
Runde Sache
Der Klassische
Der Ur-Adventskranz war ein Wagenrad voller Kerzen. Es hing im „Rauhen Haus“ von der Decke, einer Einrichtung für Straßenkinder in Hamburg. 1839 war das. Erdacht hatte den ungewöhnlichen Raumschmuck der Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern. Sichtbar zu machen, wie lange es noch dauert bis Weihnachten – das war die Idee. Und zählen lernen sollten die Kinder nebenbei auch noch. Deshalb kamen vier dicke Kerzen für die Adventssonntage aufs Wagenrad und jeweils noch eine kleine für jeden weiteren Tag bis zum Heiligen Abend. Die Anzahl der brennenden Lichter reduzierte sich im Laufe der Zeit platzsparend auf vier. Dafür wurde der Kranz mit frischen Tannenzweigen aufgehübscht, nicht nur aus optischen Gründen, sondern als Sinnbild für das neue Leben, während draußen die Natur noch Winterschlaf hält. Dieser Klassiker widersteht allen Moden, der grüne Kranz ist nach wie vor die beliebteste Adventsdeko. Man kann ihn selbstverständlich fix und fertig geschmückt kaufen. Macht wenig Arbeit, birgt aber das Risiko, dass das Grün nicht mehr ganz so frisch ist und schon lange vor dem vierten Advent zu nadeln beginnt. Die gar nicht so komplizierte Alternative lautet: selbst binden.
Dafür benötigt man einen Stroh- oder Steckkranz als Basis, dazu in handliche Stücke geschnittene Zweige – zum Beispiel Nordmanntanne, Fichte, Thuja, Buchs, Efeu oder Ilex – sowie Blumendraht. In kleinen Bündeln wird das Grün auf die Basis gelegt und unten am Stängel mit Draht fest umwickelt, immer schön überlappend, damit der Draht später nicht sichtbar ist. Mit Kerzen sowie Zapfen, Schleifen oder getrockneten Orangenscheiben dekorieren, fertig.
Der Ungewöhnliche
Ein frischer Blick kann Altbewährtem ziemlich guttun. Die Tradition des Adventskranzes kannte Ji In Park nicht, als sie 2007 aus Südkorea nach Deutschland kam. „Aber die Idee, dass er die Menschen vier Wochen lang begleitet, hat mir gleich gefallen“, sagt die Floristin, die in München das Blumengeschäft „Chaska Nawi“ betreibt und sich mit ihren kunstvollen Arrangements einen Namen gemacht hat. Ihre Interpretation hat mit klassischen Adventskränzen, abgesehen von den vier Kerzen, wenig zu tun. Sie arbeitet getrocknete Blumen ein, Hortensien zum Beispiel, Rittersporn oder Sonnenblumen. Oder verzichtet ganz auf Pflanzliches und formt das Gesteck stattdessen aus Stoff und Schleifen. Kunstausstellungen inspirieren sie ebenso wie Farbverläufe, die sie in der Natur beobachtet. Studiert hat sie mal Modedesign, sie mag das Spiel mit unterschiedlichen Materialien und Farben: „Warum nicht mal Pink?“ Ja, warum eigentlich nicht.
Der Upgecycelte
Keine Zeit, noch rechtzeitig einen Adventskranz zu besorgen? Solange irgendwo noch vier Kerzen im Schrank liegen, ist nichts verloren. Zur Not – und mal ehrlich, nach Notlösung sieht das nicht aus – stehen die Lichter auch dekorativ in einem Kännchen aus dem Küchenschrank. Kleine Tassen lassen sich ebenfalls zu Kerzenhaltern umfunktionieren, Sand oder feiner Kies sorgen für Stabilität. Oder man nutzt leere Blechdosen, Marmeladengläser und Flaschen und poliert sie mit ein bisschen Farbe, buntem Geschenkband und ein paar grünen Zweigen vom Wegesrand weihnachtlich auf. Sieht nicht ganz perfekt aus? Na ja, der Glanz der Adventszeit bekommt im Vorweihnachtsstress doch auch meistens ein paar Macken ab.
Der Nachhaltige
Der Kranz aus Tannenzweigen ist ein Wegwerfprodukt und landet meist spätestens zu Weihnachten im Restmüll, weil sich kaum jemand die Mühe macht, Grünzeug, Stroh, Kerzen und Draht wieder voneinander zu trennen. Weniger Abfall verursachen wiederverwendbare Kränze, die nur mit neuen Kerzen bestückt werden müssen. Man bekommt sie aus Holz oder Metall. Oder aus Glas, sogar in sattem Tannengrün. Gefertigt wird der puristische Ring in Handarbeit in der Farbglashütte im thüringischen Lauscha, die Farbe ist typisch für sogenanntes Waldglas, wie es schon seit Jahrhunderten in der Region hergestellt wird.
Der Sichere
Den meisten Eltern stellen sich die Nackenhaare auf, wenn die Adventszeit mit den Attributen „still“ und „besinnlich“ versehen wird, denn meistens ist es eine wilde Hatz von Weihnachtsfeier zu Adventsbasar zu Shoppingmall. Da trägt auch sanfter Kerzenschein nicht zur Beruhigung bei, im Gegenteil, die Kombination (Klein-)Kind plus Flamme ist, nun ja, eher brenzlig. Besitzerinnen und Besitzern von frei herumlaufenden oder -flatternden Haustieren geht es ähnlich. Die pragmatischste Lösung sind LED-Kerzen, deren Optik zwar nach wie vor nicht ans Original heranreicht, aber immer ansehnlicher wird. Für Hunde und Katzen lauern Gefahren auch abseits der Flamme: Verschluckte Tannennadeln können zu Verletzungen im Magen-Darm-Trakt führen. Und Stechpalmen-, Eiben- und Mistelzweige sind hochgiftig, übrigens nicht nur für Tiere.



