bedeckt München 31°

130 Jahre Kölner Dom:Dämonen auf dem Dach

Am 15. Oktober 1880 wurde das Ende des Dombaus verkündet. Während heute die Menschen ins Innere des Gotteshauses drängen, wurde das märchenhafte Dach eigentlich nicht für irdische Gäste geschmückt. Ein Besuch.

11 Bilder

Dom in Köln bei Nacht

Quelle: ag.dpa

1 / 11

Kann es das geben: Eine Zauberlandschaft, die mitten in einer Großstadt neben dem Hauptbahnhof liegt und den Blicken dennoch verborgen bleibt? Eine Parallelwelt, die kaum jemand kennt? Wer sie betritt, bewegt sich durch ein Labyrinth von Strebebögen und Pfeilern, gemeißelten Blumen und aus Stein gehauenem Laubwerk. Aber da sind auch ...

Dom in Köln im Abendlicht

Quelle: dpa

2 / 11

... Wolfsgesichter, Teufelshörner und Drachenflügel. Fratzenhafte Dämonen strecken ihre Klauen aus, ein Monster verschleppt einen Jungen, ein Werwolf gräbt seine Krallen in den Rücken eines schreienden Mannes. Keine Fantasy-Kulisse reicht an diesen Ort heran: das Dach des Kölner Doms, der gerade 130 Jahre alt geworden ist. Das Dach ist 12.000 Quadratmeter groß. Hier wäre Platz für ein Kaufhaus. Ein Großteil ist bebaut: Die Dombaumeister planten alles bis ins letzte Detail und schmückten das Dach mit 11.000 Türmchen und 2000 Skulpturen. Wozu diese ungeheure Prachtentfaltung, wo doch das meiste vom Boden aus gar nicht zu sehen ist?

Nebel in Köln

Quelle: dpa

3 / 11

Die Antwort lautet, dass der Dom nicht für Menschen gebaut wurde: Vom Himmel aus hat man einen perfekten Blick auf das Dach. Jeden Werktag gibt es ein halbes Dutzend Führungen. Sie sind so begehrt, dass ...

Koelner Dom seit 130 Jahren offiziell fertiggestellt

Quelle: dapd

4 / 11

... die Wartezeit mindestens mehrere Wochen beträgt. Aber das Warten lohnt sich: Mit dem Lastenaufzug der Dachdecker und Steinmetze fährt man an der Nordfassade hinauf - ein Vergnügen nur für Schwindelfreie. Der Aufzug rumpelt an der Außenwand himmelwärts, vorbei an Strebebögen, Pfeilern und Zinnen. Rechts und links schauen überlebensgroße Figuren durch die Scheiben. Aber Himmel - was ist das? Ein Heiliger mit Bauarbeiterhelm?

Zwischen Himmel und Erde: Auf dem Dach des Kölner Doms

Quelle: Christoph Driessen/dpa/tmn

5 / 11

Nein, hier haben die Steinmetze ihrem früheren Betriebsratsvorsitzenden ein Denkmal gesetzt. Auch Fußballspieler des 1. FC Köln, ein fülliges Funkemariechen und ein Karnevalszug sind in luftiger Höhe verewigt. Wenn man den Aufzug nicht benutzen kann, müssen die Besucher die Wendeltreppe hinaufschnaufen. Oben angekommen, tastet man sich über Korridore und Dachböden weiter.

Zwischen Himmel und Erde: Auf dem Dach des Kölner Doms

Quelle: Dombauarchiv Köln/Matz & Schenk/dpa/tmn

6 / 11

Mal steht man im Freien und schaut bis ins Siebengebirge, mal bietet sich ein märchenhafter Blick hinunter in den Dom - ganz klein sieht man dann die Touristen durchs Kirchenschiff laufen. Die langen Reihen mächtiger Stützpfeiler mit ihren fächerförmigen Kronen unter dem Deckengewölbe wirken von hier aus wie die Bäume eines uralten Forstes.

Genau am 15. Oktober 1880 wurde Dom offiziell für fertiggestellt erklärt. Dennoch wird der Dom niemals ohne Baugerüst zu sehen sein - die Fachleute der Dombauhütte kämpfen ständig gegen den Verfall, verursacht etwa durch "sauren Regen" oder auch falscher Sanierung: So sprengen Eisendübel, die im 19. Jahrhundert statt der mittelalterlichen Messingdübel verwendet wurden, nun durch Korrosion den Stein. Auch jährlich sechs Millionen Besucher hinterlassen im Innenraum des Doms ihre Spuren.

Sonnenuntergang am Kölner Dom

Quelle: dpa

7 / 11

Pro Jahr sind durchschnittlich bis zu sieben Millionen Euro für die Erhaltung des Kölner Doms nötig. Die langwierigen Bauarbeiten am Kölner Wahrzeichen dienen nicht zuletzt auch der Beruhigung der rheinischen Seele. Denn sollte wider Erwarten der Dom doch einmal fertiggestellt sein, dann - so sagt der Kölner Volksmund - ist auch das Ende der Welt nahe.

Auf dem Dach des Domes fühlen sich die Besucher zumindest dem Himmel ganz nah.

Koelner Dom seit 130 Jahren offiziell fertiggestellt

Quelle: dapd

8 / 11

Es ist still hier, 70 Meter über dem Boden. Außer einem fernen Rauschen, dem Autoverkehr, hört man nur Regen und Wind. Wie aus den Spalten einer Felsspitze wachsen in vielen Winkeln Gräser, Farne und Sträucher. Hier oben gibt es bis zum Ende aller Tage genug zu tun für die Mitarbeiter der Dombauhütte.

Koelner Dom seit 130 Jahren offiziell fertiggestellt

Quelle: dapd

9 / 11

Türme bröckeln, Engel schauen traurig auf ihre Einschusslöcher aus dem Krieg oder erschrecken mit entstellten Gesichtern. Viele sind Opfer des Steinfraßes, der Luftverschmutzung, die sie verwittern ließ. 100 Jahre lang donnerten direkt neben dem Dom die Dampflokomotiven über die verkehrsreichste Eisenbahnbrücke der Welt. "Auch mit den Kriegsschäden haben wir noch immer zu tun", sagt Matthias Deml, einer der Führer beim Dach-Rundgang.

Köln in der 'Blauen Stunde'

Quelle: dpa

10 / 11

Ob es nun daran liegt, dass man dort oben dem Himmel näher ist oder einen weiteren Horizont hat: Wenn man vom Domdach hinabsteigt in die Niederungen des Alltags, ist man ein klein wenig gelassener als vorher.

Motorradgottesdienst im Koelner Dom

Quelle: dapd

11 / 11

Informationen

Führungen auf das Dach des Kölner Doms: Montag bis Samstag ab 16.00 Uhr. Kinder bis 16 Jahre haben aus Sicherheitsgründen keinen Zutritt. Anmeldung erforderlich. koelner-dom.de

Preise: Bei öffentlichen Führungen 10 Euro pro Person. Bei Gruppenführungen für maximal 17 Personen insgesamt 105 Euro von Montag bis Donnerstag und 135 Euro am Freitag und Samstag.

© Christoph Driessen, dpa / dapd/kaeb

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite