Zarte Flocke

Sie schmeckt am besten auf einer Scheibe Brot, verfeinert Soßen und galt schon in der Antike als edle Zutat. Eine Würdigung der Butter zur Adventszeit.

28. November 2025 | Lesezeit: 3 Min.

Aromatisch

„Alles schmeckt besser mit Butter“, sagt nicht nur die bekannte US-amerikanische Gastronomin Alice Waters. Vor allem aus der französischen Küche ist Butter nicht wegzudenken. Sie bindet Soßen, verfeinert viele Speisen und ist Geschmacksträger. Vom französischen Sternekoch Joël Robuchon etwa kursiert ein Rezept für Kartoffelpüree, das je nach Version bis zur Hälfte aus Butter besteht. Die handgeknetete „Beurre Bordier“ aus der Bretagne gilt vielen als die beste Butter der Welt. Weil sie mit der Industrieware nicht zufrieden waren, kneten die gelernten Köche Moritz Oswald und Fabio Cestari de Mesquita in ihrer niederbayerischen Manufaktur „Butterboyz“ fassgereifte Sauerrahmbutter zur streichzarten Spezialität. Ihre Kreationen, unter anderem mit Feige-Anis oder Steinpilz, kommen auch in Spitzenrestaurants auf den Tisch. Dort leiten Brot und aromatisierte oder aufgeschlagene Butter oft das Menü ein. Für Letztere gibt man sie mit etwas Buttermilch und Salz in den Standmixer oder schlägt sie mit dem Handrührgerät auf, bis sie die Textur von Schlagsahne hat. Aromatisieren kann man Butter zum Beispiel mit Kräutern, gemahlenen getrockneten Pilzen, Honig oder Chili. Die amerikanische Köchin Molly Baz empfiehlt in ihrem Buch „More is more“ (Dumont) eine Variante mit Petersilie, Knoblauch und Zitronenabrieb. In Restaurants oder Rezepten begegnen einem manchmal Nussbutter („Beurre noisette“), eine gebräunte, durch ein Tuch passierte flüssige Butter, oder „Beurre blanc“, eine Soße auf Basis von Butter und Weißwein.

Historisch

Die ältesten Darstellungen von Butter sind etwa 5000 Jahre alt, in Großbritannien, Irland und Skandinavien wurden bei archäologischen Ausgrabungen Tausende Jahre alte Butterfässer gefunden. In der Antike benutzte man sie für medizinische Zwecke, etwa als Salbe bei Verletzungen. Im Mittelalter wurde sie ein wertvolles Handelsgut. Butter wird aus Milch, Sahne oder Molkensahne hergestellt, man kann das auch zu Hause ohne großes Equipment ausprobieren: Dafür schlägt man Schlagsahne mit einer Prise Salz so lange mit einem Schneebesen, bis sich die Butter von der Buttermilch trennt. Am besten presst man sie durch ein Tuch und wäscht sie aus, bevor man sie aufbewahrt. In der industriellen Produktion wird Butter meist aus pasteurisierter Sahne hergestellt, Rohmilchbutter aus unbehandelter. Lange Zeit galt Butter als ungesund, die pflanzliche Alternative Margarine allerdings auch. Experten empfehlen Butter für den Geschmack und pflanzliche Öle wie Oliven- oder Rapsöl zum Braten. Butter wird nicht nur aus Kuh-, sondern auch zum Beispiel aus Ziegen-, Schafs- und Büffelmilch gemacht.

Kostbar

Zuletzt war der Butterpreis stark gestiegen, im Oktober 2024 erreichte er mit 2,39 Euro pro 250-Gramm-Päckchen einen historischen Höchststand, seit Herbst sind die Preise mehrmals gesunken. In Deutschland gilt „Deutsche Markenbutter“, die nur aus Sahne hergestellt wird, als höchste Qualitätsstufe. Auf dem Butterbrot oder zur Brotzeit schmeckt Sauerrahmbutter aus gesäuerter Milch, zum Backen schätzen viele Süßrahmbutter aus ungesäuerter ohne Zusatz von Milchsäurebakterienkulturen. Hierzulande am beliebtesten ist der Kompromiss: mildgesäuerte Butter. Auch gesalzene Butter wird immer beliebter, auch beim Backen, wo man ohnehin immer eine Prise Salz verwendet, weil es die Süße geschmacklich hebt. Für Ausstechplätzchen, Zimtsterne und Cookies sollte die Butter zimmerwarm und weich sein, für Mürbteig kalt.

