
Himmlisch schön
Wünschen
Einen bequemen Liegestuhl, eine flauschige Decke, ein gutes Getränk – mehr braucht es nicht für einen wunderbaren Abend im August. Ein wenig Romantik oder auch eine Portion Begeisterung für die Wunder des Universums schaden natürlich auch nicht, wenn man sich ein gemütliches Plätzchen sucht, um einfach nur nach oben zu blicken. Sterne schauen - dafür gibt es in Mitteleuropa keinen schöneren Zeitpunkt als den Spätsommer. Meistens ist es noch recht warm, außerdem wird es wieder so früh dunkel, dass man im Liegestuhl nicht schon vor der ersten sichtbaren Sternschnuppe weggedöst ist. Das wäre insbesondere in diesen Wochen bedauerlich, denn wie in jedem Jahr rast die Erde im August durch die Partikelspur, die der Komet „Swift-Tuttle“ im Sternbild Perseus hinter sich gelassen hat - was auf der Erde für den Perseiden-Schauer sorgt.
Wer eher abergläubisch als wissenschaftlich veranlagt ist, kann sich in diesem Monat eine Menge Wünsche zurechtlegen. Schon in der Antike dachte man, dass eine Sternschnuppe den Himmel öffnet – eine gute Gelegenheit, um sich etwas von den Allmächtigen zu erhoffen. Auch etymologisch hat der Glaube seine Spuren hinterlassen: Beim Aufräumen des Himmels haben die Engel dem Volksglauben nach nämlich die verkohlten Enden der Himmelskerzen achtlos auf die Erde geschnippt – das Dochtende wurde früher auch „Schnuppe“ genannt. Von oben mit rußigem Müll beworfen zu werfen, ist unter dem Sommersternenhimmel nicht gerade die ideal-romantische Vorstellung. Gut, dass der August noch mehr zu bieten hat: Das sogenannte Sommerdreieck mit Deneb, Altair und Vega ist gut zu erkennen. In den späten Abendstunden zeigen sich Saturn und Neptun, mitten in der Nacht folgt Uranus. Frühaufsteher können sich auf Venus und Jupiter freuen – sie kommen sich derzeit besonders nahe.
Vertuschen
Wie so vieles in der griechischen Mythologie ist auch die Entstehung der Milchstraße das Ergebnis komplexer Beziehungsdramen. Der italienische Renaissance-Maler Jacopo Tintoretto hat seine Version dieses kosmischen Moments in einem Bild festgehalten: Der notorisch untreue Zeus hält seinen Sohn Herakles an die Brust der schlafenden Hera, in der Absicht, der kleine Herkules möge über die Muttermilch in die Welt der Götter aufgenommen werden. Der Neugeborene ist nämlich das Ergebnis eines Seitensprungs mit einer Sterblichen. Als Hera bei diesem etwas plumpen Unterfangen aufwacht, spritzt die Muttermilch quer über den Himmel und formt die Milchstraße.
Von dieser Sage gibt es viele Varianten, andere Geschichtenerzähler der Antike gingen etwa davon aus, dass die Milchstraße die einstige Bahn der Sonne markiert. Es ist wahrscheinlich, dass sich die alten Griechen, Römer und Tintoretto an lauen Sommerabenden ihre Inspiration geholt haben: Im August sieht man die Milliarden Sterne der Milchstraße klarer als im Winter, wenn nur der Rand der galaktischen Scheibe zu sehen ist. Noch deutlich besser ist der Blick von der Südhalbkugel aus, da man von dort direkt in das helle Zentrum unserer Galaxis blickt.
Die Faszination an der Milchstraße ist erdkugelübergreifend, sonst hätten Marketingmenschen nach ihr wahrscheinlich auch keinen Schokoriegel benannt - zwar steckt keine Milch in einem „Milky Way“, dafür aber so viel Zucker wie Protosterne im Sagittarius-Arm. Geruchstechnisch tendiert unsere Galaxis ohnehin in eine andere Richtung. Vor einigen Jahren haben Forscher im Zentrum der Milchstraße Moleküle gefunden, die man auf der Erde in Obst und Aromen findet. Die Milchstraße ist demnach nicht schokoladig, sondern riecht eher nach Rum und schmeckt nach Himbeeren.
