Anti-Drogen-Kampagne:Chance für Straßendealer

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Vor den grün-angestrahlten Fenstern des "Grasshopper" stehen ratlos ein paar italienische Touristen. Das Restaurant ist zwar geöffnet, doch eine rote Samtkordel versperrt den Zugang zu dem bekannten Lokal. Unverrichteter Dinge ziehen die Italiener weiter und wundern sich wie viele Touristen über den Umschwung. Allein im Zentrum Amsterdams machen die Haschischläden rund 100 Millionen Jahresumsatz - und Urlauber sind die Hauptabnehmer.

Die Stadtverwaltung versucht zu beschwichtigen: Es blieben noch genügend Coffeeshops geöffnet und Kiffer seien nach wie vor willkommen. Aber nur in den Läden, die von den strengen Reglementierungen nicht betroffen sind.

Warum nicht die Schule kaufen?

Wo Coffeeshops schließen müssen, wittern Straßendealer ihre Chance. Seit den Restriktionen blühe der Straßenhandel, warnt Unternehmer Veling, der auch Vorsitzender des Verbandes der Cannabis-Einzelhändler ist. Er weist auf einige herum lungernde Gestalten in der engen Gasse Oudebrugsteeg. "Sieben Dealer. Und die verkaufen auch illegale Drogen wie Ecstasy oder Kokain."

Um die Coffeeshops zu retten, kam der Unternehmer auf eine pragmatische, aber kuriose Lösung: Warum nicht die Schule in der Nähe kaufen? Die Inhaber wollen die Privatschule zu einem Umzug verführen und das Institut steht dem Plan auch wohlwollend gegenüber. Jetzt ist nur die Frage, ob die 13 Coffeeshops genug auf den Tisch legen können. Sonst müssen etwa 150 Mitarbeiter um ihren Job bangen. "Keine gute Aussicht", sagt der 26-jährige Verkäufer Tia, während er sorgfältig auf einer kleinen Waage Marihuana wiegt, das an getrocknete Brokkoliröschen erinnert.

Seine elegante Kundin mit Perlenkette und It-Bag hat von der neuen strengen Linie noch nichts gehört. Einmal im Jahr kommt die 50-jährige Amerikanerin nach Amsterdam. An ihren Fingern mit kunstvoll rot gelackten Nägeln blitzen kostbare Ringe. "Wird es verboten?", fragt sie leicht besorgt, während sie ihre zwei Gramm rein biologischen "White Widow" bezahlt.

Auch viele Amsterdamer verstehen die Welt nicht mehr. Während immer mehr Länder den Hasch-Verkauf legalisieren, geht ausgerechnet der einstige Vorreiter Niederlande in die andere Richtung: Durch das Kiffer-Paradies weht ein scharfer Wind.

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