Trockenblumen

Zeitlos schön

Mal filigran und poetisch, mal opulent: Arrangements aus Trockenblumen sind gerade besonders beliebt. Die besten Ideen, wie man den Sommer möglichst lange bewahrt.

30. Oktober 2024 - 4 Min. Lesezeit

Die Pflanzen

Wie schön wäre ein Sommer, der nicht vergeht. Mit Trockenblumen ist das möglich. Manche formen sie zu einem kugelrunden Strauß aus bunten Blüten, zum Boho-Stil passen einzelne, federleichte Gräser in einer schlichten Vase. Beispiele für minimalistische Trockenblumen-Dekorationen präsentiert die britische Blumenkünstlerin Angela Maynard in ihrem zeitlos schönen Buch „Modern dried flowers.“ Welche Pflanzen sehen getrocknet besonders dekorativ aus und lassen sich gut konservieren? Trockenblumen-Designer empfehlen Arten mit geringem Wassergehalt, allen voran die Strohblume. Die Floristin und Buchautorin Kerstin Walther aus Stuttgart (kranz-im-glueck.de) schätzt auch deren schöne italienische Schwester mit den zitronengelben Blüten, die Immortelle. Ähnlich geeignet sind Strandflieder, Schleierkraut, Schafgarbe oder Lavendel sowie Eukalyptus, Getreideähren, Wacholder, Zebragras und das puschelige Samtgras. Die Pflanze im cremefarbenen Naturton gibt es auch in leuchtendem Rot und Orange – dann allerdings chemisch gefärbt. Etwas Poetisches haftet verblühten Hortensien an, wenn sie nach und nach in Würde verblassen. Walther rät, getrocknete Blumen mit Gräsern zu kombinieren, „zum Beispiel mit Hafer, das bringt Leichtigkeit in den Strauß“. Wer sich von der botanischen Vielfalt überfordert fühle, könne sich an den Farben der Jahreszeit orientieren. Für den Herbst empfiehlt sie Farne oder Pflanzen in Erdtönen. Sie selbst spaziert oft durch den Wald oder übers Feld und kommt „nie mit leeren Händen nach Hause“.

Die Methode

Für den Adventskranz, der mehr als eine Saison halten soll, oder für ein Bouquet aus Trockenblumen kann man gekaufte Pflanzensets mit Selbstgetrocknetem kombinieren – oder ganz auf Do-it-yourself setzen. Grundsätzlich könne man fast alle Blumen selbst trocknen, sagt die Floristin Kerstin Walther. „Man hängt sie in dunklen Räumen über Kopf und platziert sie nicht zu dicht aneinander, damit sie nicht schimmeln.“ Eher ungeeignet: Rosen, sie sind anfällig für Schimmel. Manche Pflanzen lassen sich gut in einer Vase stehend konservieren, andere in einer Steckmasse. Die Blumendesignerin Carolyn Dunster stellt verschiedene Techniken und Stylingideen in ihrem Buch „Cut & Dry“ vor. Ein Kranz aus Trockenblumen hält sich am längsten, wenn er weder Zugluft noch prallem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Manche Floristen empfehlen Haarspray, um die Farben möglichst lange zu erhalten, andere lassen lieber der Natur ihren Lauf. Damit der Strauß nicht zum Staubfänger wird, die feinen Partikel von Zeit zu Zeit vorsichtig mit einem Föhn wegblasen.

Die Dekoration

Ihr verstaubtes Image haben Trockenblumen längst abgelegt. Floristen und Hobbykünstler fasziniert die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten. In einem sogenannten Flowergram zum Beispiel – eine mit ein paar Löchern versehene Holzleiste für Tisch oder Regal – kommen formschöne Blüten und Gräser einzeln optimal zur Geltung. Klassiker sind Kränze aus Trockenblumen. „Im Trend sind auch Flower-Loops, die zur Hälfte mit Trockenblumen verziert sind“, sagt Sabrina Buzwan, die in Berlin das Atelier „Blütenmomente“ betreibt. Die Designerin, die selbst Pflanzen erntet und trocknet, gestaltet diese Blütenringe mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter als Deko für Wände und Fenster oder als Raumskulptur. Aus frischen oder getrockneten Blumen kreiert sie opulente Rauminstallationen für Shops und Restaurants. Und übriggebliebene Schnittblumen landen bei ihr nie im Müll, sondern leben etwa als Trockenblumen-Haarkranz für eine Hochzeit noch lange weiter.

