Tapeten

Ganz neue Seiten

Tapeten können Räume verwandeln, erinnern an den Glanz historischer Herrenhäuser - und wer es unkomplizierter mag, der probiert Baumwollputz aus. Etwas Inspiration für frischen Wind an den Wänden zum Jahresauftakt.

6. Januar 2023 - 4 Min. Lesezeit

Der Praxistest

Der „Monkey 47“-Gin ist auch Menschen ohne Bar-Hintergrund ein Begriff – ein Destillat, das die Begeisterung für regionale Gins einläutete und mit seiner Aufmachung in der alten Apothekerflasche ein Hingucker ist. Weniger bekannt dürfte noch das dazugehörige „Appartement 47“ im hippen Hotel Fritz Lauterbad in Freudenstadt sein, auch wenn sich wahrscheinlich genauso viele Menschen darauf einigen könnten. Denn das 88 Quadratmeter große Appartement ist ganz im Stil des Gin-Designs gehalten, spart also nicht mit nostalgischen Reizen – Gäste können die antike Schreibmaschine und den Plattenspieler benutzen oder sich zwischen der naturkundlichen Bibliothek und feinen Hausbar wie im Gentlemen’s Club einrichten. Größter Blickfang der Suite: die exklusive Monkeys-Tapete, die das Expeditionsgefühl noch verstärkt. Und bei den Gästen unweigerlich Diskussionen anstößt, ob Derartiges nicht auch eine lohnenswerte Anschaffung für daheim wäre? Falls die 47er-Suite in Freudenstadt gerade ausgebucht ist – auch die anderen Zimmer und der Spa-Bereich des Hotels sind reizvoll, eine Reise in den nordöstlichen Schwarzwald sowieso. Und die Tapete gibt’s im Hotelshop. Fritz-lauterbad.de

Die Alternative

So schön und langlebig das Ergebnis sein kann, selbst zu tapezieren setzt nicht nur eine gewisse Geschicklichkeit voraus, sondern auch Platz für den Tapeziertisch, freie Wände und idealerweise helfende Hände. Direkt nach einem Umzug ist deshalb der beste Zeitpunkt dafür, später liegt die Hürde erfahrungsgemäß noch mal höher. Aber es gibt auch Alternativen zur Papiertapete, eine davon ist der sogenannte Baumwollputz, auch Flüssigtapete genannt. Darunter versteht man eine Wandbeschichtung, die aus Baumwollfasern, einem speziellen Kleister und verschiedenen Effektmaterialien besteht. „Ein Pullover für die Wände“, so bewirbt es ein Hersteller, und tatsächlich soll der Baumwollputz ähnliche Eigenschaften wie eine Tapete aufweisen: Warmes Raumklima, Schall- und Feuchtigkeitsregulierung und eine angenehme Haptik. Mit Kelle oder Spritzpistole ist die Flüssigtapete deutlich einfacher aufzubringen als die klassische Tapete, auch Schäden können leichter ausgebessert werden. Nachteil – grafische Muster oder Motive sind mit der Baumwollputz-Technik nicht möglich, durchaus aber farbige Wände und interessante Zufallsmuster, die sich durch Beimischung verschiedener Dekormaterialien ergeben. baumwollputz-shop.de

Die Adeligen

Die Firma Little Greene aus Nordwales gehört zu den Traditionsbewahrern in Sachen gediegener Wandkultur. Einzigartig ist dabei die Zusammenarbeit des Unternehmens mit dem britischen National Trust, die nicht nur die originalen Farben und Tapeten der englischen Landsitze konserviert, sondern immer wieder regelrechte Schätze zu Tage fördert und für die malernde oder tapezierende Allgemeinheit verfügbar macht. Neuester Streich ist „National Trust Papers III“ – eine vielseitige Tapetenkollektion, die historische Motive in zeitlose Dessins verwandelt. Jedes Design wurde auf der Grundlage von Originalen aus drei Häusern des National Trust erstellt, nämlich Oxburgh Hall und Felbrigg Hall in Norfolk sowie Newark Park in Gloucestershire. Mit handgemalten Vögeln, stilisierten Blumen und vielen eleganten Ranken kommen die jahrhundertealten Designs gerade passend zu den derzeit angesagten, üppigen Dekostyles – dank der neuen Farbvariationen wirken die Muster erstaunlich modern. Mit dem Erlös aus dem Verkauf jeder Tapetenrolle wird die Arbeit des National Trust unterstützt, der sich um 500 historische Orte in Großbritannien kümmert. Man klebt also für die gute Sache, wenn auch anders als die Aktivisten der „Last Generation“. Zur Homepage von Little Greene.