Entdecken
Wer unter dem Sternenhimmel nach existenziellen Antworten sucht, ist meist auf sich allein gestellt. Besser dran sind jene, die nach Nebeln oder Planeten fahnden – hier hilft die Technik, und es gibt sogar Aussicht auf belastbare Ergebnisse. Und die werden schon mit einem Fernglas sichtbar: Mit einem normalen Feldstecher lassen sich beispielsweise Sternenhaufen wie die Plejaden gut erkennen. Das Fernglas wird als Instrument oft unterschätzt, stößt aber natürlich an seine Grenzen, wenn man etwa die Streifen des Jupiters sehen möchte. Erst ein Teleskop macht solche Details sichtbar. Dafür kann man viele tausend Euro ausgeben – Einsteiger sollten besser mit einer einfacheren Ausführung beginnen. Ein guter Kompromiss zwischen Preis und Leistung sind Teleskope wie das „Astro Master“ des kalifornischen Traditionsherstellers Celestron. Solche Modelle in der 200-Euro-Klasse weisen naturgemäß auch Schwächen auf: Lichtschwache Objekte lassen sich nur schwer erkennen, für die Astrofotografie sind sie nur bedingt geeignet. Wer jedoch die Krater des Mondes oder die Oberflächenstrukturen der Planeten beobachten möchte, ist damit gut bedient.
Leuchten
Mit Kindern die Sterne beobachten – klingt nach einem tollen Abend und sieht in den bunt gemalten Wissensbüchern auch immer toll aus. In der Praxis ist die Sache jedoch nicht so einfach. Im Sommer ist es so lange hell, dass man kleine Kinder mühsam wach halten und einen übellaunigen Folgetag riskieren muss. Aber im Laufe des Augusts rückt die Dunkelheit in einen akzeptablen Zubettgeh-Bereich, dann muss allerdings auch noch das Sommer-Wetter mitspielen, was auch nicht immer funktioniert, wie der Juli eindrucksvoll bewiesen hat. Einen Plan-B bietet eine Sternenhimmel-Lampe, in vergleichsweise günstiger und einfacher Ausführung zum Beispiel das Junior-Planetarium von Bresser. Damit lassen sich an der Kinderzimmerwand 8000 Sterne und Sternbilder erkunden. Auch wenn es draußen kalt, hell oder bewölkt ist.
Finden
Viele Dinge können das Sterneschauen erleichtern oder verschönern. Die wichtigste Voraussetzung gibt es nicht zu kaufen: Dunkelheit. Wäre sie ein Handelsgut, würde sie Jahr für Jahr teurer werden, denn sie wird immer seltener. Künstliche Beleuchtung hellt die Erde immer stärker auf, die sogenannte Lichtverschmutzung beeinträchtigt Tiere, Pflanzen und Menschen. Immerhin: Seit einigen Jahren steigt das Bewusstsein, dass es keine gute Idee ist, mit üppiger Gartenbeleuchtung, überdimensionierten Industriestrahlern oder veralteten Straßenlaternen permanent den Himmel zu bestrahlen. Einige Regionen haben sich sogar auf Dunkelheit spezialisiert, in Deutschland gibt es vier von der Dark-Sky-Association (IDA) zertifizierte Sternenparks. Seit 2018 gehört die Winklmoos-Alm dazu, das erste Lichtschutzgebiet in den Alpen. Die Lage ist günstig: Größere Städte mit ihren Lichtglocken sind weit genug weg. So lassen sich in einer klaren, mondfreien Nacht Tausende Sterne mit bloßem Auge zu erkennen. Übernachten kann man auf dem Berg auch. Aber bitte keine allzu starke Taschenlampe mitnehmen.



