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Åland-Archipel:Was erzählen Finnen in der Sauna? Finnenwitze

Seit sich die Gletscher der letzten Eiszeit vor 10 000 Jahren zurückgezogen haben, hebt sich das Land, die Inseln und Schären wachsen also. Das Wasser verbirgt so einiges. Im Sommer 2010 wurde Åland ausnahmeweise mal weltberühmt, als hier in 50 Meter Tiefe ein Schiffswrack aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gefunden wurde, mit unversehrten Flaschen von Veuve Clicquot, Juglar und Heidsieck. 168 Flaschen hat man bislang geborgen. Recht süß im Abgang, wie sich herausstellte, aber der älteste trinkbare Champagner der Welt. Ein Teil des Funds wanderte in Museen und Labore, ein Teil wurde versteigert. 30 000 Euro erbrachte die erste Flasche. Und was machte die Eigentümerin, die Regierung von Åland, mit dem Geld? Steckte es in einen "Ostsee-Fonds zum Erhalt der marinen Archäologie". So vernünftig handeln wohl nur Finnen, pardon, Ålander.

Winter, die Zeit für Zweitjobs

Am frühen Abend erreicht die Albanus Kumlinge, ein weiteres felsiges, bewaldetes Inselchen, allerdings mit dem Luxus eines kleinen Naturhafens. Unter den neidvollen Blicken der acht Inselbesucher gehen Tero und seine drei Mannen vor Anker. Die weißen Boote um sie herum sind für sie "Tupperware", des Aussehens und Plastikanteils wegen. Es gibt eine kleine Pension auf Kumlinge, Glada Laxen, "Glücklicher Lachs". Sehr einfache Zimmer, ins Gemeinschaftsbad muss man durchs Restaurant, gleichzeitig der Ortsladen, der selbst im Sommer Mützen und Pullis im Sortiment hat. Aber niemand verlangt hier nach Luxus, er würde auch nicht zum Charakter von Insel und Landschaft passen. Mangelnden Komfort gleicht Wirt Henrik Beckman mit seinen guten Fischgerichten und französischen Weinen aus.

Nach dem dritten Glas reden selbst Finnen in ganzen Sätzen. Sie erzählen von ihren Zweitjobs im Winter, wieder so eine clevere finnische Art, sich Klima und Umständen anzupassen. Tero, der Kapitän, verlässt die eingefrorene Albanus und berät von Helsinki aus Reedereien. Henrik, der Wirt, sperrt den Glücklichen Lachs zu und arbeitet bis zum nächsten Sommer in der Holzindustrie. Juha, der Schiffskoch, der ein halbes Dutzend Sprachen spricht und seine Gäste gerne an Deck unter dem kornblumenblauen Sommerhimmel auf dem Akkordeon unterhält, verbringt die Wintermonate auf den Kanaren, wo er sein eigentliches Geld als Physiotherapeut macht und reiche russische Touristen durchknetet.

Im Lauf des Abends werden die großen ålandischen Mücken lästig, selbst wenn sie langsam sind und leicht zu erschlagen. Dann ist es Zeit, sich eine Flasche kaltes Bier und ein Handtuch unter die Arme zu klemmen und runter zum Steg mit der Sauna zu schlendern. Henrik hat sie vor einer Stunde angeheizt, aus dem Ofenrohr raucht es fleißig. Finnenwitze, was sonst, machen die Runde. Durch das Fensterchen blinzelt die Dämmerung der Juni-Nacht. Die Tapferen springen ins zehn Grad kalte Meer und lassen sich bibbernd von den Zurückgebliebenen beklatschen. An Schlaf ist heute eh kaum zu denken, es gilt, finnische Sommernächte in all ihrer zauberhaften Schlichtheit zu genießen. In ein paar Stunden wird Juha den Tag noch einmal begrüßen, wird starken Kaffee kochen und seine leckeren Karjalanpiirakka, mit Milchreis gefüllte Teigtaschen, aus dem Öfchen klauben und Butter und hartes Ei drüberstreuen. In solchen Momenten wünscht man sich, die ganze Welt wäre Åland.

Informationen

Anreise: Von München zum Beispiel mit Finnair nach Turku ab 200 Euro. Weiter nach Mariehamn per Flug (z. B. mit Finnair oder Nextjet) oder Fähre, www.sales.vikingline.com, www.tallinksilja.de/.

Unterkunft: Die Pension Glada Laxen auf Kumlinge, www.gladalaxen.com. Die Albanus eignet sich für Gruppen von zehn bis 19 Personen. Das Schiff kreuzt 3 Tage/2 Nächte durch den Archipel; geschlafen wird in Kojen im Gemeinschaftsraum, es gibt zwei Toiletten an Bord, geduscht wird in den Häfen. Details und Preise unter www.albanus.ax.

Weitere Informationen: www.visitfinland.com, www.visitaland.com.

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