Ägypten-Touristen bleiben weiterhin aus:"Für uns ist es das Paradies"

Jeder Tote, jedes Bild von Gewalt auf dem Tahrir bedroht auch seine Existenz. Sein Bruder Mohammed sieht es ein wenig optimistischer: "Für uns ist es schwer, für unsere Kinder gut." Gut ist es in gewisser Weise auch für die Touristen, die jetzt nach Ägypten reisen.

Kamel zum Revolutionspreis - Ägypten fehlen die Touristen

In die Weiße Wüste verirren sich derzeit nur wenige Touristen. Als die Proteste am Tahrir-Platz im Dezember 2011 wieder die internationalen Schlagzeilen beherrschten, haben Dutzende Touristen ihren Trip zu den bizarren Felsformationen storniert.

(Foto: dpa-tmn)

Das Auswärtige Amt hat keine Reisewarnung ausgesprochen. Es wird jedoch empfohlen, Menschenansammlungen und Demonstrationen zu meiden. Reisende sollten sich auf Kairo, die Urlaubsgebiete am Roten Meer, die Touristenzentren in Luxor, Assuan und Nilkreuzfahrten und auf geführte Touren in der Weißen und Schwarzen Wüste beschränken. Es ist gerade Hochsaison, in der normalerweise Touristenbusse Menschenmassen im Sekundentakt ausspucken.

"Es tut einem leid für die Menschen hier, aber für uns ist es das Paradies", sagt Rosalia Saavedra aus Spanien, die schon oft in Ägypten war. Sie schwärmt von Luxor, wo sie dieses Mal praktisch allein durch das Tal der Könige wandern konnte. Auch am Tempel der Hatschepsut schleppen sich nur ein paar japanische Touristen in der Hitze die Treppen zu dem kolossalen Gebäude hoch. In Karnak lärmt eine ägyptische Jugendgruppe, die Touristenführer schlummern im Schatten. Ist ja eh nichts los.

Mohammed sitzt in seinem Souvenirladen im Souk von Luxor, auch hier wieder der Hinweis: "Revolution price!", beim Nachbarn steht auf einem Schild sogar schon "Recession price". Vor den Läden türmen sich Plastikpyramiden, Alabaster-Aschenbecher und Plüschkamele. "Normalerweise strömen die Touristen hier nur so durch, aber seit einem Jahr ist nichts los", sagt Mohammed.

Obwohl er unter den Folgen des Sturzes von Mubarak leidet, meint er: "Wer jetzt sagt, er will Mubarak zurück, hat nichts verstanden." Auch mit dem Vormarsch der Islamisten kann er sich nicht anfreunden. "Schlecht für den Tourismus." Doch er hat die Zuversicht nicht verloren, obwohl niemand genau weiß, wie es weitergeht. Wer soll in Zukunft Ägypten regieren? Mohammed hebt die Schultern. Wird sich die Situation bessern? "Insha'Allah", sagt er, so Gott will.

Ausschlaggebend, ob die Touristenscharen wiederkommen, wird die politische Entwicklung des Landes sein. Der Sieg der Islamisten und Berichte, wonach in Ägypten eine Religionspolizei nach saudischem Vorbild und ein Bikini-Verbot eingeführt werden sollen, dürften die Reisenden weiter eher skeptisch stimmen. Auch ein Revolutionspreis hilft da nicht.

© Annette Reuther/dpa/kaeb
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