmal lagern. Die strengen Hygienebestimmungen erlauben dort keinen Publikumsverkehr, lediglich Wissenschaftlern ist der Zutritt gestattet.

Wer vom Norden fasziniert ist, landet irgendwann in Spitzbergen. Es ist eine Reise in eine Seelenlandschaft, die ihren Reiz eben aus der Abwesenheit von üppiger Vegetation und überbordender Fruchtbarkeit zieht. Besucher können dort unter professioneller Führung wandern, Trekkingtouren machen, auf Ski- und Hundeschlittentouren gehen. Oder man steigt in Longyearbyen auf ein Schiff und erkundet den Archipel vom Wasser aus. Es ist eine Reise an den Rand der Zivilisation, an den Rand des Möglichen. Spitzbergen - oder Svalbard - ist etwas für manche, nicht für die Massen.

Die Recherchereise wurde von Visit Norway und Hurtigruten unterstützt.

© SZ.de/ihe/kaeb/feko
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