Süddeutsche Zeitung

Anreise zum Skiort:Per Billigflieger in die Alpen

Weil die Anreise mit dem Auto neben Geld auch noch Zeit und Nerven kostet, steigen immer mehr Winterurlauber in den Flieger. Gerade günstige Fluglinien haben ihr Angebot erweitert.

In den Wintersport fahren viele Urlauber mit dem Auto. Weil auch am Urlaub gespart und oft nur noch eine Woche verreist wird, schätzen viele Winterurlauber inzwischen die Anreise mit dem Billigflieger - was oft günstiger kommt und in fast jedem Fall weniger Zeit kostet.

Ryanair & Co. landen zwar nicht in unmittelbarer Nähe der Pisten. Doch Hoteliers und Tourismusverbände kommen den einfliegenden Wintersportlern oft buchstäblich entgegen. Die Low-Cost-Carrier verschaffen den Wintersportregionen viele neue Gäste, bewertet Tobias Jüngert, Geschäftsführer des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbands (DRV) in Berlin, den Trend.

"Wer bisher für Wintersport nicht zu haben war, fängt zwar nicht allein wegen der Billigflieger das Wedeln an, aber wer dadurch eine lange Anfahrt mit dem Auto vermeiden kann, entscheidet sich eher dafür."

Mehr Geld für dort

Die Wintersportregionen profitieren davon doppelt: "Die Touristen geben weniger für die Anreise aus, sparen dann aber nicht am Urlaubsort", sagt Klaus Stephan, Chef der Österreich-Werbung in Berlin.

Die Anreise per Flieger kommt nach seiner Beobachtung einem weiteren Trend entgegen: dem zur immer späteren Buchung. Längst entscheiden sich viele Wintersportler nicht Monate im Voraus, sondern erst kurzfristig, wenn sie wissen, dass in "ihrem" Skigebiet Schnee liegt. Dann wird online der Flug gebucht und danach das Hotel.

Häufig lassen sich dabei Hotel-Pakete buchen, die den Transfer vom manchmal etwas entlegenen Flughafen bis vor die Hoteltür enthalten. Trentino-Urlaubern beispielsweise wird das Problem in diesem Winter mit einem neuen Shuttle-Service abgenommen, der die Wintersportler an den Flughäfen bei Brescia und in Verona einsammelt.

Per Billigflieger in die Alpen

Dichtere Flugnetze

Auch in Österreich ist das Streckennetz der Billigflieger dichter geworden. Sieben Low-Cost-Gesellschaften fliegen nach Salzburg, drei nach Innsbruck, drei nach Graz und zwei nach Klagenfurt, zählt Klaus Stephan auf.

Die Wege in die Schweiz sind durch die Low-Cost-Flieger ebenfalls kürzer geworden: Verbindungen gibt es etwa mit Easyjet ab Berlin und Hamburg nach Basel oder von Berlin und Dortmund nach Genf.

Die Strecken nach Klagenfurt und Salzburg werden für den Winter immer wichtiger, sagt Herbert Euler, Sprecher des Billigfliegers hlx in Hannover: "Hoteliers und Skigebiete sind wach geworden und weisen auf die Verbindungen hin oder bieten Paketlösungen an, die zum Teil auch auf der hlx-Website zu buchen sind."

Auch Germanwings fliegt nicht nur zu Sonnenzielen, sondern auch nach Wien, Zürich, Oslo oder Krakau - Flughäfen, die zumindest für die Weiterreise in Skigebiete in Frage kommen. "Von Krakau ist es nur eine gute Stunde bis Zakopane", sagt Firmensprecher Heinz Joachim Schöttes. "Wir überlegen derzeit, ob noch weitere Strecken nach Osteuropa interessant sind."

Easyjet bietet von Dortmund Flüge nach Prag und Krakau an und fliegt von Berlin nach Krakau und Ljubljana in Slowenien. Von dort ist es nicht weit in die Skizentren Kranjska Gora, Krvavec und Maribor. Von Prag sind es rund 140 Kilometer ins Riesengebirge.

Trotz aller Bewegung im Markt: "Das Gros der Skiurlauber fährt noch mit dem Auto", sagt DRV-Geschäftsführer Jüngert. Als Alternative zu Bahn und Pkw haben sich die Billigflieger noch nicht durchgesetzt, ist auch die Einschätzung von Gieri Spescha von Graubünden Tourismus in Chur: "Allerdings dürfte das Potenzial nicht unbeträchtlich sein."

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