125 Jahre Kieler Woche:Das Segel-Fest

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Regatta, Mega-Fete, gesellschaftliches Event: Die Kieler Woche gehört seit 125 Jahren zu den Traditionsveranstaltungen im norddeutschen Sommer. Eine Ausstellung zeigt die Anfänge.

Zum 125. Jubiläum der Kieler Woche zeichnet eine Ausstellung die Geschichte des weltgrößten Segelfestes nach. Das Schifffahrtsmuseum in Kiel präsentiert unter anderem Fotos, Gemälde und Modelle, zum Beispiel des kaiserlichen Bootes "Meteor".

Beim Rundgang könne der Besucher viel über die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründe des Festes im Wandel erfahren, sagt Doris Tillmann, Leiterin des Schifffahrtsmuseums in Kiel. "Wichtig ist, welche Wertvorstellungen transportiert werden, denn der Zeitgeist zeigt sich in der Kieler Woche ganz deutlich." Die Schau ist bis zum 30. September 2007 zu sehen.

Als gesellschaftliches Ereignis diente die Kieler Woche einst der hochherrschaftlichen Begeisterung, bis sie mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihren Status als Sommervergnügen Kaiser Wilhelms II. verlor.

In den 1920er Jahren strebte die Stadt Kiel einen Imagewechsel an und die Kieler Woche zerfiel zu einer reinen Segelsportveranstaltung im Sommer und einem Kunst-und Kulturfest im Herbst.

In der Nazi-Zeit erlebte das Segelfest einen neuen Höhepunkt. Massenwirksame Inszenierungen lockten die Bevölkerung an die Molen und die Kieler Woche wurde zum wirkungsvollem Propagandainstrument Adolf Hitlers. Die ausgestellten Veranstaltungsplakate dieser Zeit sind Dokumente propagandistischer Selbstdarstellung.

1947 wagte die Stadt den Neuanfang. "Die Kieler Woche sollte nun ein Beitrag zum Frieden sein und den Kontakt zum Ausland wieder herstellen", berichtet Ausstellungskuratorin Katrin Kroll, die pünktlich zum Jubiläum ein Buch über das größte Segelereignis der Welt veröffentlicht hat. Im Schifffahrtsmuseum dokumentieren zahlreiche Fotos die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen während der Kieler Woche.

Der Wandel weg vom politischen Ereignis mit staatstragenden Rahmen hin zum bunten Volksfest setzte Ende der 60er ein. "1969 hat man auf die Nationalhymne beim Auftakt verzichtet, aus Angst, dass die Studenten diese verunglimpfen würden - und seitdem wurde alles viel lockerer. Inzwischen ist die Kieler Woche vor allem ein gesellschaftliches Ereignis", sagt Kroll.

Aber auch waschechte Segelsportfans kommen in der Ausstellung auf ihre Kosten. Glanzstücke sind ein Originalboot des Europameisters Bruno Splieth, einer der besten deutschen Starboot-Segler und der legendäre "Felka"-Preis, einer der prächtigsten Preise des deutschen Regatta-Sports.

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