
Schick im Quadrat
Die Geschichte
Archäologische Funde lassen vermuten, dass Tartan-ähnliche Stoffmuster bereits im dritten oder vierten Jahrhundert vor Christus auf heute schottischem Gebiet getragen wurden. Richtig charakteristisch wurden die Muster mit sich kreuzenden vertikalen und horizontalen Streifen aber erst ab dem späten 17. Jahrhundert, als sich auch der Kilt in seiner heute bekannten Form entwickelte. Ein System von Clan-Tartans gab es damals noch nicht, die unterschiedlichen Karomuster entstanden einfach aus den Vorlieben der jeweiligen Weber. Um 1800 gab es etwa 100 erfasste Tartan-Muster, heute sind es mehr als 7000 – darunter übrigens auch einige spezifisch deutsche Designs (zum Beispiel Ikelman #5). Die Verknüpfung von bestimmten Farben und Mustern mit schottischen Clans erfolgte erst im 19. Jahrhundert, als die Tartan-Kilts ein romantisiertes Comeback erlebten und die Schotten nach Möglichkeiten suchten, ihre Identität jenseits von politischen Aspekten zu unterstreichen. Heute sind manche Tartans fest mit bestimmten Clans, einer Stadt, Unternehmen (zum Beispiel Burberry) oder einem Ereignis verbunden. Das schottische Tartan-Museum empfiehlt Interessierten aber nach wie vor, ihr Muster nicht nach etwaiger Bedeutung, sondern ganz einfach nach Gefallen auszuwählen.
Die Rebellen
In den 1970er-Jahren war der klassisch rote Royal Stewart Tartan zu einem etablierten Erkennungszeichen für schottische Tradition, militärische Ordnung und das vornehme England geworden. Die aufkommende Punkrock-Bewegung entdeckte früh ihre Lust am Zerstören dieser Symbolik und etablierte den Tartan wiederum als Stilmittel ihres rohen, rebellischen Looks. Maßgeblich befördert wurde diese Entwicklung von der Designerin Vivienne Westwood. Zusammen mit Malcolm McLaren, dem Manager der Sex Pistols, führte sie in ihrem Laden in London zerrissene Tartan-Kilts, Karohosen und DIY-Punk-Outfits mit dem klassischen Stewart-Muster ein. Bis heute werden Referenzen an diesen Punk-Tartan in verschiedenen Subkulturen benutzt.
Die Mode
Der Wachsjacken-Spezialist Barbour sitzt zwar in South Shields und damit im Norden Englands, hat aber die Nähe zum Hadrianswall und dem schottischen Weberhandwerk schon früh mit seinem ikonischen Jackenfutter in Tartan untermauert. In der aktuellen Kollektion hat man das Muster nun verstärkt von innen nach außen gekehrt und etliche Stücke auch auf der Außenseite mit dem grün-blau-roten Haus-Tartan versehen. Hierbei gilt wie bei der Einrichtung auch: Ein kompletter Look in Tartan wäre sicherlich zu viel des Guten, es genügt ein kleiner Blickfang, um sofort eine Ahnung von britischem Herbst und gefühltem Landhaushintergrund zu haben.
Das Design
Im Kontext von Interieur taucht Tartan meist in Form von pointiert eingesetzten Textilien mit Tartan-Kissen oder Decken auf, seltener auch mal als Tapete in der Gästetoilette. Der erwünschte Effekt ist immer, damit eine gewisse britische Landhaus-Gemütlichkeit oder eine sonstige anglophile Neigung anzudeuten. Der italienische Gartenmöbelhersteller Ethimo hat 2017 zusammen mit den Designern Matteo Thun und Antonio Rodriguez mit der Kollektion „Allaperto Mountain“ allerdings ein Tartan-Muster zum Hauptdarsteller einer Outdoor-Sitzgarnitur gemacht. Architekt Matteo Thun ist als Südtiroler ja unter anderem für seine Neuinterpretationen von alpiner Gemütlichkeit und besonderen Hotels bekannt. Beides funktioniert bei diesem Projekt sehr gut – man hat angesichts der Sitzbank jedenfalls gleich Assoziationen mit dem berühmten Gleneagles-Hotel und einem guten Glas Scotch, aber auch mit Retro-Skiferien bei Oma.
Der Duft
Und was hat Jean Paul Gaultier mit Tartan zu tun? Der französische Designer steht ja eher für avantgardistische Entwürfe und bretonische Streifen als für schottisch-englische Heritage. Trotzdem kommt eine limitierte Weihnachtsedition des Parfüms „Le male Elixir“ jetzt nicht nur in gewohnt exaltiert Flakonform in die Läden, sondern eben auch in einem Tartan-Muster, das laut Beschreibung leidenschaftliches Rot, Mitternachtsblau und Goldfäden sinnlich verwebt. Das untermauert vielleicht nur noch einmal, was schon festgestellt wurde: Tartan steht heute gleichermaßen für Upperclass und Tradition wie für ehrliches Handwerk und Punk. Und ein derart aufgeladenes Muster ist für eine exaltierte Marke wie Gaultier natürlich sehr praktisch – da kann sich jeder raussuchen, welcher Tartan-Aspekt ihn am meisten anspricht.



