Apartmentvermittlung in Wien Fremder Freund in der Stadt

Manche der Pappkästen sind beschriftet und benennen den Aufenthaltsort: Ins venezianisch anmutende Piran an die slowenische Riviera hatte es die junge Familie des Fotografen im August 1927 verschlagen - ein Bootsausflug in der Adria, die Mutter im knielangen Badeanzug bewacht ihre Kinder im schaukelnden Nachen.

Man schaut und liest sich ein in fremde Leben. Nicht nur in Romys. Es ist fast, als gehöre einem Wien ein bisschen und als gehöre man hierher, wenn man nach Mitternacht im Dunkel des Zwischenhofs nach dem richtigen Schlüssel sucht, die Tür zur knarzenden Stiege aufstößt, die Gummibäume passiert und beim Drehen des Lichtschalters ein junges Liebespaar verschreckt, das sich in der Enge des Bogengangs sicher gewähnt hatte. Vielleicht gelingt das Einschlafen nicht sofort, und so sitzt man kurz darauf auf dem Nadelstreifensofa des Art-Déco-Designers Jindrich Halabala, befreit Romys Mozartkugeln aus rotem Stanniol und versucht, sich an das repetitive Knacken des Boilers im Badezimmer zu gewöhnen.

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Wieso heißen Wiens berühmte Kutschen eigentlich Fiaker? Muss man beleidigt sein, wenn ein Wiener vom "Grätzl" spricht? Und warum fuhr eine Artistin mit dem Riesenrad - allerdings außen an der Kabine hängend?

"Wir entwerfen für jeden Gast einen individuellen Plan, und zwar ohne copy and paste", erläutert Gerald Tomez die Idee vom "fremden Freund in der Stadt". Tomez, der nach dem Schulabbruch zunächst als Aktienhändler, Modedesigner, in der Softwareentwicklung und schließlich als Musikproduzent sein Geld verdiente, steht mit seinem Lebenslauf exemplarisch für die Biografien-Vielfalt bei Chez Cliché: "Wir kennen die Szene in Wien. Unser großes Netzwerk war einer der Gründe, warum wir das Projekt überhaupt anstießen: Wir haben für jeden den Schlüssel zur Stadt", sagt der 38-Jährige.

Auch über den Internet-Marktplatz für Privatunterkünfte Airbnb kann man Romy und ihre klischierten Kollegen kontaktieren. Allerdings lasse sich die Illusion dann doch nicht den kompletten Aufenthalt über durchhalten, wie Tomez zugibt: "Auf unserer Internetseite machen wir kein Geheimnis daraus, dass man bei fiktiven Freunden lebt." Bei einem Gast allerdings sei die Kommunikation fehlgeschlagen. "Der wollte bis zum letzten Tag unbedingt die Stewardess Bella kennenlernen", erzählt Tomez. Nun, vermutlich ist Bella auch bezaubernd. Und überhaupt, was wäre Wien ohne ein bisschen Schmäh.

Bildband "Vintage Vienna"

Auf dem Weg in die Zukunft

Informationen: Die verschieden großen Apartments sind verteilt auf die Stadt. Die Wohnung "Romy", Schwarzspanierstraße 15, 1090 Wien, ist für bis zu 3 Personen geeignet und kostet ab 189 Euro pro Nacht, Mindestaufenthalt zwei Nächte, www.chezcliche.com