Die Künstler

Hinter den Namen Zeuxis & Parrhasius verbirgt sich nicht nur eine Künstleranekdote aus der Antike, sondern auch eines der spannendsten Wiener Design-Start-ups: 2019 gründeten Verena und Adrian Baron ihre Tapetenmanufaktur und verfolgen seitdem mit Hingabe die Kunst der eleganten Wandverkleidung – jeder Meter wird mit großem handwerklichen Aufwand selbst hergestellt. Inspiration zieht das Paar zum Beispiel aus der reichhaltigen Wiener Kunstgeschichte – etwa mit einer Kollektion von Koloman Moser. Der Grafiker war vor 120 Jahren eine der maßgeblichen Figuren der Wiener Secession, und einige seiner schönsten Muster- und Linienkompositionen werden heute bei Zeuxis & Parrhasius zu opulenten Tapeten. Es geht aber nicht nur um Historisches, andere Tapeten tragen Namen wie „Froschgoscherl“ oder „Wiesenblümchen“ oder zeigen stilisierte Naturmotive wie etwa die Serie „Stieleiche“. Günstig sind die Tapetenrollen natürlich nicht, dafür spart man sich später zusätzliche Ausgaben für Kunst an der Wand. Zur Homepage von Zeuxis & Parrhasius.

Die Musik

Hat zwar nix mit Tapete im eigentlichen Sinne zu tun, aber mit einem schönen Klangteppich – und der ist zu Hause ja bisweilen genauso wichtig wie die Wandverkleidung. Das Hamburger Plattenlabel Tapete Records feierte gerade sein 20-jähriges Bestehen und gilt heute als eines der wichtigsten deutschen Indie-Plattenlabels – in Zeiten von Spotify gehört so was fast schon unter Denkmalschutz. Indie, das bedeutet eher keine Bestseller oder Nummer-eins-Hits im Sortiment, aber dafür viele Lieblingskünstler. Songwriter wie Peter Licht, Rocko Schamoni, aber auch Bands wie Fehlfarben oder Die Höchste Eisenbahn veröffentlichen auf Tapete – allesamt handgemachte Musik mit Herz und einem anderen Heimatgefühl als im Musikantenstadl. Wem die Namen gar nichts sagen – einfach mal reinhören, gerade wurde in Hamburg zum Beispiel die erste EP von die Höchste Eisenbahn wieder aufgelegt, das ist Musik für alle, so angenehm wie ein gut tapeziertes Zuhause. tapeterecords.de

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Tapeten können Räume verwandeln, erinnern an den Glanz historischer Herrenhäuser - und wer es unkomplizierter mag, der probiert Baumwollputz aus. Etwas Inspiration für frischen Wind an den Wänden zum Jahresauftakt.

Der Praxistest

Der „Monkey 47“-Gin ist auch Menschen ohne Bar-Hintergrund ein Begriff – ein Destillat, das die Begeisterung für regionale Gins einläutete und mit seiner Aufmachung in der alten Apothekerflasche ein Hingucker ist. Weniger bekannt dürfte noch das dazugehörige „Appartement 47“ im hippen Hotel Fritz Lauterbad in Freudenstadt sein, auch wenn sich wahrscheinlich genauso viele Menschen darauf einigen könnten. Denn das 88 Quadratmeter große Appartement ist ganz im Stil des Gin-Designs gehalten, spart also nicht mit nostalgischen Reizen – Gäste können die antike Schreibmaschine und den Plattenspieler benutzen oder sich zwischen der naturkundlichen Bibliothek und feinen Hausbar wie im Gentlemen’s Club einrichten. Größter Blickfang der Suite: die exklusive Monkeys-Tapete, die das Expeditionsgefühl noch verstärkt. Und bei den Gästen unweigerlich Diskussionen anstößt, ob Derartiges nicht auch eine lohnenswerte Anschaffung für daheim wäre? Falls die 47er-Suite in Freudenstadt gerade ausgebucht ist – auch die anderen Zimmer und der Spa-Bereich des Hotels sind reizvoll, eine Reise in den nordöstlichen Schwarzwald sowieso. Und die Tapete gibt’s im Hotelshop. Fritz-lauterbad.de