Geschmeidig

Gehört die Butter in den Kühlschrank, wo sie kühl und frisch bleibt? Oder lieber nicht, damit man sie schön streichen kann? Darüber scheiden sich die Geister, im Laufe der Jahre sind immer wieder verschiedene Gadgets zur Problembehebung – Stichwort „Butterspender“ – erfunden worden. Ein beliebter Hack ist es, ein Glas heiß auszuspülen und über die Butter zu stülpen, sodass sie schneller streichzart wird. Eleganter ist da eine Butterglocke wie das handgedrehte und -glasierte Modell „Dark Melange“ des Düsseldorfer Labels Pottery Hontas Keramik (im Bild). Die Glocke wird mit Wasser gefüllt, dadurch entsteht ein natürlicher Schutzfilm, und die Butter bleibt bei Zimmertemperatur sowohl frisch als auch streichzart.

Hip

Butter hat in den vergangenen Jahren allerlei unnötige Hypes ausgelöst. „Bulletproof Coffee“ zum Beispiel, Kaffee mit Butter und Kokosöl, oder frittierte (!) Butter. 2023 waren „Butter Candles“, Kerzen aus Butter, ein beliebter, wenn auch nicht ungefährlicher Weihnachtstrend. Wesentlich stilvoller ist da die Trendfarbe „Buttergelb“, auf roten Teppichen sah man zuletzt Kleider und Anzüge in entsprechend blassen Gelbtönen. Die britische Designerin Faye Toogood stellte eine „Bread and butter“-Kollektion vor, mit einem pastellgelben „Butter Sofa“. Das Wiener Papeterie-Label Poldi Papier ließ sich direkt von einem 250-Gramm-Päckchen Butter zu einem Notizblock inspirieren: Der zartgelbe „Butterblock(im Bild) wird von Hand gefaltet und macht auch beim To-do-Listen-Schreiben gute Laune.

Zarte Flocke

Sie schmeckt am besten auf einer Scheibe Brot, verfeinert Soßen und galt schon in der Antike als edle Zutat. Eine Würdigung der Butter zur Adventszeit.

Aromatisch

„Alles schmeckt besser mit Butter“, sagt nicht nur die bekannte US-amerikanische Gastronomin Alice Waters. Vor allem aus der französischen Küche ist Butter nicht wegzudenken. Sie bindet Soßen, verfeinert viele Speisen und ist Geschmacksträger. Vom französischen Sternekoch Joël Robuchon etwa kursiert ein Rezept für Kartoffelpüree, das je nach Version bis zur Hälfte aus Butter besteht. Die handgeknetete „Beurre Bordier“ aus der Bretagne gilt vielen als die beste Butter der Welt. Weil sie mit der Industrieware nicht zufrieden waren, kneten die gelernten Köche Moritz Oswald und Fabio Cestari de Mesquita in ihrer niederbayerischen Manufaktur „Butterboyz“ fassgereifte Sauerrahmbutter zur streichzarten Spezialität. Ihre Kreationen, unter anderem mit Feige-Anis oder Steinpilz, kommen auch in Spitzenrestaurants auf den Tisch. Dort leiten Brot und aromatisierte oder aufgeschlagene Butter oft das Menü ein. Für Letztere gibt man sie mit etwas Buttermilch und Salz in den Standmixer oder schlägt sie mit dem Handrührgerät auf, bis sie die Textur von Schlagsahne hat. Aromatisieren kann man Butter zum Beispiel mit Kräutern, gemahlenen getrockneten Pilzen, Honig oder Chili. Die amerikanische Köchin Molly Baz empfiehlt in ihrem Buch „More is more“ (Dumont) eine Variante mit Petersilie, Knoblauch und Zitronenabrieb. In Restaurants oder Rezepten begegnen einem manchmal Nussbutter („Beurre noisette“), eine gebräunte, durch ein Tuch passierte flüssige Butter, oder „Beurre blanc“, eine Soße auf Basis von Butter und Weißwein.