Wünschen
Einen bequemen Liegestuhl, eine flauschige Decke, ein gutes Getränk – mehr braucht es nicht für einen wunderbaren Abend im August. Ein wenig Romantik oder auch eine Portion Begeisterung für die Wunder des Universums schaden natürlich auch nicht, wenn man sich ein gemütliches Plätzchen sucht, um einfach nur nach oben zu blicken. Sterne schauen - dafür gibt es in Mitteleuropa keinen schöneren Zeitpunkt als den Spätsommer. Meistens ist es noch recht warm, außerdem wird es wieder so früh dunkel, dass man im Liegestuhl nicht schon vor der ersten sichtbaren Sternschnuppe weggedöst ist. Das wäre insbesondere in diesen Wochen bedauerlich, denn wie in jedem Jahr rast die Erde im August durch die Partikelspur, die der Komet „Swift-Tuttle“ im Sternbild Perseus hinter sich gelassen hat - was auf der Erde für den Perseiden-Schauer sorgt.
Wer eher abergläubisch als wissenschaftlich veranlagt ist, kann sich in diesem Monat eine Menge Wünsche zurechtlegen. Schon in der Antike dachte man, dass eine Sternschnuppe den Himmel öffnet – eine gute Gelegenheit, um sich etwas von den Allmächtigen zu erhoffen. Auch etymologisch hat der Glaube seine Spuren hinterlassen: Beim Aufräumen des Himmels haben die Engel dem Volksglauben nach nämlich die verkohlten Enden der Himmelskerzen achtlos auf die Erde geschnippt – das Dochtende wurde früher auch „Schnuppe“ genannt. Von oben mit rußigem Müll beworfen zu werfen, ist unter dem Sommersternenhimmel nicht gerade die ideal-romantische Vorstellung. Gut, dass der August noch mehr zu bieten hat: Das sogenannte Sommerdreieck mit Deneb, Altair und Vega ist gut zu erkennen. In den späten Abendstunden zeigen sich Saturn und Neptun, mitten in der Nacht folgt Uranus. Frühaufsteher können sich auf Venus und Jupiter freuen – sie kommen sich derzeit besonders nahe.

Vertuschen
Wie so vieles in der griechischen Mythologie ist auch die Entstehung der Milchstraße das Ergebnis komplexer Beziehungsdramen. Der italienische Renaissance-Maler Jacopo Tintoretto hat seine Version dieses kosmischen Moments in einem Bild festgehalten: Der notorisch untreue Zeus hält seinen Sohn Herakles an die Brust der schlafenden Hera, in der Absicht, der kleine Herkules möge über die Muttermilch in die Welt der Götter aufgenommen werden. Der Neugeborene ist nämlich das Ergebnis eines Seitensprungs mit einer Sterblichen. Als Hera bei diesem etwas plumpen Unterfangen aufwacht, spritzt die Muttermilch quer über den Himmel und formt die Milchstraße.
Von dieser Sage gibt es viele Varianten, andere Geschichtenerzähler der Antike gingen etwa davon aus, dass die Milchstraße die einstige Bahn der Sonne markiert. Es ist wahrscheinlich, dass sich die alten Griechen, Römer und Tintoretto an lauen Sommerabenden ihre Inspiration geholt haben: Im August sieht man die Milliarden Sterne der Milchstraße klarer als im Winter, wenn nur der Rand der galaktischen Scheibe zu sehen ist. Noch deutlich besser ist der Blick von der Südhalbkugel aus, da man von dort direkt in das helle Zentrum unserer Galaxis blickt.
Die Faszination an der Milchstraße ist erdkugelübergreifend, sonst hätten Marketingmenschen nach ihr wahrscheinlich auch keinen Schokoriegel benannt - zwar steckt keine Milch in einem „Milky Way“, dafür aber so viel Zucker wie Protosterne im Sagittarius-Arm. Geruchstechnisch tendiert unsere Galaxis ohnehin in eine andere Richtung. Vor einigen Jahren haben Forscher im Zentrum der Milchstraße Moleküle gefunden, die man auf der Erde in Obst und Aromen findet. Die Milchstraße ist demnach nicht schokoladig, sondern riecht eher nach Rum und schmeckt nach Himbeeren.