Die Geschichte
Archäologische Funde lassen vermuten, dass Tartan-ähnliche Stoffmuster bereits im dritten oder vierten Jahrhundert vor Christus auf heute schottischem Gebiet getragen wurden. Richtig charakteristisch wurden die Muster mit sich kreuzenden vertikalen und horizontalen Streifen aber erst ab dem späten 17. Jahrhundert, als sich auch der Kilt in seiner heute bekannten Form entwickelte. Ein System von Clan-Tartans gab es damals noch nicht, die unterschiedlichen Karomuster entstanden einfach aus den Vorlieben der jeweiligen Weber. Um 1800 gab es etwa 100 erfasste Tartan-Muster, heute sind es mehr als 7000 – darunter übrigens auch einige spezifisch deutsche Designs (zum Beispiel Ikelman #5). Die Verknüpfung von bestimmten Farben und Mustern mit schottischen Clans erfolgte erst im 19. Jahrhundert, als die Tartan-Kilts ein romantisiertes Comeback erlebten und die Schotten nach Möglichkeiten suchten, ihre Identität jenseits von politischen Aspekten zu unterstreichen. Heute sind manche Tartans fest mit bestimmten Clans, einer Stadt, Unternehmen (zum Beispiel Burberry) oder einem Ereignis verbunden. Das schottische Tartan-Museum empfiehlt Interessierten aber nach wie vor, ihr Muster nicht nach etwaiger Bedeutung, sondern ganz einfach nach Gefallen auszuwählen.

Die Rebellen
In den 1970er-Jahren war der klassisch rote Royal Stewart Tartan zu einem etablierten Erkennungszeichen für schottische Tradition, militärische Ordnung und das vornehme England geworden. Die aufkommende Punkrock-Bewegung entdeckte früh ihre Lust am Zerstören dieser Symbolik und etablierte den Tartan wiederum als Stilmittel ihres rohen, rebellischen Looks. Maßgeblich befördert wurde diese Entwicklung von der Designerin Vivienne Westwood. Zusammen mit Malcolm McLaren, dem Manager der Sex Pistols, führte sie in ihrem Laden in London zerrissene Tartan-Kilts, Karohosen und DIY-Punk-Outfits mit dem klassischen Stewart-Muster ein. Bis heute werden Referenzen an diesen Punk-Tartan in verschiedenen Subkulturen benutzt.

Die Mode
Der Wachsjacken-Spezialist Barbour sitzt zwar in South Shields und damit im Norden Englands, hat aber die Nähe zum Hadrianswall und dem schottischen Weberhandwerk schon früh mit seinem ikonischen Jackenfutter in Tartan untermauert. In der aktuellen Kollektion hat man das Muster nun verstärkt von innen nach außen gekehrt und etliche Stücke auch auf der Außenseite mit dem grün-blau-roten Haus-Tartan versehen. Hierbei gilt wie bei der Einrichtung auch: Ein kompletter Look in Tartan wäre sicherlich zu viel des Guten, es genügt ein kleiner Blickfang, um sofort eine Ahnung von britischem Herbst und gefühltem Landhaushintergrund zu haben.

Das Design
Im Kontext von Interieur taucht Tartan meist in Form von pointiert eingesetzten Textilien mit Tartan-Kissen oder Decken auf, seltener auch mal als Tapete in der Gästetoilette. Der erwünschte Effekt ist immer, damit eine gewisse britische Landhaus-Gemütlichkeit oder eine sonstige anglophile Neigung anzudeuten. Der italienische Gartenmöbelhersteller Ethimo hat 2017 zusammen mit den Designern Matteo Thun und Antonio Rodriguez mit der Kollektion „Allaperto Mountain“ allerdings ein Tartan-Muster zum Hauptdarsteller einer Outdoor-Sitzgarnitur gemacht. Architekt Matteo Thun ist als Südtiroler ja unter anderem für seine Neuinterpretationen von alpiner Gemütlichkeit und besonderen Hotels bekannt. Beides funktioniert bei diesem Projekt sehr gut – man hat angesichts der Sitzbank jedenfalls gleich Assoziationen mit dem berühmten Gleneagles-Hotel und einem guten Glas Scotch, aber auch mit Retro-Skiferien bei Oma.

Der Duft
Und was hat Jean Paul Gaultier mit Tartan zu tun? Der französische Designer steht ja eher für avantgardistische Entwürfe und bretonische Streifen als für schottisch-englische Heritage. Trotzdem kommt eine limitierte Weihnachtsedition des Parfüms „Le male Elixir“ jetzt nicht nur in gewohnt exaltiert Flakonform in die Läden, sondern eben auch in einem Tartan-Muster, das laut Beschreibung leidenschaftliches Rot, Mitternachtsblau und Goldfäden sinnlich verwebt. Das untermauert vielleicht nur noch einmal, was schon festgestellt wurde: Tartan steht heute gleichermaßen für Upperclass und Tradition wie für ehrliches Handwerk und Punk. Und ein derart aufgeladenes Muster ist für eine exaltierte Marke wie Gaultier natürlich sehr praktisch – da kann sich jeder raussuchen, welcher Tartan-Aspekt ihn am meisten anspricht.