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Altstadt von Aleppo in Syrien:Historische Stadt in Gefahr

"Die Nachrichten aus Aleppo sind zutiefst erschreckend", sagt die Unesco. Sie hatte die Altstadt vor allem wegen des größten Basars des Vorderen Orients zum Weltkulturerbe gemacht. Nun zerstörten Flammen einen Jahrtausende alten Schatz der Menschheit.

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Quelle: AP

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"Die Nachrichten aus Aleppo sind zutiefst erschreckend", sagt die Unesco. Sie hatte die Altstadt vor allem wegen des größten Basars des Vorderen Orients zum Weltkulturerbe gemacht. Bei Kämpfen Ende September stand dieser in Flammen. Ein Blick auf eine historische Stadt in Gefahr.

Dafür war Aleppo im Norden Syriens berühmt, deshalb kamen Touristen in die Stadt - und deshalb wurde die mittelalterliche Altstadt 1986 zum Weltkulturerbe der Unesco gemacht: Der Basar war der größte und schönste der islamischen Welt und stellte selbst die Märkte in Damaskus, Istanbul oder Kairo in den Schatten. Bis jetzt.

Archivbild aus dem Jahr 2007

Aleppo Syrien Altstadt Souk Basar

Quelle: AP

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Am 28. September brach während der Kämpfe zwischen Rebellen und Soldaten der Regierung ein Feuer aus, das in den Gewölben des überdachten Bazars wütete. Seither haben sich die Kämpfe in Syrien noch verstärkt.

Dieses Foto des Feuers im mittelalterlichen Souk stammt aus einem Video von Shaam News Network (SNN), das die Nachrichtenagentur AP als authentisch einstuft.

File picture of people walking through Al-Madina Souq market in Aleppo

Quelle: REUTERS

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"Die Nachrichten aus Aleppo sind zutiefst erschreckend", sagte UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa. Die Zerstörung des Weltkulturerbes sei eine Tragödie. Hunderte Geschäfte seien in Flammen aufgegangen. Sobald es die Sicherheitslage in Syrien zulasse, will die Unesco ein Expertenteam schicken, um möglichst bald Hilfe für das Welterbe zu leisten, das von der Tausende Jahre alten Geschichte des Landes zeuge.

Archivfoto des Al-Madina Souk Marktes, 2011

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Quelle: AP

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Altstadt von Aleppo in Syrien:Aleppo Unesco Weltkulturberbe

"Ich rufe alle Beteiligten auf, ihr Möglichstes zu tun, um diese Denkmäler der Menschheitsgeschichte zu verschonen", appellierte Bokowa an die Aufständischen und Soldaten.

Wo Abraham seine Kuh molk: Ein Spaziergang durch Aleppo

Quelle: Manuel Meyer/dpa/tmn

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Einst schien die Altstadt des einstigen kulturellen und wirtschaftlichen Zentrums Aleppo ein einziger großer Basar: Das Gewirr aus überdachten Einkaufsstraßen soll sich auf zwölf Kilometern erstrecken - der größte Basar des Vorderen Orients. Der Souk ist ein unüberschaubares Labyrinth, in dem sich Tausende winzige Straßenläden auf 350 Hektar Fläche aneinanderreihten. Eine fünf Kilometer lange Stadtmauer umgibt das historische Zentrum. Doch selbst diese konnte den Basar nicht schützen.

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Quelle: AFP

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Schon seit Monaten ist die Altstadt umkämpft. Rebellen treffen dort auf regimetreue Truppen. Dabei geraten nicht nur die Menschen, sondern auch die mittelalterlichen Gemäuer unter Beschuss, die das Feuer überstanden haben.

Foto aus der Altstadt vom 30. September 2012

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Quelle: AFP

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Auch die Gassen außerhalb des überdachten Basars sind kaum wiederzuerkennen. Nur wenig erinnert daran, dass die Jahrtausende alte Prunkstadt einst eine der größten Touristenattraktion des Landes war, die Besucher mit orientalischem Ambiente, überall sichtbarer Geschichte und spektakulären Moscheen begeisterte.

Foto aus der Altstadt vom 30. September 2012

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Quelle: AFP

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Statt durch die engen Straßen und Gassen der Altstadt zu flanieren, rennen die Menschen wie dieser Junge um ihr Leben: Scharfschützen nehmen auch Zivilisten ins Visier.

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Quelle: AP

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Nicht alle entkommen ihren Schüssen.

Das Blut eines Opfers von Heckenschützen, angeblich der syrischen Armee, außerhalb des Dar El Shifa Hospital in Aleppo.

General view shows Aleppo city

Quelle: Reuters

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Aleppo gilt als einmaliges Zeugnis seltener arabischer Architekturstile, da die Stadt als kultureller Knotenpunkt immer weiter ausgebaut wurde. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts vor Christus tauchte Aleppo erstmals in Schriften auf. Die Stadt liegt - günstig für den Handel - zwischen Mittelmeer und dem Fluss Euphrat.

Archivbild, 2006

Wo Abraham seine Kuh molk: Ein Spaziergang durch Aleppo

Quelle: Archivbild: Manuel Meyer/dpa/tmn

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Aleppo ist eine der ältesten ununterbrochen besiedelten Städte der Welt. Das monumentale Tor der Karawanserei al Wazir zeigt die lange Geschichte als Handelszentrum. Hier schlugen schon vor Jahrhunderten Karawanen ihre Waren um. Im Jahr 2006 wurde Aleppo als erstem Ort die Bezeichnung "Kulturhauptstadt des Islam" verliehen. Einen Eindruck der langen Geschichte vermittelt ein Besuch der Zitadelle. Sie gilt als mächtigste moslemische Festungsanlage im Vorderen Orient. Die wuchtige Schutzburg erhebt sich mitten im Zentrum 60 Meter über dem Basar - und ist ebenfalls umkämpft: Seit der Bürgerkrieg vor zwei Monaten Aleppo erreichte, versuchten Aufständische, die Zitadelle einzunehmen. Dabei wurde ihr steinernes Monumentaltor zerstört. Auch von hier aus sollen Scharfschützen der Regierung die Straßen der Stadt ins Visier nehmen.

Wo Abraham seine Kuh molk: Ein Spaziergang durch Aleppo

Quelle: dpa-tmn

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Früher erfreuten sich einheimische und ausländische Besucher der Festung an dem Blick auf Aleppo. Die Seleukiden, eine Nachfolgedynastie Alexanders des Großen, bauten die Burg im vierten Jahrhundert vor Christus. Ihre heutige Form stammt aber vor allem aus dem 15. Jahrhundert. Auch Griechen, Römer, Perser, Byzantiner und Osmanen bauten auf dem Gelände hoch über der Stadt ihre Tempel. Einst soll Abraham dort oben Kühe gemolken haben, um die Milch an die Armen zu verteilen. Daher stammt der Name der Stadt: Auf Syrisch heißt sie "Halab asch-Schahba" - der Ort, wo "Abraham gemolken hat".

Doch zur Zeit ist das Gebiet kein Ort der Milde und Großherzigkeit, sondern ein strategischer Posten im Kampf um Aleppo.

Der Bürgerkrieg in Syrien hat in den vergangenen 20 Monaten nach Angaben der Opposition mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet.

© Süddeutsche.de/kaeb/Manuel Meyer, dpa/dd/rus

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