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Ägypten:Abschlag im Minenfeld

Beim Abzug aus dem ägyptischen El Alamein hinterließen General Rommel und sein Afrikakorps Millionen von Weltkriegsminen. Ausgerechnet dort entsteht ein schickes Golfressort.

Das Schlachtfeld von El Alamein an der ägyptischen Mittelmeerküste soll ein Ferienparadies für passionierte Golfspieler werden. "Diese Kriegszone wird ein Raum des Friedens", sagt der Ingenieur George Zaki und weist auf einen ersten künstlichen Hügel, der wie die umliegende, endlos scheinende Wüste bewässert und begrünt werden soll.

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El Alamein: Golfen im Minenfeld

Doch der Plan hat einen Haken: Auf dem Gebiet, das vor fast 65 Jahren Schauplatz einer der entscheidenden Schlachten des Zweiten Weltkriegs zwischen Rommels Afrikakorps und den Allierten unter General Montgomery war, befinden sich immer noch ungezählte Minen - manche Schätzungen sprechen von 20 Millionen.

Schon im Juni sollen hier die ersten Villen am Rande des Golfplatzes stehen. Die Bauarbeiten erwiesen sich als äußerst gefährlich, ein Bagger wäre um ein Haar auf einer Mine hochgegangen, die in 50 Zentimetern Tiefe im steinigen Boden versteckt lag.

Die ägyptische Armee, die das Terrain schon einmal durchkämmt und gesäubert hatte, musste erneut eine Suche nach den heimtückischen Sprengkörpern unternehmen. Eine Fläche von 3000 Quadratkilometern Wüste gilt weiterhin als nicht sicher - sie behindert die volle Entwicklung nicht nur des Tourismus in der Region, sondern auch der Ausbeutung der dort entdeckten Erdölvorkommen.

"Kein Land leidet so unter dieser Geißel wie Ägypten", schimpft der Bürgermeister von El Alamein, Mustafa Abada. "Wir werden damit niemals fertigwerden, wenn die verantwortlichen Staaten und die UNO uns nicht dabei helfen."

Bis heute sind die am meisten verminten Zonen nicht ausgeschildert. Die Landkarten aus der Zeit des Krieges können keinen Aufschluss über die Lage der Sprengkörper mehr geben, weil sie durch Wind, Erosion und Regen auch im Sand wandern können.

Am schlimmsten seien die Riegelminen, die Rommel auf seiner Flucht nach Libyen hinterlassen habe, sagt Abada.

Das letzte Opfer dieser Minen ist noch lange nicht gezählt. Seit dem Ende des Krieges 1945 kamen 700 Menschen, sowohl Soldaten als auch Zivilisten, durch die versteckten Ladungen ums Leben, 8000 wurden verletzt und verstümmelt. "Hier gibt es keine Familie, der das erspart geblieben ist, wir haben ständig Angst, wieder auf eine Mine zu stoßen", sagt Abdelmonein Waher, ein 33 Jahre alter Beduine.

Er hat als Elfjähriger die Finger seiner linken Hand verloren. Damals hatte er beim Schafhüten einen "glänzenden Gegenstand" gesehen und aufgehoben. Die Mine explodierte und riss ihm die Finger ab. "Ich bekam keinerlei Entschädigung von der Regierung, für die ist es wichtiger, die Minenfelder für ihre Tourismusprojekte zu säubern, aber nicht für die Beduinen", kritisiert Waher.

Tatsächlich werden die Räumarbeiten sehr selektiv vorgenommen: Für die Ausbeutung der Ölvorkommen wurden lediglich schmale Zugangsstreifen zu den Förderzonen entmint - von den ausländischen Firmen, die die Konzessionen erhielten. Für die Säuberung der geplanten touristischen Anlagen ist die ägyptische Armee zuständig.

Reiche Investoren aus dem Golf wollen das Gebiet dennoch zu einer Spitzendestination im Reisegeschäft machen. "Sie werden sehen, in zwei Jahren sind wir größer als Scharm el Scheich", verkündet Adel Farahat, Chef der Anlage Porto Marina, einem Küstendorf im venezianischen Stil.

Es gebe zwar Interesse bei europäischen Investoren, sagt Farahat, doch richtig aktiv sei jetzt die emiratische Gruppe Emaar, die für 1,74 Milliarden Dollar eine Baderegion von sieben Kilometern Küstenlänge östlich von El Alamein bauen will.

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