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Hüttentouren:Liebe, Durst und Kaiserschmarrn im Schnee

Ohne volle Anstrengung wäre das Essen nur halb so gut

Die Eckdaten der Wanderung klangen nicht besonders herausfordernd: 5,1 Kilometer und 529 Höhenmeter - machbar, auch für eine Gruppe mit einem halben Dutzend Kinder und Menschen, die ihre Bergstiefel für das Hüttenwochenende in den Tiefen des Kellers hatten suchen müssen. Von der unteren Gnadenalm zwischen Ober- und Untertauern sollte es rauf gehen zur "Süwie", zur Südwienerhütte. Voller Elan setzte sich der 15-köpfige Trupp in Bewegung. Nach 500 Metern war er in viele Grüppchen zerfallen. Nach einem Kilometer kehrten die ersten um (erste Lektion für junge Eltern: Schotterweg + Bogaboo = Anstrengung¹⁰). Nach drei Kilometern entdeckten die Kinder am Wegrand den ersten Schnee. Nach vier Kilometern war er überall, auf den Bäumen, auf dem Weg - vor allem: in den Schuhen. Die kindliche Begeisterung schlug in Gejammer um. Doch jetzt umkehren? Auch blöd. Und als fast alle Kinder nur noch auf den Rücken ihrer abgekämpften Eltern fortzubewegen waren, blitzte sie plötzlich wie eine Fata Morgana zwischen den Bäumen hindurch: die Süwie. Selten hat der Anblick einer Hütte solche Begeisterungsstürme ausgelöst. Und eine Viertelstunde später stand er in gusseiserner Pfanne vor uns: der weltbeste Kaiserschmarrn, bestäubt mit Puderzucker. Oder war es vielleicht doch Schnee? Ann-Kathrin Eckardt

Ein Skitourenkurs mit Folgen für die ganze Familie

In der Beschreibung der Anforderungen klang der Einsteiger-Skitourenkurs harmlos. Bisschen Kondition, bisschen Skifahren - passt schon. Aber dann lag so viel Schnee, dass wir Anfänger wegen der Lawinengefahr über einen Umweg zur Simonyhütte des Österreichischen Alpenvereins am Dachstein aufsteigen mussten. Und wie Anfänger so sind - die eine fällt hin, der andere ist langsam, der dritte latscht dem Vordermann auf den Ski: Die Sache zog sich, es begann zu dunkeln. Dann kam auch noch eine tief verschneite steile Stelle, über die die ersten Möchtegern-Bergsteiger irgendwie hochrobbten und sie dabei zur Piste präparierten, während die letzten hilflos hängen blieben. Der Tourenleiter hatte schon auf der Hütte ein Seil zur Bergung geholt, bis sie doch noch hochkamen. Als man endlich auf der Hütte saß, waren alle völlig fertig mit den Nerven. Außer dem tiefenentspannten Tourenleiter, der nichts am Aufstieg zu finden schien. Aber nach diesem Start waren es herrliche Tourentage. Außer dem Wirt, seinen zwei Spezln und uns war niemand auf der Hütte, und es konnte wegen der Lawinenlage auch keiner mehr hoch; dafür war viel feiner Rotwein da. Und der Tourenleiter erwies sich dann doch als sehr sympathisch. Inzwischen haben wir drei Kinder. Marlene Weiß

Südtirol Zu modern für den Berg? Bilder
Neue Hütten in Südtirol

Zu modern für den Berg?

Disneyland! Ende der Gemütlichkeit! Der Bau von neuen Schutzhütten hat in Südtirol die Gemüter erhitzt. Ausgerechnet einer bleibt gelassen: der Wirt.   Von Dominik Prantl

Ein lebensrettender Fund in der Biwakschachtel

Eine echte Spitzenidee ist das mal wieder gewesen: alleine den Jubiläumsgrat von der Zug- bis zur Alpspitze gehen, nur mit dem allernötigsten, darunter zwei Flaschen Wasser, weil leichtes Gepäck das Tempo erhöht. Und natürlich antizyklisch, an einem Mittwochnachmittag, mit geplanter Übernachtung in der neuen Biwakschachtel, die sich die Münchner Sektion des Alpenvereins von einem namhaften Bergstiefelmacher hat sponsern lassen. So hatte ich den Jubiläumsgrat mit seinen Kletterpassagen und Abgründen bald nur für mich, bei Sonnenschein und knapp 20 Grad auf fast 3000 Metern, während die Menschen im Tal in der Hitze kochten. Am Grat gibt es keine Quellen, keinen Brunnen, nicht einmal Schneefelder, jeder weiß das. An der Biwakschachtel war nach vier Stunden Schwitzarbeit schon ein Gutteil des Wasservorrats aufgebraucht und weit und breit kein Wasserträger in Sicht. Ganz sicher wäre ich dort oben so einsam wie folgerichtig verdurstet. Doch auf dem Tisch in der Notunterkunft stand eine Plastikflasche, zu zwei Dritteln mit Wasser gefüllt, einfach so. Ich weiß bis heute nicht, wie lange sie dort schon gewartet oder ob der Vorbesitzer Herpes hatte. Nur der Magen grummelte am nächsten Tag ein wenig. Vielleicht war das aber auch der Hunger. Dominik Prantl

Unterwegs in den Dolomiten - mit den falschen Stiefeln

Es war wie jeden Morgen auf dieser Tour im August durch die Dolomiten: Die Hütte war voll, wirklich voll. Und wer nicht barfuß weiter laufen wollte, musste nach dem Kampf um die Wurst beim Frühstück seine Wanderstiefel aus dem Haufen der anderen Wanderstiefel fischen. Für Paula, die Tochter, war das dann doch nicht so schwer: Ihre Schuhe waren schick und neu, die Schnürsenkel neongrün, cool halt. Nur an diesem Tag waren die Schuhe nicht so cool. Alle Stunde mussten sie geschnürt werden, trotzdem rutschten ständig die Füße. Doofe Socken? Schrumpffüße? Abends dann die junge Frau mit suchendem Blick, in der Hand ein Paar Schuhe, schick und neu, die Schnürsenkel neongrün. Ob jemand noch so welche hätte? Ihre Füße jedenfalls waren eine halbe Nummer größer als Paulas, und ihr Tag war nicht sehr schön gewesen. Nimmst halt meine Turnschuhe zum Laufen, hatte die Hüttenwirtin am Morgen der Verzweifelten gesagt. Und packst die anderen hier ein. Es laufen sowieso alle die gleiche Etappe. Und all die verschwitzten Schuhe sammeln sich am Abend zum gleichen großen Haufen, da geht nichts verloren. Und so geschah es dann ja auch. Matthias Drobinski