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Afrika:Trank der Königinnen

Ägyptischen Wein trinken in Luxor - das hat Beigeschmack

Der Blick allein, unbezahlbar: Die Abendsonne legt sich weich und kühl über die Felder, ein Bauer kehrt auf seinem Esel von der Arbeit heim, im Hintergrund die Memnonkolosse. Die Unterkunft, die diese Aussicht bietet, liegt in Theben West auf der Trennlinie zwischen Wüste und Fruchtland, an einem so unwirklichen wie praktischen Ort: Man ist schnell im Tal der Königinnen, noch schneller bei den Gräbern der Noblen. Schon die ersten Ausgräber übernachteten hier. Und auch jetzt sitzt man beim Abendessen im baumbestandenen Innenhof Tisch an Tisch mit Archäologen und anderen Ägypten-Liebhabern. Und lässt sich gern überreden zu einer Flasche "Jardin Du Nil" - produziert in Ägypten.

Zur Pharaonenzeit war Weinbau im Land selbstverständlich. Nicht nur im Grab des Beamten Nacht kann man sehen, wie Weinlese und Keltern damals vonstatten gingen. Aber heute, ein Wein im muslimischen Land, legal hergestellt? Kouroum of the Nile heißt das Weingut. Ein aus dem Libanon zugewandertes Ehepaar produziert den Wein in El Gouna, im Auftrag des Unternehmers Samih Sawiris, der ihn hauptsächlich, aber eben nicht nur, in seinen Hotels ausschenken lässt. Sawiris wollte, so wird er zitiert, endlich wieder "trinkbaren ägyptischen Wein" herstellen, Wüstenklima und staatlichen Auflagen zum Trotz. Das ist ihm gelungen. In Erinnerung bleibt trotzdem ein unguter Beigeschmack. Nirgends in der Pension, fällt einem rasch auf, arbeiten Frauen. Er würde sie ja gern beschäftigen, sagt der Chef. Es gebe so viele gut ausgebildete, verlässliche, allein: Die Familien ließen sie nicht arbeiten in einem Betrieb mit Alkoholausschank. Sollen etwa die Nachbarn denken, die Tochter sei ehrlos? Soll der Junge zurückstecken, wo die Jobs doch eh rar sind? Die Traditionen, sie sind hier so hartleibig wie die Datteln aus einer Grabkammer.