Der Klassische
Der Ur-Adventskranz war ein Wagenrad voller Kerzen. Es hing im „Rauhen Haus“ von der Decke, einer Einrichtung für Straßenkinder in Hamburg. 1839 war das. Erdacht hatte den ungewöhnlichen Raumschmuck der Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wichern. Sichtbar zu machen, wie lange es noch dauert bis Weihnachten – das war die Idee. Und zählen lernen sollten die Kinder nebenbei auch noch. Deshalb kamen vier dicke Kerzen für die Adventssonntage aufs Wagenrad und jeweils noch eine kleine für jeden weiteren Tag bis zum Heiligen Abend. Die Anzahl der brennenden Lichter reduzierte sich im Laufe der Zeit platzsparend auf vier. Dafür wurde der Kranz mit frischen Tannenzweigen aufgehübscht, nicht nur aus optischen Gründen, sondern als Sinnbild für das neue Leben, während draußen die Natur noch Winterschlaf hält. Dieser Klassiker widersteht allen Moden, der grüne Kranz ist nach wie vor die beliebteste Adventsdeko. Man kann ihn selbstverständlich fix und fertig geschmückt kaufen. Macht wenig Arbeit, birgt aber das Risiko, dass das Grün nicht mehr ganz so frisch ist und schon lange vor dem vierten Advent zu nadeln beginnt. Die gar nicht so komplizierte Alternative lautet: selbst binden.
Dafür benötigt man einen Stroh- oder Steckkranz als Basis, dazu in handliche Stücke geschnittene Zweige – zum Beispiel Nordmanntanne, Fichte, Thuja, Buchs, Efeu oder Ilex – sowie Blumendraht. In kleinen Bündeln wird das Grün auf die Basis gelegt und unten am Stängel mit Draht fest umwickelt, immer schön überlappend, damit der Draht später nicht sichtbar ist. Mit Kerzen sowie Zapfen, Schleifen oder getrockneten Orangenscheiben dekorieren, fertig.

