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Stornogebühr auf Berghütten:Wer im Tal bleibt, zahlt

Zu viele Wanderer reservieren Schlafplätze in Alpenhütten, erscheinen aber nicht und nehmen so anderen den Platz weg - obwohl ihr Bett leer bleibt. Nun sollen Stornogebühren disziplinieren. Auch die Hüttenbuchung wird modernisiert.

Der Weg zum Kärlingerhaus, das trotz seiner gewaltigen Ausmaße noch immer unter dem Begriff Alpenvereinshütte firmiert, ist nichts für Spaziergänger. Mindestens drei Stunden Fußmarsch inklusive einer serpentinenbestückten Rinne mit dem vielsagenden Namen "Saugasse" sind es vom nächstgelegenen Ausgangspunkt St. Bartholomä am Königssee - und dorthin fährt auch nur das Elektroboot. Die Lage inmitten eines unverschämt schönen Bergkessels in den Berchtesgadener Alpen, weit abseits von Bergstation und Parkplätzen, bedeutet jedoch nicht, dass die insgesamt 212 Betten der Hütte stets reichen würden.

Schon jetzt sind für die Nächte von Samstag auf Sonntag bis Mitte September keine Buchungen mehr möglich. Der Hüttenwirt Siegfried Hinterbrandner hält zwar die vom Deutschen Alpenverein (DAV) vorgeschriebenen 25 Prozent an Betten für nicht angemeldete Gäste frei, warnt aber: "Wer zu spät kommt, für den gibt's möglicherweise nur noch den Fußboden."

Goûter-Hütte am Mont Blanc

Not macht genügsam: Die Goûter-Hütte am Mont Blanc wurde zwar schön renoviert, manch einer hat davon aber nichts.

(Foto: Jean Pierre Clatot/AFP)

Dass in den kommenden Sommermonaten an bestimmten und zuvor meist absehbaren Terminen mal wieder die Plätze auf so manchen Berghütten knapp werden, hat nicht alleine mit der gerne zitierten Berg- oder Wanderlust zu tun. Häufig mangelt es an entsprechenden Maßnahmen, um zwischen Almen und Felswänden mit den Anforderungen fertig zu werden, die der moderne Homo touristicus so stellt.

Der neigt bekanntermaßen dazu, immer kurzfristiger für immer kürzere Urlaube zu buchen und sich gleichzeitig gerne möglichst viele Möglichkeiten für das perfekte Wochenende offenzuhalten. Im alpinen Bereich gibt es zudem einen entscheidenden Faktor, der eine langfristige Vorhersage von Massenwanderungen besonders schwer macht: das Wetter.

Platz für alle

Es gibt jede Menge Hütten in den Ostalpen, die auch während der Hauptsaison oft ausreichend Platz bieten. Laut Robert Kolbitsch, Ressortleiter Hütten und Wege des DAV, müsse man nur Wochenenden und die "Hauptausflugsschneisen" meiden, wie jene von Bergtouristen überlaufene Nord-Süd-Trasse zwischen Bayerischen Alpen und Dolomiten. Hält man sich noch dazu von großen Namen (Watzmann, Matterhorn), Moderouten wie dem E5 und Aufstiegshilfen fern, hat man häufig freie Bettenwahl. Beispielhaft nennt Kolbitsch das Niedersachsenhaus, die Osnabrücker Hütte und die Feldnerhütte im Salzburger Land und in Kärnten. Dominik Prantl

Gerade an sonnigen Sommerwochenenden verschärft sich die alpine Bettenlage daher oft, während manche Hütten an Wochentagen der Nebensaison oder bei wechselhaftem Wetter nahezu leerstehen. Um sich die beste Option offenzuhalten, reservieren wahre Buchungsprofis sogar Zimmer für den gleichen Zeitraum auf mehreren Hütten in verschiedenen Teilen der Alpen - verbunden mit der Hoffnung, dass irgendwo zwischen Chamonix und Karawanken doch die Sonne scheinen muss. Die Wahl fällt dann auf jene Hütte mit der besten Vier-Tages-Wetterprognose.

Die Hüttenwirte werden über das Fernbleiben oft nicht einmal informiert. "No-shows", nennt das der Deutsche Alpenverein, mit 326 Schutzhütten einer der wichtigsten Anbieter hochalpiner Schlafstätten. Nur: Anders als bei Fluglinien oder Hotels, die einen Sitz oder ein Zimmer oft zweimal verkaufen oder zumindest eine Anzahlung verlangen, werden Hüttenbesucher bei Nicht-Erscheinen bislang selten zur Kasse gebeten, obwohl diese möglicherweise dringend benötigte Plätze blockieren.

Seit einigen Jahren versuchen der DAV, der Österreichische Alpenverein und der Alpenverein Südtirol deshalb, der Unsitte der No-shows gegenzusteuern. So wurde 2012 eine gemeinsame Empfehlung für "einheitliche Stornoregelungen für bewirtschaftete Alpenvereinshütten" ausgegeben. Zehn Euro pro Person und Nacht solle ein Wirt vorab berechnen - wobei die Regelung von den Wirten ganz unterschiedlich gehandhabt wird.

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