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150 Jahre U-Bahn London:Unterirdisch schön

"Beleidigung des gesunden Menschenverstandes": Kritiker urteilten hart über die erste Metro der Welt, die am 9. Januar 1863 in London eingeweiht wurde. Doch das Konzept wurde zum Erfolg. Sonst wären auch die schönsten U-Bahnhöfe der Welt nie erbaut worden. Ein Überblick.

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U-Bahn London Underground 150 Jahre Subway

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"Beleidigung des gesunden Menschenverstandes": Kritiker urteilten hart über die erste Metro der Welt, die am 9. Januar 1863 in London eingeweiht wurde. Doch das Konzept wurde zum Erfolg. Sonst wären auch die schönsten U-Bahnhöfe der Welt nie erbaut worden. Ein Überblick.

Noch kurz vor der Eröffnung urteilte die Zeitung The Times, diese komische Idee mit der Bahn unter der Erde sei "eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes". Die öffentliche Stimmung schwankte zwischen Skepsis und Technikbegeisterung. Schnell aber siegte die Praktikabilität über ideologische Fragen. Schon im ersten Jahr nutzten 11,8 Millionen Passagiere die "Metropolitan Line", die Pionierlinie im Londoner Untergrund. London selber hatte damals gerade mal rund 3,2 Millionen Einwohner. Zwar saßen in der Bahn Bürger fast aller Schichten zusammen, besonders war sie aber bei Arbeitern beliebt. Denn sie eröffnete die Möglichkeit, enge, heruntergekommene Behausungen im überbevölkerten Zentrum zu verlassen und in größere Wohnungen und Häuser mit Gärten in den Vorstädten zu ziehen. Londons Pendler-Strom wuchs; wo vorher nur kleine Dörfer standen, breitete sich die Stadt rasant aus.

Im Bild: Pendler schwenken 1863 ihre Hüte, während sie am Bahnhof Portland Road vorbeifahren.

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Ohne die "Tube" sähe London heute wohl anders aus. In den ersten Jahrzehnten war man von der mehr oder weniger geordneten Linienführung, die heute Touristen auf der "Tube-Map" bewundern, noch weit entfernt. Nach der "Metropolitan Line" eröffneten Schritt für Schritt weitere private Betreiber einzelne Linien. Dabei entstand ein Chaos, das unter anderem dazu führte, dass es heute rund 40 ungenutzte Stationen gibt. Erst später wurden Verbindungsstrecken gebaut, eine gemeinsame Vermarktung als "London Underground" begann 1908.

Im Bild: So sahen um 1920 die stählernen Waggons der Untergrundbahn in London aus.

FILE PHOTO - 150 Years Since First Section Of London Underground Opened: A Look Back

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Die allerersten Linien führten zudem noch nicht so weit in die Tiefe. Gebaut wurde nach einem Verfahren, bei dem ein Graben ausgehoben und dann wieder überbaut wurde, oft entlang des Straßenverlaufs. Hunderte Menschen wurden dafür gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann man, ganz unter der Erde Tunnel zu graben - und öffnete damit ungeahnte Möglichkeiten zur Erweiterung des Netzes.

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Im Zweiten Weltkrieg rettete die Tiefe der Londoner Metro-Tunnel Tausende Menschenleben, die Bevölkerung nutzte die U-Bahn als Bunker. Die Schächte dienten außerdem als Verstecke für Kunstschätze und das Militär richtete hier Kontrollzentren etwa für die Luftabwehr ein. Doch die tiefen Tunnel bargen auch Gefahren. 1987 kamen bei einem Feuer in der Station King's Cross 31 Menschen ums Leben. Daraufhin wurden die Brandvorschriften verschärft und zahlreiche neue Sicherheitsregeln wie ein Rauchverbot in den Stationen eingeführt. Am 7. Juli 2005 erlebte London die schlimmsten Terroranschläge seiner Geschichte: In drei U-Bahnzügen und einem Bus gingen Bomben hoch, 52 Menschen wurden getötet.

Im Bild: Am 5. Dezember 1940 suchen Londoner in der Untergrundstation Bound's Green Schutz vor Luftangriffen.

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Heute ist Londons U-Bahn-Netz nach Shanghai das zweitlängste der Welt, und es wächst weiter. Derzeit wird eine neue Ost-West-Verbindung gebaut, Crossrail genannt. Sie soll größer und komfortabler werden. Die Eröffnung ist für 2018 geplant.

Das Konzept der Bahn unter der Stadt entpuppte sich also entgegen der Meinung ihrer Kritiker als Erfolgsidee. Heute haben die meisten Metropolen dieser Welt eine Untergrundbahn. Allerdings sind nicht alle Stationen so schön wie die Exemplare auf den folgenden Seiten: Hier finden Sie einzigartige U-Bahnhöfe von Moskau über München bis Paris ...