Entdecken
Wer unter dem Sternenhimmel nach existenziellen Antworten sucht, ist meist auf sich allein gestellt. Besser dran sind jene, die nach Nebeln oder Planeten fahnden – hier hilft die Technik, und es gibt sogar Aussicht auf belastbare Ergebnisse. Und die werden schon mit einem Fernglas sichtbar: Mit einem normalen Feldstecher lassen sich beispielsweise Sternenhaufen wie die Plejaden gut erkennen. Das Fernglas wird als Instrument oft unterschätzt, stößt aber natürlich an seine Grenzen, wenn man etwa die Streifen des Jupiters sehen möchte. Erst ein Teleskop macht solche Details sichtbar. Dafür kann man viele tausend Euro ausgeben – Einsteiger sollten besser mit einer einfacheren Ausführung beginnen. Ein guter Kompromiss zwischen Preis und Leistung sind Teleskope wie das „Astro Master“ des kalifornischen Traditionsherstellers Celestron. Solche Modelle in der 200-Euro-Klasse weisen naturgemäß auch Schwächen auf: Lichtschwache Objekte lassen sich nur schwer erkennen, für die Astrofotografie sind sie nur bedingt geeignet. Wer jedoch die Krater des Mondes oder die Oberflächenstrukturen der Planeten beobachten möchte, ist damit gut bedient.

Leuchten
Mit Kindern die Sterne beobachten – klingt nach einem tollen Abend und sieht in den bunt gemalten Wissensbüchern auch immer toll aus. In der Praxis ist die Sache jedoch nicht so einfach. Im Sommer ist es so lange hell, dass man kleine Kinder mühsam wach halten und einen übellaunigen Folgetag riskieren muss. Aber im Laufe des Augusts rückt die Dunkelheit in einen akzeptablen Zubettgeh-Bereich, dann muss allerdings auch noch das Sommer-Wetter mitspielen, was auch nicht immer funktioniert, wie der Juli eindrucksvoll bewiesen hat. Einen Plan-B bietet eine Sternenhimmel-Lampe, in vergleichsweise günstiger und einfacher Ausführung zum Beispiel das Junior-Planetarium von Bresser. Damit lassen sich an der Kinderzimmerwand 8000 Sterne und Sternbilder erkunden. Auch wenn es draußen kalt, hell oder bewölkt ist.

Finden
Viele Dinge können das Sterneschauen erleichtern oder verschönern. Die wichtigste Voraussetzung gibt es nicht zu kaufen: Dunkelheit. Wäre sie ein Handelsgut, würde sie Jahr für Jahr teurer werden, denn sie wird immer seltener. Künstliche Beleuchtung hellt die Erde immer stärker auf, die sogenannte Lichtverschmutzung beeinträchtigt Tiere, Pflanzen und Menschen. Immerhin: Seit einigen Jahren steigt das Bewusstsein, dass es keine gute Idee ist, mit üppiger Gartenbeleuchtung, überdimensionierten Industriestrahlern oder veralteten Straßenlaternen permanent den Himmel zu bestrahlen. Einige Regionen haben sich sogar auf Dunkelheit spezialisiert, in Deutschland gibt es vier von der Dark-Sky-Association (IDA) zertifizierte Sternenparks. Seit 2018 gehört die Winklmoos-Alm dazu, das erste Lichtschutzgebiet in den Alpen. Die Lage ist günstig: Größere Städte mit ihren Lichtglocken sind weit genug weg. So lassen sich in einer klaren, mondfreien Nacht Tausende Sterne mit bloßem Auge zu erkennen. Übernachten kann man auf dem Berg auch. Aber bitte keine allzu starke Taschenlampe mitnehmen.