Die Collage

Ein Kopfputz aus Christrosen oder ein Gewand aus Tulpenblättern: Für die japanische Technik Oshibana werden Blüten, Blätter und Gräser zwischen Spezialpapier getrocknet, gepresst und zu Collagen verarbeitet – die ukrainische Künstlerin Victoriia Winkler gestaltet vor allem Frauen- und Tier-Porträts. Winkler, die in der Schweiz lebt, verwendet Pflanzen aus ihrem Garten, die Blumen werden ohne Klebstoff auf einer Unterlage aus feinem Papier arrangiert. „Das komplette Bild besteht aus natürlichen Elementen“, sagt Winkler, „unter Glas halten sich die Farben viele Jahre.“ Die Technik, Blüten zu pressen und zu filigranen Bildern zu arrangieren, ist in Japan seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde in Europa vor allem in der viktorianischen Ära beliebt. Fürstin Gracia Patricia von Monaco hat in ihrem 1980 veröffentlichten Buch „My Book of Flowers“ Oshibana weltweit bekannt gemacht.

Die Raumskulptur

Als Kind ging Rebecca Louise Law immer wieder auf den Dachboden ihres Elternhauses und atmete den würzigen Duft der Blumen ein, die ihr Vater, von Beruf Gärtner, dort trocknete. Sinnliche Erlebnisse, die sich tief einprägten. Später machte die Britin ihre Liebe zu Trockenblumen zum Beruf. Heute entwirft sie für Galerien und Museen begehbare 3D-Installationen aus botanischen Materialien - Blumen, Zweigen, Früchten. Damit möchte sie die Verbindung zwischen Mensch und Natur erlebbar machen in einer Zeit, in der dieser Kontakt immer mehr verloren geht. Besucher ihrer aktuellen Ausstellung „Connection“ im finnischen Vantaa Art Museum, die noch bis März 2025 zu sehen ist, können durch Trockenblumen-Girlanden spazieren und Räume voller schwebender Blüten in Pastellfarben erleben. In der Münchner Kunsthalle präsentierte sie 2023 „Calyx“, eine Raumskulptur, die einem riesigen umgedrehten Kelch aus 150 000 Trockenblumen ähnelte – Rosen, Hortensien, Astern, Dahlien, Disteln, Gräser und zahllose andere Arten. Viele Freiwillige wirkten an dem Projekt mit, trockneten Blüten und formten sie unter Anleitung der Künstlerin mit Kupferdraht zu stabilen Strängen. „Calyx“ ist derzeit im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zu sehen. Nach dem Abbau einer Installation bewahrt Rebecca Louise Law die Blumen auf. In einer großen Scheune in England lagert sie mehr als eine Million konservierte Blüten, um sie später wieder in neue Kunstwerke zu verwandeln.

Trockenblumen

Zeitlos schön

Mal filigran und poetisch, mal opulent: Arrangements aus Trockenblumen sind gerade besonders beliebt. Die besten Ideen, wie man den Sommer möglichst lange bewahrt.

Die Pflanzen

Wie schön wäre ein Sommer, der nicht vergeht. Mit Trockenblumen ist das möglich. Manche formen sie zu einem kugelrunden Strauß aus bunten Blüten, zum Boho-Stil passen einzelne, federleichte Gräser in einer schlichten Vase. Beispiele für minimalistische Trockenblumen-Dekorationen präsentiert die britische Blumenkünstlerin Angela Maynard in ihrem zeitlos schönen Buch „Modern dried flowers.“ Welche Pflanzen sehen getrocknet besonders dekorativ aus und lassen sich gut konservieren? Trockenblumen-Designer empfehlen Arten mit geringem Wassergehalt, allen voran die Strohblume. Die Floristin und Buchautorin Kerstin Walther aus Stuttgart (kranz-im-glueck.de) schätzt auch deren schöne italienische Schwester mit den zitronengelben Blüten, die Immortelle. Ähnlich geeignet sind Strandflieder, Schleierkraut, Schafgarbe oder Lavendel sowie Eukalyptus, Getreideähren, Wacholder, Zebragras und das puschelige Samtgras. Die Pflanze im cremefarbenen Naturton gibt es auch in leuchtendem Rot und Orange – dann allerdings chemisch gefärbt. Etwas Poetisches haftet verblühten Hortensien an, wenn sie nach und nach in Würde verblassen. Walther rät, getrocknete Blumen mit Gräsern zu kombinieren, „zum Beispiel mit Hafer, das bringt Leichtigkeit in den Strauß“. Wer sich von der botanischen Vielfalt überfordert fühle, könne sich an den Farben der Jahreszeit orientieren. Für den Herbst empfiehlt sie Farne oder Pflanzen in Erdtönen. Sie selbst spaziert oft durch den Wald oder übers Feld und kommt „nie mit leeren Händen nach Hause“.

