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1000 Jahre Hanoi:Himmelsbrot und Ho Chi Minh

Hanoi blickt in diesem Jahr auf eine 1000-jährige Geschichte zurück. Die Bewohner sind in der Mehrzahl junge Menschen unter 30 Jahren, die Bill Gates mehr verehren als Ho Chi Minh.

Selbst alten Asien-Kennern stockt im Wahnsinnsverkehr von Hanoi schon mal der Atem. Hunderttausende Mopeds sind überall in der vietnamesischen Hauptstadt unterwegs, gerne auch auf den Bürgersteigen.

Für das motorisierte Treiben sind vor allem die interessanten Gassen der Altstadt nicht gemacht. Das sollte Besucher aber nicht von einem Streifzug abhalten. Hanoi feiert in diesem Jahr 1000-jähriges Bestehen. Die Regierung richtet ein Riesenfest mit kommunistischen Anklängen aus. So gibt es Wettbewerbe für ein Propaganda-Poster oder für einen Essay zur Kulturtradition der Arbeiterklasse. Auch 100 Bronze-Trommeln werden gegossen. Sie sollen zum Jubiläum am 10.10.10 erklingen.

Im Jahr 1010 kam der Sage nach König Ly Thai Tho zum Roten Fluss, um eine Stadt zu bauen. Er sah einen Drachen aus dem Wasser steigen und nannte die Stadt sogleich Thang Long: aufsteigender Drache. In einer Flussbiegung, Hanoi auf Vietnamesisch, erschien ihm ein weißes Pferd. Dort baute der König eine Zitadelle. Während der Name Hanoi überlebte, ist die Zitadelle längst verschwunden.

Die Nachfahren der Handwerker, die sich damals rund um die Zitadelle niederließen, trifft man in den verwinkelten Altstadtgassen. Dort erwarten den Besucher kulinarische Abenteuer und ein spannender Alltag. Die meisten Reiseführer leiten Hanoi-Touristen indes vor allem ins Museum und das Mausoleum des Staatsgründers Ho Chi Minh.

Die wichtigsten Gassen heißen Hang, das bedeutet Ware. Was dort seit Jahrhunderten verkauft wird, verraten die Namen: Salzgasse, Schuhgasse, Seidengasse. In den Läden der Apothekergasse stehen Säcke und Gläser mit getrockneten Beeren, Blättern oder Pilzen. ´

Eine junge Frau winkt Neugierige in ihren Laden und deutet auf einen Sack, randvoll mit Stöckchen. Das Gehölz entpuppt sich als Süßholz, mit dem die Apothekerin zum Beispiel bittere Medizin schmackhaft macht.

Christian Oster greift nach einem Glas mit roten Beeren. Der gebürtige Hamburger lebt seit sechs Jahren in Hanoi und bietet Stadtspaziergänge abseits ausgetretener Touristenpfade an. Er spricht Vietnamesisch und weiß zum Beispiel, was sich in dem Glas mit der Aufschrift Ky Thu verbirgt: Gemeiner Bocksdorn, auch als Wolfsbeeren bekannt. "Sie enthalten viele Vitamine und gelten hier seit Jahrhunderten als Lebenselixier", erklärt Oster.