Die Alternative

So schön und langlebig das Ergebnis sein kann, selbst zu tapezieren setzt nicht nur eine gewisse Geschicklichkeit voraus, sondern auch Platz für den Tapeziertisch, freie Wände und idealerweise helfende Hände. Direkt nach einem Umzug ist deshalb der beste Zeitpunkt dafür, später liegt die Hürde erfahrungsgemäß noch mal höher. Aber es gibt auch Alternativen zur Papiertapete, eine davon ist der sogenannte Baumwollputz, auch Flüssigtapete genannt. Darunter versteht man eine Wandbeschichtung, die aus Baumwollfasern, einem speziellen Kleister und verschiedenen Effektmaterialien besteht. „Ein Pullover für die Wände“, so bewirbt es ein Hersteller, und tatsächlich soll der Baumwollputz ähnliche Eigenschaften wie eine Tapete aufweisen: Warmes Raumklima, Schall- und Feuchtigkeitsregulierung und eine angenehme Haptik. Mit Kelle oder Spritzpistole ist die Flüssigtapete deutlich einfacher aufzubringen als die klassische Tapete, auch Schäden können leichter ausgebessert werden. Nachteil – grafische Muster oder Motive sind mit der Baumwollputz-Technik nicht möglich, durchaus aber farbige Wände und interessante Zufallsmuster, die sich durch Beimischung verschiedener Dekormaterialien ergeben. baumwollputz-shop.de

Die Adeligen

Die Firma Little Greene aus Nordwales gehört zu den Traditionsbewahrern in Sachen gediegener Wandkultur. Einzigartig ist dabei die Zusammenarbeit des Unternehmens mit dem britischen National Trust, die nicht nur die originalen Farben und Tapeten der englischen Landsitze konserviert, sondern immer wieder regelrechte Schätze zu Tage fördert und für die malernde oder tapezierende Allgemeinheit verfügbar macht. Neuester Streich ist „National Trust Papers III“ – eine vielseitige Tapetenkollektion, die historische Motive in zeitlose Dessins verwandelt. Jedes Design wurde auf der Grundlage von Originalen aus drei Häusern des National Trust erstellt, nämlich Oxburgh Hall und Felbrigg Hall in Norfolk sowie Newark Park in Gloucestershire. Mit handgemalten Vögeln, stilisierten Blumen und vielen eleganten Ranken kommen die jahrhundertealten Designs gerade passend zu den derzeit angesagten, üppigen Dekostyles – dank der neuen Farbvariationen wirken die Muster erstaunlich modern. Mit dem Erlös aus dem Verkauf jeder Tapetenrolle wird die Arbeit des National Trust unterstützt, der sich um 500 historische Orte in Großbritannien kümmert. Man klebt also für die gute Sache, wenn auch anders als die Aktivisten der „Last Generation“. Zur Homepage von Little Greene.

Die Künstler

Hinter den Namen Zeuxis & Parrhasius verbirgt sich nicht nur eine Künstleranekdote aus der Antike, sondern auch eines der spannendsten Wiener Design-Start-ups: 2019 gründeten Verena und Adrian Baron ihre Tapetenmanufaktur und verfolgen seitdem mit Hingabe die Kunst der eleganten Wandverkleidung – jeder Meter wird mit großem handwerklichen Aufwand selbst hergestellt. Inspiration zieht das Paar zum Beispiel aus der reichhaltigen Wiener Kunstgeschichte – etwa mit einer Kollektion von Koloman Moser. Der Grafiker war vor 120 Jahren eine der maßgeblichen Figuren der Wiener Secession, und einige seiner schönsten Muster- und Linienkompositionen werden heute bei Zeuxis & Parrhasius zu opulenten Tapeten. Es geht aber nicht nur um Historisches, andere Tapeten tragen Namen wie „Froschgoscherl“ oder „Wiesenblümchen“ oder zeigen stilisierte Naturmotive wie etwa die Serie „Stieleiche“. Günstig sind die Tapetenrollen natürlich nicht, dafür spart man sich später zusätzliche Ausgaben für Kunst an der Wand. Zur Homepage von Zeuxis & Parrhasius.

Die Musik

Hat zwar nix mit Tapete im eigentlichen Sinne zu tun, aber mit einem schönen Klangteppich – und der ist zu Hause ja bisweilen genauso wichtig wie die Wandverkleidung. Das Hamburger Plattenlabel Tapete Records feierte gerade sein 20-jähriges Bestehen und gilt heute als eines der wichtigsten deutschen Indie-Plattenlabels – in Zeiten von Spotify gehört so was fast schon unter Denkmalschutz. Indie, das bedeutet eher keine Bestseller oder Nummer-eins-Hits im Sortiment, aber dafür viele Lieblingskünstler. Songwriter wie Peter Licht, Rocko Schamoni, aber auch Bands wie Fehlfarben oder Die Höchste Eisenbahn veröffentlichen auf Tapete – allesamt handgemachte Musik mit Herz und einem anderen Heimatgefühl als im Musikantenstadl. Wem die Namen gar nichts sagen – einfach mal reinhören, gerade wurde in Hamburg zum Beispiel die erste EP von die Höchste Eisenbahn wieder aufgelegt, das ist Musik für alle, so angenehm wie ein gut tapeziertes Zuhause. tapeterecords.de

Team
Text Max Scharnigg
Bildredaktion Claudia Eggl
Digitales Storytelling Elisa von Grafenstein