Die Methode

Für den Adventskranz, der mehr als eine Saison halten soll, oder für ein Bouquet aus Trockenblumen kann man gekaufte Pflanzensets mit Selbstgetrocknetem kombinieren – oder ganz auf Do-it-yourself setzen. Grundsätzlich könne man fast alle Blumen selbst trocknen, sagt die Floristin Kerstin Walther. „Man hängt sie in dunklen Räumen über Kopf und platziert sie nicht zu dicht aneinander, damit sie nicht schimmeln.“ Eher ungeeignet: Rosen, sie sind anfällig für Schimmel. Manche Pflanzen lassen sich gut in einer Vase stehend konservieren, andere in einer Steckmasse. Die Blumendesignerin Carolyn Dunster stellt verschiedene Techniken und Stylingideen in ihrem Buch „Cut & Dry“ vor. Ein Kranz aus Trockenblumen hält sich am längsten, wenn er weder Zugluft noch prallem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Manche Floristen empfehlen Haarspray, um die Farben möglichst lange zu erhalten, andere lassen lieber der Natur ihren Lauf. Damit der Strauß nicht zum Staubfänger wird, die feinen Partikel von Zeit zu Zeit vorsichtig mit einem Föhn wegblasen.

Die Dekoration

Ihr verstaubtes Image haben Trockenblumen längst abgelegt. Floristen und Hobbykünstler fasziniert die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten. In einem sogenannten Flowergram zum Beispiel – eine mit ein paar Löchern versehene Holzleiste für Tisch oder Regal – kommen formschöne Blüten und Gräser einzeln optimal zur Geltung. Klassiker sind Kränze aus Trockenblumen. „Im Trend sind auch Flower-Loops, die zur Hälfte mit Trockenblumen verziert sind“, sagt Sabrina Buzwan, die in Berlin das Atelier „Blütenmomente“ betreibt. Die Designerin, die selbst Pflanzen erntet und trocknet, gestaltet diese Blütenringe mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter als Deko für Wände und Fenster oder als Raumskulptur. Aus frischen oder getrockneten Blumen kreiert sie opulente Rauminstallationen für Shops und Restaurants. Und übriggebliebene Schnittblumen landen bei ihr nie im Müll, sondern leben etwa als Trockenblumen-Haarkranz für eine Hochzeit noch lange weiter.

Die Collage

Ein Kopfputz aus Christrosen oder ein Gewand aus Tulpenblättern: Für die japanische Technik Oshibana werden Blüten, Blätter und Gräser zwischen Spezialpapier getrocknet, gepresst und zu Collagen verarbeitet – die ukrainische Künstlerin Victoriia Winkler gestaltet vor allem Frauen- und Tier-Porträts. Winkler, die in der Schweiz lebt, verwendet Pflanzen aus ihrem Garten, die Blumen werden ohne Klebstoff auf einer Unterlage aus feinem Papier arrangiert. „Das komplette Bild besteht aus natürlichen Elementen“, sagt Winkler, „unter Glas halten sich die Farben viele Jahre.“ Die Technik, Blüten zu pressen und zu filigranen Bildern zu arrangieren, ist in Japan seit dem 16. Jahrhundert belegt und wurde in Europa vor allem in der viktorianischen Ära beliebt. Fürstin Gracia Patricia von Monaco hat in ihrem 1980 veröffentlichten Buch „My Book of Flowers“ Oshibana weltweit bekannt gemacht.

Die Raumskulptur

Als Kind ging Rebecca Louise Law immer wieder auf den Dachboden ihres Elternhauses und atmete den würzigen Duft der Blumen ein, die ihr Vater, von Beruf Gärtner, dort trocknete. Sinnliche Erlebnisse, die sich tief einprägten. Später machte die Britin ihre Liebe zu Trockenblumen zum Beruf. Heute entwirft sie für Galerien und Museen begehbare 3D-Installationen aus botanischen Materialien - Blumen, Zweigen, Früchten. Damit möchte sie die Verbindung zwischen Mensch und Natur erlebbar machen in einer Zeit, in der dieser Kontakt immer mehr verloren geht. Besucher ihrer aktuellen Ausstellung „Connection“ im finnischen Vantaa Art Museum, die noch bis März 2025 zu sehen ist, können durch Trockenblumen-Girlanden spazieren und Räume voller schwebender Blüten in Pastellfarben erleben. In der Münchner Kunsthalle präsentierte sie 2023 „Calyx“, eine Raumskulptur, die einem riesigen umgedrehten Kelch aus 150 000 Trockenblumen ähnelte – Rosen, Hortensien, Astern, Dahlien, Disteln, Gräser und zahllose andere Arten. Viele Freiwillige wirkten an dem Projekt mit, trockneten Blüten und formten sie unter Anleitung der Künstlerin mit Kupferdraht zu stabilen Strängen. „Calyx“ ist derzeit im Bucerius Kunst Forum in Hamburg zu sehen. Nach dem Abbau einer Installation bewahrt Rebecca Louise Law die Blumen auf. In einer großen Scheune in England lagert sie mehr als eine Million konservierte Blüten, um sie später wieder in neue Kunstwerke zu verwandeln.

Text: Stephanie Schmidt; Redaktion: Anne Goebel; Digitales Storytelling: Stefanie Bende

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.