Der SZ-Klimamonitor

Wie der Mensch die Erde zerstört – und wie wir sie noch retten können. Die wichtigsten Daten und Hintergründe zur größten Krise der Welt.

https://gfx.sueddeutsche.de/apps/e687737/www/

Sommergefühle mit Flecken

Kolumne Klimafreitag, von Vera Schroeder

„Sommergefühle mit dunklen Flecken“ nannte eine Bekannte das, was wohl viele Menschen in Deutschland in den vergangenen Tagen empfunden haben: Einerseits die himmelhochjauchzende Freude darüber, dass es endlich warm wird, ja, fast auf einen Schlag Schwimmbadwetter. Strumpfhose aus, Grill aus dem Keller und möglichst früh ab in den Feierabend. Andererseits das latente Gruseln genau über diesen schnellen Anstieg auf Sommertemperaturen schon im Mai vor dem Hintergrund der globalen Erderhitzung. Ist es nicht eigentlich schon wieder zu warm und zu trocken?

In Indien und Pakistan ächzen unterdessen die Menschen unter einer so extremen Hitzewelle, dass tagsüber in Delhi die Baustellen still stehen und sich die Menschen unter großen Brücken sammeln, um die heißesten Stunden des Tages zu überstehen.

Denn während sich viele Menschen vor der Hitze in klimatisierten Büros verstecken können, leiden ganz besonders Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen unter ihr, die im Freien arbeiten. Das bestätigte nun auch eine neue Studie, die die Auswirkungen sommerlicher Hitzewellen auf die Gesundheit von Menschen, die im Freien arbeiten, in Las Vegas, Phoenix und Los Angeles untersuchte.

Dabei verglichen die Forschenden Daten zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten für die Jahre 2011-2018 mit Hitzeindexdaten aus den drei Städten. Der Hitzeindex ist eine Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit und zeigt an, wie die Menschen die Hitze empfinden. Ein Zusammenhang zwischen hohen Temperaturen und Erkrankungen und Unfällen war erwartet worden, wie deutlich dieser Zusammenhang ausfiel, hat die Forschenden dennoch überrascht.

Und noch ein Ergebnis der Studie ist interessant: Unverhältnismäßig stark sind Frauen betroffen. Das kann zum einen daran liegen, dass ihr Anteil an den Arbeitenden im Freien immer größer wird. Zu Beginn der Studie im Jahr 2011 waren 26 bis 50 Prozent der betroffenen Personen in den drei Bundesstaaten weiblich. Im Jahr 2018 waren es 42 bis 86 Prozent. Darüber hinaus vermuten die Forschenden allerdings auch, dass Frauen anfälliger für bestimmte hitzebedingte Auswirkungen wie zum Beispiel Hyponatriämie sind – ein Zustand, der entsteht, wenn bei großer Hitze zu viel Wasser getrunken wird und der Natriumspiegel im Blut zu niedrig wird.

„Gerade weil die Zahl der Arbeiterinnen, die extremen Temperaturen ausgesetzt sind, zunimmt, müssen geschlechtsbedingte Unterschiede wie hormonelle Einflüsse oder Einflüsse des weiblichen Zyklus besser berücksichtigt werden, die während der Exposition gegenüber extremer Hitze eine wichtige Rolle spielen können“, schreibt Studienkoautor Kebret Kebede vom Nevada State College.

Es hat also beides seine Berechtigung: Die Freude darüber, wie gut es einem allein dadurch gehen kann, dass endlich wieder Eisdielenwetter ist. Sowie das „Da kommt was auf uns zu“-Gefühl dabei, das eigentlich eher ein „Und viele stecken schon mitten drin“-Gefühl sein sollte und das sich auch beim schönsten Wetter nicht mehr verdrängen lässt.

IPCC Berichte 2022

Am 28. Februar veröffentlichte die zweite Arbeitsgruppe des Weltklimarats ihren Bericht zu den Folgen des Klimawandels und möglichen Anpassungsmaßnahmen. Am 4. April folgt der Bericht zu Klimaschutzmaßnahmen und Emissionsbegrenzung. Als offizielles UN-Gremium richtet sich der Weltklimarat auch explizit an die politischen Entscheiderinnen und Entscheider.

Klimapolitik und Gesellschaft

Die Zeit drängt: Will man die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen – so wie im Pariser Vertrag angestrebt – bleiben der Menschheit beim heutigen Tempo nicht einmal mehr sieben Jahre, bis sie gar kein CO₂ mehr emittieren darf. Auch die Corona-Krise macht da kaum einen Unterschied. Die Fragen, die viele Menschen immer lauter stellen, lauten also: Warum passiert so wenig? Und wie lässt sich das ändern?

In diesem Kapitel finden Sie Artikel zu Klimapolitik, Protestaktionen und aktuellen Entwicklungen.

Ständig aktualisierter Newsfeed zur Klimapolitik

https://gfx.sueddeutsche.de/storytelling-assets/automation/feeds/rssfeed-klimaklimapolitikfridaysforfuture.json

Zentrale Beschlüsse, wegweisende Studien, wesentliche Erkenntnisse – hier lesen Sie Artikel zum Klimawandel und Klimapolitik, in denen Sie sich einen Überblick verschaffen können.

Ursachen des Klimawandels

Dass die Welt vor einer großen Katastrophe steht, hat vor allem mit einem kleinen Molekül zu tun: CO₂. Seit mehr als einem Jahrhundert reichert sich das Treibhausgas Kohlendioxid sukzessive in der Atmosphäre an, aber auch die Gefahr durch Methanemissionen wächst. Und die Auswirkungen der Treibhausgase auf den Planeten sind dramatisch.

Ständig aktualisierter Newsfeed zum Klimawandel

https://gfx.sueddeutsche.de/storytelling-assets/automation/feeds/rssfeed-klimawandel.json

Was genau bewirkt das Treibhausgas CO₂ auf unserem Planeten? Und wo steht die Welt im Kampf gegen steigende Emissionen? Hier finden Sie Artikel zum Thema Kohlendioxid.

Folgen des Klimawandels

Seit Beginn der Messungen war es weltweit noch nie wärmer als in den vergangenen Jahren. Immer weiter nähert sich die Erde der 1,5-Grad-Grenze an, deren Einhaltung zunehmend unrealistisch wird. Die Welt heizt sich auf, das Eis verschwindet. Besonders in der Arktis sind die Folgen des menschengemachten Klimawandels deutlich zu sehen: Erschreckende Höchstmarken bei den Temperaturen und Eisverlust nehmen zu. Aber auch weltweit schmelzen die Gletscher und der Meeresspiegel steigt weiter an. Ein paar Millimeter pro Jahr – das klingt nach wenig, die langfristigen Folgen aber sind gewaltig.

Energiewende, Mobilität und Innovationen

Klimaneutrale Energieversorgung zu 100 Prozent ist möglich – und nötig. Die Erderwärmung lässt sich nur aufhalten, wenn die Versorgung mit Kohlestrom rapide sinkt und unsere Mobilität nicht mehr auf fossilen Brennstoffen fußt. Auch andere neue Technologien können in der Klimakrise helfen – und jeder einzelne Mensch.

Mehr große Geschichten