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Interview:"Der Tourismus wächst sowieso"

Geerte Udo ist die Direktorin von Amsterdam Tourismus.

Die Direktorin von Amsterdam Tourismus, Geerte Udo.

(Foto: Amsterdam Tourismus)

Normalerweise werben Tourismusmanager für ihre Region. Nicht jedoch in Amsterdam. Direktorin Geerte Udo sagt, warum.

Wenn es um Overtourism geht, die negativen Auswirkungen von zu viel Tourismus, fällt der Name einer Stadt ziemlich sicher: Amsterdam. Auf 864 000 Einwohner kommen 19 Millionen Besucher. Bis zum Jahr 2030 sollen es 30 Millionen sein. Strategien dafür entwickelt die neue Direktorin der städtischen Tourismusagentur Amsterdam & Partners, Geerte Udo.

SZ: Wann haben Sie gemerkt, dass es zu viele Touristen in Amsterdam gibt?

Geerte Udo: Ende 2013. Das Wachstum des Tourismus verlief entsprechend dem weltweiten Wirtschaftswachstum schneller, als wir es je für möglich gehalten hätten. Gleichzeitig sanken die Kosten für Flüge und Unterkünfte. Der Druck stieg.

Mit Druck meinen Sie Überfüllung, steigende Mieten, Alkoholexzesse ?

Zum Beispiel. Aber ich will betonen, dass wir nicht zu viele Touristen in der gesamten Region Amsterdam haben. Nur an manchen Orten zu manchen Zeiten führt der Tourismus zu Belästigungen.

Was unternehmen Sie dagegen?

Wir werben nicht mehr für die Stadt. Stattdessen betreiben wir Imagepflege, zeigen, dass wir mehr zu bieten haben als Coffeeshops und Kanäle. Und wir lenken die Besucher um - ins Umland, aber auch im Zentrum selbst, in nicht so bekannte Viertel.

Aber wer nach Amsterdam kommt, will doch gerade das Rijksmuseum, Van Gogh und die Kanäle sehen.

Die alternativen Tipps richten sich eher an Wiederholungsgäste. Wer zum ersten Mal kommt, hat kein Interesse an Neuem, der will die Highlights. Aber wir wissen auch, dass sehr viele Leute das Gleiche zur gleichen Zeit unternehmen: Morgens gehen sie ins Van-Gogh-Museum, nachmittags auf ein Kanalboot. Deshalb raten wir ihnen, es andersherum zu machen.

Wollen Sie weniger Touristen?

Wir haben nicht die Macht, die internationalen Touristenströme zu kontrollieren. Wir sind ein offenes, liberales Land. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu diskutieren, wie wir den Tourismus so managen können, dass er keine Bürde für die Einheimischen ist. Wachsen wird er sowieso.

Wie viele Gäste hält Amsterdam aus? Es gibt keine Maximalzahl, weil die Stadt selbst wächst. Der Tourismus soll an allem schuld sein. Aber prosperierende Städte ziehen generell mehr Besucher an, mehr Einwohner, mehr Unternehmen, mehr Jobs. Dann sieht man immer mehr Vororte, die sich mit der City verbinden. Vor 20 Jahren wäre kein New-York-Tourist auf die Idee gekommen, nach Williamsburg zu fahren. Jetzt machen das alle.

Wie beziehen Sie die Einwohner ein?

Wir überlegen, wie sie ihre eigene Stadt besser erleben können. Wenn Einheimische in bestimmte Viertel gehen, weil sie das Gefühl haben, dort gibt es etwas zu entdecken, gehen auch Touristen hin. Aber wir tun dies nicht, um die Touristen glücklich zu machen, sondern um die Stadt lebenswert zu halten.

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