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Amerika, der Länge nach (XXIV):Weit weg vom Dollarland

In Ecuador kann man an einem Tag im Dschungel wandern, durch Schneeberge fahren und am Sandstrand liegen. Wenn nicht das leidige Backpacker-Problem wäre.

Als ich morgens im Amazonas schwimme, verliere ich eine Sandale. Ich hatte beide Sandalen an einem trockenen Fleck am Ufer abgestellt. Nach dem kurzen Bad in kaltem Wasser ist der trockene Fleck nass. Nur eine Sandale steht noch da. Eine Welle muss die andere Strandsandale fortgespült haben.

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Schnee, Sonne, Surfen in Ecuador

Das Wasser sprudelt hier noch über Felsen. Erst viel weiter abwärts sammeln sich die einzelnen Arme zu dem bräunlichen Strom, der sich quer über den ganzen Kontinent zieht. Eine Stunde flussaufwärts von meiner Badestelle steigen Berge aus der Ebene. Noch weiter oben liegen die Quellen.

Ich gehe zurück ins Dschungeldorf und schenke meiner Gastfamilie die übrig gebliebene Strandsandale. Vielleicht fischen sie die verschwundene Sandale irgendwann weiter unten aus dem Fluss. Es sei denn, die Sandale schwimmt auf dem Amazonas bis nach Manaus, oder sogar bis zum Meer.

Streng genommen fließt der Amazonas gar nicht durch Ecuador. Der Fluss entspringt in den Anden von Peru und läuft in nördliche Richtung die Hänge hinab. In Iquitos, der Stadt des "Fitzcarraldo" von Werner Herzog, biegt der Amazonas nach rechts ab. Dann streift er Kolumbien und durchquert Brasilien zum Atlantik.

Trotzdem nennen die Ecuadorianer das Gebiet östlich der Berge ihren Amazonas. Durch den Dschungel zieht sich ein Flusssystem. Tiger leben hier. Amerikanische Firmen pumpen Öl aus der Erde. Und geographisch haben die Ecuadorianer sogar recht, denn die Gegend ist Teil des Amazonasbeckens. Alles flach.

Auf dem Landweg bin ich nach Ecuador eingereist. Kurz vor der Grenze liegt Ipiales. Das ist die südlichste Stadt Kolumbiens. Auf meinem Bett in der Pension stapeln sich vier Wolldecken. Heizung gibt es nicht. Draußen hat es fünf Grad. Abends hatte ich den Wetterbericht aus Deutschland gelesen. Wärmer dort.

Ein Taxifahrer bringt mich zu einem Haus aus Ziegelsteinen, in dem ich meinen Ausreisestempel bekomme. Der Morgennebel hebt sich. Ein Geldwechsler betrügt mich, indem er in letzter Minute ein scheinbar besseres Angebot macht. In Wirklichkeit bekomme ich weniger Dollar für meine Pesos, nicht mehr.

Ich bin weit weg vom Dollarland. Aber auch Ecuador hat seine eigene Währung aufgegeben. Eine Nacht bleibe ich in Otavalo. Der Ort ist für den Markt bekannt, auf dem es Teppiche mit Andenmuster gibt. Eine Amerikanerin fragt mich, ob mir der Wollpulli für ihre Tochter gefällt. Ich lächle. Der Pulli gefällt mir nicht.

Am nächsten Morgen stapfe ich am Stadtrand durch Müllberge. Ich will zu den grünen Hügeln, den Ausläufern der riesigen Vulkane, die sich in den Wolken verstecken. Dort begegnet mir ein Viehhüter mit drei Kühen und einem Hund. Alte Frauen schleppen riesige Holzbündel. Ein Schwein grunzt mich an.

Die Fassaden mancher Häuser sind mit Wahlplakaten zugeklebt. Quito ist nicht weit. In der Hauptstadt regiert ab nächster Woche ein lebhafter und noch recht junger Mann namens Rafael Correa. Er hat gegen den größten Bananenpflanzer des Landes gewonnen, obwohl der öffentlich auf die Knie gefallen war, um zu beten.

Correa ist gut bekannt mit Hugo Chavez aus Venezuela.

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Durchs wilde Kolumbien

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