Historisch

Die ältesten Darstellungen von Butter sind etwa 5000 Jahre alt, in Großbritannien, Irland und Skandinavien wurden bei archäologischen Ausgrabungen Tausende Jahre alte Butterfässer gefunden. In der Antike benutzte man sie für medizinische Zwecke, etwa als Salbe bei Verletzungen. Im Mittelalter wurde sie ein wertvolles Handelsgut. Butter wird aus Milch, Sahne oder Molkensahne hergestellt, man kann das auch zu Hause ohne großes Equipment ausprobieren: Dafür schlägt man Schlagsahne mit einer Prise Salz so lange mit einem Schneebesen, bis sich die Butter von der Buttermilch trennt. Am besten presst man sie durch ein Tuch und wäscht sie aus, bevor man sie aufbewahrt. In der industriellen Produktion wird Butter meist aus pasteurisierter Sahne hergestellt, Rohmilchbutter aus unbehandelter. Lange Zeit galt Butter als ungesund, die pflanzliche Alternative Margarine allerdings auch. Experten empfehlen Butter für den Geschmack und pflanzliche Öle wie Oliven- oder Rapsöl zum Braten. Butter wird nicht nur aus Kuh-, sondern auch zum Beispiel aus Ziegen-, Schafs- und Büffelmilch gemacht.

Kostbar

Zuletzt war der Butterpreis stark gestiegen, im Oktober 2024 erreichte er mit 2,39 Euro pro 250-Gramm-Päckchen einen historischen Höchststand, seit Herbst sind die Preise mehrmals gesunken. In Deutschland gilt „Deutsche Markenbutter“, die nur aus Sahne hergestellt wird, als höchste Qualitätsstufe. Auf dem Butterbrot oder zur Brotzeit schmeckt Sauerrahmbutter aus gesäuerter Milch, zum Backen schätzen viele Süßrahmbutter aus ungesäuerter ohne Zusatz von Milchsäurebakterienkulturen. Hierzulande am beliebtesten ist der Kompromiss: mildgesäuerte Butter. Auch gesalzene Butter wird immer beliebter, auch beim Backen, wo man ohnehin immer eine Prise Salz verwendet, weil es die Süße geschmacklich hebt. Für Ausstechplätzchen, Zimtsterne und Cookies sollte die Butter zimmerwarm und weich sein, für Mürbteig kalt.

Geschmeidig

Gehört die Butter in den Kühlschrank, wo sie kühl und frisch bleibt? Oder lieber nicht, damit man sie schön streichen kann? Darüber scheiden sich die Geister, im Laufe der Jahre sind immer wieder verschiedene Gadgets zur Problembehebung – Stichwort „Butterspender“ – erfunden worden. Ein beliebter Hack ist es, ein Glas heiß auszuspülen und über die Butter zu stülpen, sodass sie schneller streichzart wird. Eleganter ist da eine Butterglocke wie das handgedrehte und -glasierte Modell „Dark Melange“ des Düsseldorfer Labels Pottery Hontas Keramik (im Bild). Die Glocke wird mit Wasser gefüllt, dadurch entsteht ein natürlicher Schutzfilm, und die Butter bleibt bei Zimmertemperatur sowohl frisch als auch streichzart.

Hip

Butter hat in den vergangenen Jahren allerlei unnötige Hypes ausgelöst. „Bulletproof Coffee“ zum Beispiel, Kaffee mit Butter und Kokosöl, oder frittierte (!) Butter. 2023 waren „Butter Candles“, Kerzen aus Butter, ein beliebter, wenn auch nicht ungefährlicher Weihnachtstrend. Wesentlich stilvoller ist da die Trendfarbe „Buttergelb“, auf roten Teppichen sah man zuletzt Kleider und Anzüge in entsprechend blassen Gelbtönen. Die britische Designerin Faye Toogood stellte eine „Bread and butter“-Kollektion vor, mit einem pastellgelben „Butter Sofa“. Das Wiener Papeterie-Label Poldi Papier ließ sich direkt von einem 250-Gramm-Päckchen Butter zu einem Notizblock inspirieren: Der zartgelbe „Butterblock(im Bild) wird von Hand gefaltet und macht auch beim To-do-Listen-Schreiben gute Laune.

Text: Kathrin Hollmer; Redaktion und Digitales Storytelling: Birgit Kruse; Bildredaktion: Natalie Neomi Isser

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