Der Ungewöhnliche
Ein frischer Blick kann Altbewährtem ziemlich guttun. Die Tradition des Adventskranzes kannte Ji In Park nicht, als sie 2007 aus Südkorea nach Deutschland kam. „Aber die Idee, dass er die Menschen vier Wochen lang begleitet, hat mir gleich gefallen“, sagt die Floristin, die in München das Blumengeschäft „Chaska Nawi“ betreibt und sich mit ihren kunstvollen Arrangements einen Namen gemacht hat. Ihre Interpretation hat mit klassischen Adventskränzen, abgesehen von den vier Kerzen, wenig zu tun. Sie arbeitet getrocknete Blumen ein, Hortensien zum Beispiel, Rittersporn oder Sonnenblumen. Oder verzichtet ganz auf Pflanzliches und formt das Gesteck stattdessen aus Stoff und Schleifen. Kunstausstellungen inspirieren sie ebenso wie Farbverläufe, die sie in der Natur beobachtet. Studiert hat sie mal Modedesign, sie mag das Spiel mit unterschiedlichen Materialien und Farben: „Warum nicht mal Pink?“ Ja, warum eigentlich nicht.

Der Upgecycelte
Keine Zeit, noch rechtzeitig einen Adventskranz zu besorgen? Solange irgendwo noch vier Kerzen im Schrank liegen, ist nichts verloren. Zur Not – und mal ehrlich, nach Notlösung sieht das nicht aus – stehen die Lichter auch dekorativ in einem Kännchen aus dem Küchenschrank. Kleine Tassen lassen sich ebenfalls zu Kerzenhaltern umfunktionieren, Sand oder feiner Kies sorgen für Stabilität. Oder man nutzt leere Blechdosen, Marmeladengläser und Flaschen und poliert sie mit ein bisschen Farbe, buntem Geschenkband und ein paar grünen Zweigen vom Wegesrand weihnachtlich auf. Sieht nicht ganz perfekt aus? Na ja, der Glanz der Adventszeit bekommt im Vorweihnachtsstress doch auch meistens ein paar Macken ab.

Der Nachhaltige
Der Kranz aus Tannenzweigen ist ein Wegwerfprodukt und landet meist spätestens zu Weihnachten im Restmüll, weil sich kaum jemand die Mühe macht, Grünzeug, Stroh, Kerzen und Draht wieder voneinander zu trennen. Weniger Abfall verursachen wiederverwendbare Kränze, die nur mit neuen Kerzen bestückt werden müssen. Man bekommt sie aus Holz oder Metall. Oder aus Glas, sogar in sattem Tannengrün. Gefertigt wird der puristische Ring in Handarbeit in der Farbglashütte im thüringischen Lauscha, die Farbe ist typisch für sogenanntes Waldglas, wie es schon seit Jahrhunderten in der Region hergestellt wird.

Der Sichere
Den meisten Eltern stellen sich die Nackenhaare auf, wenn die Adventszeit mit den Attributen „still“ und „besinnlich“ versehen wird, denn meistens ist es eine wilde Hatz von Weihnachtsfeier zu Adventsbasar zu Shoppingmall. Da trägt auch sanfter Kerzenschein nicht zur Beruhigung bei, im Gegenteil, die Kombination (Klein-)Kind plus Flamme ist, nun ja, eher brenzlig. Besitzerinnen und Besitzern von frei herumlaufenden oder -flatternden Haustieren geht es ähnlich. Die pragmatischste Lösung sind LED-Kerzen, deren Optik zwar nach wie vor nicht ans Original heranreicht, aber immer ansehnlicher wird. Für Hunde und Katzen lauern Gefahren auch abseits der Flamme: Verschluckte Tannennadeln können zu Verletzungen im Magen-Darm-Trakt führen. Und Stechpalmen-, Eiben- und Mistelzweige sind hochgiftig, übrigens nicht nur für Tiere.