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Absturzmuseum in Japan:Im Angesicht des Todes

Wrackteile und letzte Botschaften: Ein Museum in Japan stellt die erschütternden Überreste von Flugzeugkatatstrophen aus.

Verkohlte Wrackteile, zerquetschte Flugschreiber, Bilder von Waisen, die sich verzweifelt an Särge klammern - mit eigenen Museen erinnern zwei japanische Fluggesellschaften an die schwärzesten Tage ihrer Geschichte. Unter Tausenden Fundstücken von Absturzstellen finden sich die letzten Worte eines Fluggastes, eilig auf eine Spucktüte gekritzelt: Es ist die Bitte an seine Frau, gut auf die Kinder aufzupassen.

Für Angestellte der All Nippon Airways (ANA) gehört der Museumsbesuch zum Pflichtprogramm.

(Foto: Foto: AFP)

Erschütternd sind auch die Zeilen einer Passagierin, die auf einem Evakuierungsfaltblatt um ihr Leben fleht. Ihr Jet stand hoch über Japan in Flammen, bevor er Minuten später am Boden zerschellte.

Die öffentlich zugänglichen Wrack-Museen von Japan Airlines (JAL) und All Nippon Airways (ANA) in der Nähe des Tokioter Flughafens Haneda sind morbide Erinnerungsstätten. Dabei geht es den Fluggesellschaften weniger um die Befriedigung von Sensationsgier als um die Vermeidung künftiger Unfälle.

Für ANA-Angestellte gehört ein Besuch der 2007 eröffneten Ausstellung zum Pflichtprogramm. Ziel ist es, den Angestellten mit bildlicher Kraft einzubläuen, welch katastrophale Auswirkungen ein einziger Fehler haben kann.

"Wir wollen die Erinnerung an die Unfälle wach halten", sagt ANA-Sprecher Rob Henderson. Die letzten Angestellten mit Erinnerungen an den letzten Absturz der Airline im Jahr 1971 würden bald in Rente gehen. Dann gebe es niemanden mehr bei der Airline, der noch aus erster Hand über die schrecklichen menschlichen Auswirkungen derartiger Unglücke berichten könne.

Auch Yutaka Kanasaki vom 2006 eröffneten JAL-Zentrum will "das Wissen um Risiken in der Luftfahrt an die nächste Generation weitergeben". Im Museum werden vorwiegend Wrackteile ausgestellt, darunter zerschmetterte Hecks und verbogene Passagiersitze. Auch persönliche Dinge der Toten wie Füller, Brillen und Autoschlüssel sind zu sehen.

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