150 Jahre Pauschalreise:Nach Agadir der Liebe wegen

Spießer, Superspießer, Tourist, Pauschaltourist. So ist das doch: Die Geschichte eines Niedergangs. Aber ich war jung und SIE wollte: nach Agadir. Lastminutepauschal. So etwas macht man nur für eine Frau. (Lange bevor man seine Ehefrau kennenlernt, die man aber kaum je in Agadir kennenlernt.)

Jedenfalls: Vor Agadir war ich in Europa unterwegs, per Interrail. Ich träumte von Fernost oder vom Reisen per Anhalter. Nach Agadir hingegen fliegt man - und überquert dabei Casablanca. Man guckt aus dem Fenster und denkt sich traurig, dass Bogart niemals nach Agadir gereist wäre. Nicht mit einem Pauschalanbieter, der irgendwie dänisch klingt.

Man kommt an, geht an den Strand, denkt sich, dass man sich Afrika anders vorgestellt hat und isst auf einem Markt irgendetwas, wovor immer gewarnt wurde. Alle sagen, dass man dann sehr krank wird. Man wird dann auch sehr krank. Und 14 Tage später fliegt man heim. Für den Rest seines Lebens hat man die Gewissheit: Dass man nicht Bogart ist. Seither habe ich keine Pauschalferien mehr gemacht. Mitunter bedaure ich das. Dann denke ich an Ilsa und Rick und sage, mehr zu mir selbst: "Uns bleibt immer Agadir." Gerhard Matzig

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