Im Blütenregen

Kletterpflanzen von Glyzinie bis Geißblatt sind ein Farb- und Dufterlebnis, kühlen Fassaden und locken Insekten an. Doch die Emporkömmlinge haben auch Schattenseiten – nicht nur im Märchen.

8. Mai 2024 - 4 Min. Lesezeit

Blaue Stunde

Sogenannte Liebesschlösser gibt es in jedem Eisenwarenladen, bunte Stahlzylinder, die zu Tausenden an Brückengeländern hängen. Nachteil des romantischen Jugendrituals: Die Schlösser sind zwar bunt und lassen eine gewöhnliche Balustrade ein wenig nach Märchenburg aussehen – aber sie duften nicht. Mauern, überdeckt mit weiß blühendem Jasmin, oder Laubengänge und Terrassen mit einem Dach aus Blauregen verbreiten dagegen eine intensiv süße, manchmal moschusartige Parfümwolke. Kaum ein altes italienisches oder französisches Gemäuer, das sich im Frühling nicht in ein fast betäubendes Meer aus Duft und Farbe verwandelt.

Dass die wuchernde Blütenpracht auch Schattenseiten hat, wissen wir aus den Volksmärchen. In „Dornröschen“ wird eine liebliche Kletterrose zur prinzenverschlingenden Dornenhecke. Ähnliche Geschichten ließen sich auch von den Schmetterlingsblütlern der Gattung Wisteria erzählen. Die zart violetten Blütentrauben der Glyzinie fallen aus mehreren Metern Höhe wie Tropfen herab, daher auch der Name Blauregen. In 100 Jahren (wie im Märchen) können die Schlingtriebe bis zu 30 Meter emporklettern. Im Kampf mit so einem turmhohen Baumwürger – auch Regenrinnen drücken Glyzinien scheinbar mühelos zusammen – hat sich schon mancher Gärtner die eiserne Faust einer Ritterrüstung gewünscht.

Durchaus passend zu diesem martialischen Auftreten: Der Blauregen wurde zur Giftpflanze des Jahres 2024 gewählt, bei Kindern und Haustieren können bereits zwei Samenkörner erste Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Um zum romantisch umwucherten Märchenschloss zurückzukommen, Symptome wie Kreislaufstörungen mögen bei Verliebten ganz normal sein – aber beim schönen Blauregen ist Vorsicht geboten.

Im Blütenregen

Kletterpflanzen von Glyzinie bis Geißblatt sind ein Farb- und Dufterlebnis, kühlen Fassaden und locken Insekten an. Doch die Emporkömmlinge haben auch Schattenseiten – nicht nur im Märchen.

Blaue Stunde

Sogenannte Liebesschlösser gibt es in jedem Eisenwarenladen, bunte Stahlzylinder, die zu Tausenden an Brückengeländern hängen. Nachteil des romantischen Jugendrituals: Die Schlösser sind zwar bunt und lassen eine gewöhnliche Balustrade ein wenig nach Märchenburg aussehen – aber sie duften nicht. Mauern, überdeckt mit weiß blühendem Jasmin, oder Laubengänge und Terrassen mit einem Dach aus Blauregen verbreiten dagegen eine intensiv süße, manchmal moschusartige Parfümwolke. Kaum ein altes italienisches oder französisches Gemäuer, das sich im Frühling nicht in ein fast betäubendes Meer aus Duft und Farbe verwandelt.

Dass die wuchernde Blütenpracht auch Schattenseiten hat, wissen wir aus den Volksmärchen. In „Dornröschen“ wird eine liebliche Kletterrose zur prinzenverschlingenden Dornenhecke. Ähnliche Geschichten ließen sich auch von den Schmetterlingsblütlern der Gattung Wisteria erzählen. Die zart violetten Blütentrauben der Glyzinie fallen aus mehreren Metern Höhe wie Tropfen herab, daher auch der Name Blauregen. In 100 Jahren (wie im Märchen) können die Schlingtriebe bis zu 30 Meter emporklettern. Im Kampf mit so einem turmhohen Baumwürger – auch Regenrinnen drücken Glyzinien scheinbar mühelos zusammen – hat sich schon mancher Gärtner die eiserne Faust einer Ritterrüstung gewünscht.

Durchaus passend zu diesem martialischen Auftreten: Der Blauregen wurde zur Giftpflanze des Jahres 2024 gewählt, bei Kindern und Haustieren können bereits zwei Samenkörner erste Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Um zum romantisch umwucherten Märchenschloss zurückzukommen, Symptome wie Kreislaufstörungen mögen bei Verliebten ganz normal sein – aber beim schönen Blauregen ist Vorsicht geboten.

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