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David Livingstone zum 200. Geburtstag:Wie klatscht man "Vielen Dank"?

14. Oktober: Die Tschipeta sind stark tätowiert. Man hält hier sehr viel auf gute Manieren; wenn wir jemand begegnen, tritt er zur Seite und setzt sich auf die Erde. Wir müssen die Hand auf die Brust legen und sagen "Re peta", lass uns vorübergehen; sofort antwortet der andere bejahend, indem er in die Hände klatscht. (...) Es gibt tausend Arten, wie dieses Volk hier in die Hände klatscht: bald bedeutet dieses höfliche Händeklatschen: "Ich bitte um die Erlaubnis", bald "Würden Sie gefälligst entschuldigen", bald "Vielen Dank", es gilt bei Begrüßungen und Verabschiedungen und hat überdies noch die Bedeutung des in unseren europäischen Parlamenten üblichen "Hört, hört!". Ruft man einen Untergebenen, so antwortet er durch zweimaliges Händeklatschen, und das bedeutet dann "Sofort, ganz zu Ihren Diensten!"

20. März 1867: Der Regen hatte die Treiberameisen unruhig gemacht; zwei Stunden nachdem wir Lager bezogen hatten, fielen sie über mich her. Sie werden hier Kalandu oder Nkalanda genannt. Ich erwachte, ganz übersät von diesen Tieren; auch mein Haar war voll von ihnen. Langsam beißen sie sich ins Fleisch ein, und je mehr man sie stört, umso bösartiger werden sie. Ich floh aus der Hütte, aber da gab's kein Entrinnen mehr. Beißend und kneifend setzten sie sich an meinen Beinen fest. Sie lassen erst von ihrem Opfer ab, wenn sie satt und müde sind.

1. Januar 1868: Oh Herr, wenn es mein Schicksal sein soll, in diesem Lande zu sterben, so bereite mich darauf vor! (nach Fieberschüben)

Im Rausch des Regenbogens: Die Victoriafälle in Afrika

Seit 1989 sind die Victoriafälle Unesco-Weltnaturerbe. Ihr Entdecker David Livingstone nannte sie den wundervollsten Anblick, der sich ihm je in Afrika geboten habe.

(Foto: dpa-tmn)

19. März: Heute besuchte uns Mpwetos Lieblingssohn; ich höre, dass der Vater nichts unternimmt, ohne den Rat dieses Jünglings anzuhören, aber ich fand den Jungen reichlich blöd.

2. April: Zuverlässige Berichte besagen, dass die Quellen des Nil zwischen dem neunten und zehnten Grad südlicher Breite liegen, mindestens fünfhundert Meilen südlich von Spekes See. Der Tanganjika soll sein Wasser gegen Norden in den Tschowambésee abfließen lassen, der auch nach seinem Entdecker Bakers See genannt wird. Wenn diese Nachricht wahr ist, wäre der Tanganjika die Urquelle des Nil.

21. April: Ich kann nicht begreifen, wozu ein Durchstich des Nasenknorpels dienen soll, wenn nicht zum Hineinstecken eines Ziergegenstandes. Heute allerdings sah ich einen Mann, der gerade Federn an seine Pfeile nähte; er bediente sich des Nasendurchstichs, um die überzähligen Nadeln darin zu halten.

10. November 1871: In Udschidschi. In meiner Verlassenheit gleiche ich dem Mann, der von Jerusalem nach Jericho ging und unter die Räuber fiel. Nur dass ich keine Hoffnung habe, dass ein freundlicher Samariter mir zu Hilfe kommt. (...) Wie hätte ich ahnen sollen, dass in dieser Stunde höchster Beschwernis der gute Samariter wirklich schon an meiner Tür stand. (...) Es war Henry M. Stanley, Reporter des New York Herald, den James Gordon Bennett Junior mit viertausend Pfund nach Afrika geschickt hatte, damit er mich auffinde, "lebend oder tot". (...) Sofort stellte sich mein Appetit wieder ein, statt täglich zwei geschmacklose Mahlzeiten hinunterzuwürgen, aß ich wieder viermal, und nach einer Woche fühlte ich mich im Besitz neuer Kräfte.