Der beste Ort zum ... Muskelkater kriegen

Auf der längsten Piste der Alpen in Zermatt

Winterfans haben diesen Traum auch im Hochsommer: eine nie endende Piste, ewiger Sonnenschein, nicht schmelzender Schnee, und unter den Füßen ein Paar frisch gewachster Skier. Das mit der Sonne und dem Schnee gibt es leider nicht in Wirklichkeit, und irgendwann hört jede Piste einmal auf. Aber mit 14,9 Kilometer Länge kommt die Abfahrt vom Klein Matterhorn nach Zermatt fast an den Traum heran, es handelt sich immerhin um die längste präparierte Skipiste der Alpen. Die Zermatter Bergbahnen geben sogar eine Länge von 25 Kilometern an, das ist aber grob übertrieben und stimmt höchstens, wenn man durchgehend riesige Kurven und Schleifen fährt.

Der Startpunkt ist jedenfalls auf 3820 Metern an der höchsten Seilbahnstation Europas. Man quert unter dem Gipfel durch einen 200 Meter langen Tunnel, schön langsam, die Luft ist dünn. Vom Start auf dem Breithorn-Plateau bis hinunter nach Zermatt beträgt der Höhenunterschied 2190 Meter. Der erste Abschnitt führt durch Eisbrüche zum Plateau Rosa, einem Sommerskigebiet mit einigen Schleppliften. Ziemlich flach geht es zur Testa Grigia hinüber, von dort aus kann man nach Italien schauen. Sanft führt die Strecke über den Theodulgletscher, das Matterhorn wirkt von dort aus zum Greifen nahe und viel spitzer als vom Ort unten. Nach sieben Kilometern ist am Trockenen Steg (2939 Meter) erst der Gletscher zu Ende. Ab hier wird das Gelände abwechslungsreicher und die Abfahrt etwas anspruchsvoller.

Der Abschnitt bis Furgg ist rot markiert, ab dort geht es weiter über eine schwarze Piste, die im Zickzack eine Steilstufe hinunter zur Gornerschlucht überwindet. Man muss kein Experte sein, um hier herunterzukommen, wer langsam macht und viele kleine Schwünge fährt, dürfte keine Probleme haben. Ab Furi (1867 Meter) geht es durch Arvenwälder und vorbei an sonnengegerbten Holzstadeln die letzten zwei Kilometer hinunter nach Zermatt - fast 15 Kilometer vom Start entfernt. Ein Traum.

Titus Arnu

Bild: Denis Balibouse/Reuters 24. Dezember 2014, 15:192014-12-24 15:19:30 © SZ vom 18.12.2014/ihe