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Serie "Reisen ohne Flug":"Morgen kommt die schwerste Etappe"

Einige Teilnehmer erzählen denn auch von TV-Beiträgen, in denen alles so einfach ausgesehen hat. Da schien die Sonne, die Menschen prosteten sich völlig unverschwitzt auf einer Hütte mit grandiosem Alpenpanorama zu und sahen aus, als könnten sie gleich noch weitere 1200 Höhenmeter hinaufsteigen.

Menschen überquerten von jeher die Alpen: aus Neugier, um Handel zu treiben, auf Feldzügen. Seit Hannibal während des Zweiten Punischen Krieges im Jahr 218 vor Christus mit seinem Heer und 37 Kriegselefanten über die Berge kam, ist die Alpenüberquerung ein Mythos. Dass sie heutzutage von so vielen Menschen unternommen wird, liege vielleicht an der Italiensehnsucht der Deutschen, meint DAV-Sprecher Thomas Bucher.

Dazu kommt der Genuss der Schönheit der Berge. So sehen die Wanderer bei der Venet-Überschreitung in einem grandiosen 360-Grad-Panorama grüne Matten, die nördlichen Kalkalpen und die Ötztaler Gletscher. Man wandert kilometerlang auf einem Grat über vier kleine Gipfel mit Blick auf die spektakuläre Auffaltung des Gesteins. Auf dem nicht enden wollenden Abstieg über steile Geröllwege ins Pitztal nach Wenns pfeifen sich die Murmeltiere Warnsignale zu. Am Wegrand sitzen Jäger mit riesigen Gamsbärten am Hut. Sie trinken luxemburgisches Dosenbier, das ein Jagdgast aus seiner Heimat mitgebracht hat, und halten Ausschau nach Gämsen. Abends beim Essen ist sich die Gruppe mal wieder einig: Dieser Tag war der schwerste, oder? Doch am Abend vor dem Aufstieg zur Braunschweiger Hütte stellt die Wanderführerin klar: "Morgen kommt die schwerste Etappe", jeder müsse sich selbst die Frage beantworten, ob er oder sie noch eine Schippe drauflegen kann.

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"Drei Tage an der frischen Luft, dann konnten wir endlich schlafen"

So richtig abenteuerlich wird eine Wanderung erst mit einer Übernachtung auf einer Berghütte. SZ-Autoren schildern ihre schaurig-schönsten Erlebnisse.

Die Braunschweiger Hütte auf fast 3000 Metern gilt als Königsetappe des E 5. Doch mittlerweile humpelt sich manch einer nach längerem Sitzen erst einmal ein, um wieder in die Gänge zu kommen. Und fast jeder in der Gruppe kämpft im Laufe der Woche mit seinen eigenen Dämonen. Einem fährt die Kälte in die Glieder, ein anderer hat plötzlich Höhenangst. Drei Leute kämpfen mit Magenproblemen. Einen Tag pausieren, ginge das überhaupt? Geht - wenn man selbst mit dem Bus zum nächsten Hotel fährt. Verblüffenderweise sind es die Senioren in der Gruppe, 71 und 75 Jahre alt, die den Jüngeren davonlaufen. Bergsteigen sei keine Altersfrage, sagt Bucher. "Der E 5 und andere Weitwanderwege sollten nicht am Anfang einer Bergwanderkarriere stehen." Dafür brauche es Erfahrung.

Aber ausgerechnet auf die Braunschweiger Hütte, die höchstgelegene Unterkunft auf dem E 5, kommen auch weniger trainierte und ausgeruhte Menschen. Sie nehmen den Sessellift von Sölden zum Rettenbachjoch und steigen dann in einer knappen Stunde über das Pitztaler Jöchl zur Hütte hinab. Die Pächter Melanie und Stefan Neurauter freuen sich über jeden zusätzlichen Gast in der kurzen Sommersaison. Wer es aber von St. Leonhard im Pitztal aus eigener Kraft auf die Braunschweiger Hütte auf 2759 Meter schafft, sich den schier endlosen Murmeltiersteig hinaufquält, sitzt stolz auf der Terrasse und blickt auf eine der letzten Gletscherwelten Kontinentaleuropas. Man sieht das vom Gletscher geformte Tal, das man aus eigener Kraft hochgestiegen ist. Man sieht die bedrohte Schönheit der Gletscher, die wohl schon bald verschwunden sein werden. Umso krasser der Kontrast, jenseits des Pitztaler Jöchls bei Sölden: die Skiarena in ihrer ganzen betonierten Hässlichkeit.

Doch dann kommt St. Martin im Passeier, die erste Station in Südtirol, die Teilnehmer blicken nach Süden, sehen reifes Obst an den Bäumen, Weinberge, Palmen. Ein erster Espresso in Meran, noch in Wanderklamotten, muss einfach sein. Am letzten Abend ist der Speisesaal voller Menschen, die man unterwegs zwar nicht gesehen hat, die es aber ebenfalls über die Alpen geschafft haben. Einigen ist die Anstrengung anzusehen, aber alle sind in Hochstimmung. Als Chiara Urkunden überreicht, verdrückt mancher eine Träne.

Bisher erschienen: Mit dem Bus nach Stockholm (19.9.), Radtour durch die Niederlande (26.9.). Die Serie im Netz: sz.de/thema/Reisen_ohne_Flug

Reiseinformationen

Reisearrangement: Wikinger Reisen, "Von Oberstdorf nach Meran über die Alpen", mit Unterkünften in Hotels und Gasthöfen, findet 2020 zwischen Ende Juni und Anfang September statt, sieben Tage mit Halbpension 1298 Euro p. P. im Doppelzimmer inkl. Transfer ab/bis Sonthofen und Gepäcktransport, Einzelzimmerzuschlag 130 Euro. Auf Wunsch Arrangement der Zuganreise nach/ab Sonthofen, wikinger-reisen.de

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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