Im Bild: Eine restaurierte Dampflokomotive aus dem Jahr 1898, die "Met Locomotive No. 1" fährt in die Station Baker Street - sie wird an der 150-Jahr-Feier teilnehmen.

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U-Bahnhof Komsomolskaya, Moskau

Stationen der Untergrundbahn in Moskau sind prunkvoll mit Lüstern, Reliefs und Statuen verziert, einige mit Marmor verkleidet. Viele Touristen kaufen sich extra eine Fahrkarte zum Preis von 26 Rubel (etwa 66 Cent), um die in Reiseführern beschriebenen "unterirdischen Paläste" zu bestaunen. Die 1935 eröffnete Metro war ein Prestigeprojekt von Sowjetdiktator Josef Stalin.

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Station Avtovo, Sankt Petersburg

Ähnlich illuster ist der Anblick der Metro-Stationen in Sankt Petersburg, die nach Moskauer Vorbild geplant wurden, aber wegen des Krieges erst im November 1955 in Betrieb gehen konnten.

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Station Westfriedhof, München

Bei neueren Stationen wie hier in München am Westfriedhof, die im Mai 1998 eröffnet wurde, ist von prunkvollen Lüstern keine Spur mehr zu finden, das Licht spielt aber immer noch eine große Rolle: Elf Lampen mit einem Durchmesser von 3,8 Metern tauchen den Bahnsteig in blaues, rotes und gelbes Licht, während ...

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... Wände und Decke blau angestrahlt sind. Das Lichtkonzept stammt von Ingo Maurer.

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Station Toledo, Neapel

Diese "Kathedrale" mit dem "Lichtkrater" des Künstlers Oscar Tusquet Blanca wollen Touristen kaum verlassen, um in eine schnöde U-Bahn zu steigen. 

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Station Solna, Stockholm

Auch in Schwedens Hauptstadt wurden seit 1957 mehr als 90 der hundert U-Bahnhöfe verschönert. Dafür arbeiteten 150 Künstler an Skulpturen, Mosaiken, Bildern, Installationen und Reliefs. Die Mühe lohnte sich, inzwischen wird Schwedens einzige "Tunnelbanan" (eröffnet 1933) ob der Kunstdichte als eine der größten Galerien der Welt angesehen. Für Besucher gibt es einen eigenen Kunstführer durch die Metro.

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Station Richard-Wagner-Platz, Berlin (1)

Der erste Bahnhof, der hier 1906 eröffnet worden war, hieß noch Wilhelmsplatz - wurde aber 1970 stillgelegt und vier Jahre später abgerissen. Der heutige Richard-Wagner-Platz wurde 1978 eingeweiht. Architekt Rainer G. Rümmel hat diesen neuen Bahnsteig geplant und ließ Moderne auf Klassik treffen: Die Wände zieren Figuren aus diversen Wagner-Opern. Zudem sind Mosaike aus dem Jahr 1903 ausgestellt, die früher im Hotel "Alt Bayern" in der Potsdamer Straße hingen.

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Station Heidelberger Platz, Berlin (2)

Dass Architekt Wilhelm Leitgebel eine Kathedrale im Sinn hatte, als er diese U-Bahnstation entwarf, ist offensichtlich. Die Kreuzgewölbe wurden dadurch ermöglicht, dass der Bahnhof besonders tief liegt. Die Station eröffnete im Oktober 1913.

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Station Staromestska, Prag

Obwohl die Prager schon seit 1898 mit dem Gedanken spielten, den Stadtverkehr mit einer Untergrundbahn zu entlasten, wurden erste Streckenabschnitte wegen des Kriegs und politischen Zwängen erst im Mai 1974 in Betrieb genommen.

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Station Cité, Paris

Die Metro von Paris wurde im Jahr 1900 eingeweiht und ist damit nach London, Budapest und Glasgow die viertälteste U-Bahn und mit mehr als 300 Stationen auch eine der größten der Welt. Die Station Cité befindet sich direkt unter der Île de la Cité mitten in Paris. Wegen der Seine ist dieser Bahnhof besonders tief gelegen (eröffnet 1910).

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Station Plac Wilsona, Warschau

Die Metro in Warschau fährt seit 1995 und ist die einzige Untergrundbahn in Polen. Der Bahnhof Plac Wilsona (2005) gilt aufgrund seiner Architektur und des Lichtkonzepts als einer der schönsten neu gebauten Untergrundbahnhöfe weltweit.

© Süddeutsche.de/kaeb/mit Material von dpa/cag/rus

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