Einmal im Leben

Lavendelfelder in der Provence

Wenn das pflanzliche Erkennungszeichen der Region blüht, dann bezirzt es alle Sinne. Und man kann sich in einen Rausch schauen, riechen, hören, fühlen und auch schmecken.

24. Mai 2024

Die Zikaden bestimmen den sommerlichen Sound in der Provence. Ihr Zirpen ist nahezu überall zu hören. Nur in den Lavendelfeldern nicht. Dort dominieren stattdessen Bienen und Hummeln die Geräuschkulisse: Summend sammeln sie Blüte für Blüte die Pollen und den Nektar ein, zu Tausenden erzeugen sie einen satten Bassklang.

Von Juni bis in den August hinein blüht der Lavendel; oberhalb von 600 Metern der echte, etwa rund um Sault nahe dem Mont Ventoux, dazu in den Ebenen der Lavandin, eine sterile Kreuzung. Mögen die Zikaden einen hier im Süden Frankreichs, entlang der Rhône, auch abschneiden vom Lärm der Leute oder des Verkehrs (nicht selten zu dem Preis, dass dieses Zirpen selbst enervierend wird): Mitten in einem Lavendelfeld stehend, wird man noch einmal auf ganz andere Weise aus der Realität entführt.

Denn der Lavendel packt einen bei allen Sinnen: Da ist das im Wortsinn Offensichtliche, dieses Violett, ein Farbton, der so dominant wie hier nirgends anders vorkommt auf solch hektargroßen Flächen – hat man den perfekten Standort gefunden, sieht man nichts sonst. 

Da ist außerdem der unverwechselbare, intensive und trotzdem nicht aufdringliche Duft – frisch, angenehm herb, in feiner Balance dazu ein leicht süßlicher Hauch. Und eben das Bienenbrummen: vital, gleichzeitig beruhigend. Provenzalische Meditationsmusik.

Die Lavendelblüten anzufassen, sie zwischen den Fingern zu zerreiben, hinterlässt wiederum einen angenehm samtigen Eindruck auf der Haut. Nur die Geschmacksnerven müssen vertröstet werden. Was jedoch sein Gutes hat, weil somit der Rausch verlängert wird bis zum abendlichen Besuch eines Restaurants, das ein Dessert aus Lavendeleis anbietet.

Stefan Fischer

Eine Nacht in Koyasan

Räucherstäbchen, betende Mönche und ein ungewöhnlicher Friedhof: Mehr als hundert Tempel stehen auf dem Berg in Japan, viele nehmen Touristen auf.

Weltentrücktheit ist es wohl, was einem ein Tempelberg verspricht. Und tatsächlich beginnt der Ablösungsprozess bereits, wenn man in die steile Seilbahn steigt, hinauf nach Koyasan. Viele Japaner kommen zur inneren Einkehr und um Verstorbener zu gedenken, auch wenn das Unesco-Welterbe inzwischen viele Touristen anzieht.

Der buddhistische Mönch Kukai hat diesen Ort vor 1200 Jahren für einen ersten Tempel so ausgesucht, dass er besonders abgelegen und unzugänglich sein sollte. Heute stehen mehr als hundert dort, die Hälfte beherbergt Übernachtungsgäste, die pilgern oder zumindest Buddhismus schnuppern wollen. Meist werden die Tempelherbergen von einer Handvoll Mönche am Laufen gehalten.

Einer schlägt jetzt die Glocke zur Abendmeditation: Im schummrigen Licht bei Räucherstäbchenduft driftet man schnell ab, vergisst, wie man hierherkam. Danach darf man essen, was auch die Mönche essen. Jedes der vielen Schälchen ist eine Überraschung, die sich oft auch beim Verzehr nicht erschließt und alle Sinne beschäftigt.

Spätestens beim heißen Bad im Onsen verdampfen die letzten Alltagssorgen. Der nächste Tag startet früh mit Gebeten und endet mit Meditation. Immer wieder, immer wieder. Zumindest für die Mönche. Und für Kukai. Der ist für die Gläubigen nämlich gar nicht gestorben, sondern in ewiger Meditation versunken, in seinem Mausoleum auf dem Friedhof, wo ihm so viele nah sein wollen, dass sich Hunderttausende Gräber angesammelt haben, auch Gedenkstätten von Firmen wie Panasonic, Yakult und Kirin. Angesichts dieser Konzernnamen ist sie dann gar nicht mehr so weit weg, sondern wieder ganz nahe herangerückt, die Welt.

Anja Martin

Im Grand Canyon

Eine Aussicht zum Niederknien. Aber wer von der berühmten Schlucht nur schnell ein Foto macht, verpasst viel.

Grand Canyon

Wie es am Grand Canyon aussieht? Weiß doch jeder, von Fotos, aus Filmen, grandiose Kulisse, ganz klar. Und dann steht man an der Kante dieser Schlucht und hat selten so intensiv erfasst, dass kein Foto die Wirkung dieser Landschaft tatsächlich wiedergeben kann. Als hätte ein Riese seine Finger in das brettebene Hochplateau im Norden des US-Bundesstaats Arizona gebohrt und das Land auseinandergezogen. 450 Kilometer lang, bis zu 1600 Meter tief, ein steinernes Meer in Rot, Beige, Violett, Braun, ganz unten als schmales grünes Band der Colorado River. So viel größer, tiefer, weiter als gedacht.

Am Grand Canyon ist so ziemlich alles möglich, was die touristische Erlebnisindustrie an schnellen Kicks hergibt, Skywalk, Rafting, Helikopterflug, Fallschirmsprung. Muss man zum Glück alles nicht machen. Aber was sein muss, ist eine Wanderung hinein in den Canyon. Spätestens jetzt verliert die Landschaft alles Kulissenartige, ganz real anstrengend windet sich der Pfad an den Kanten, Säulen und Abbrüchen der farbigen Gesteinsschichten vorbei.

Das kann einen ziemlichen Sog entwickeln, einen Rausch der Tiefe der anderen Art. Schafft man es zu Fuß bis zum Fluss? 1500 Höhenmeter sind das, und es hat schon einen guten Grund, dass auf Schildern davor gewarnt wird, an einem Tag hinunter- und wieder hinaufzusteigen. Jedes Jahr kollabieren Menschen, weil die Anstrengung zu viel wurde oder die Hitze auf dem schattenlosen Weg zu groß. Aber damals, an diesem perfekten Tag, sonnig und trotzdem nicht zu warm, der Himmel klar, die Beine jung und fit, da hat man es einfach gemacht. Nie war es so schön, ganz unten zu sein. 

Eva Dignös

Diamond Beach in Island

Im Südosten Islands führen Vulkansand, Gletschereis und Sonne zusammen ein Naturspektakel auf.

Diamond Beach in Island

Wo sind denn jetzt die Eisberge? Am Ufer der Lagune Jökulsárlón, in die Islands größter Gletscher seine Eisberge kalbt, ist alles neblig, grau in grau. Ein paar Eiderenten mit winzigen Küken schwimmen hier, sie scheinen keine Kälte zu kennen. Doch auf einmal bricht etwas Sonnenlicht durch die Wolken und die Szenerie ändert sich komplett.

Himmelblaue Eisberge schwimmen in dem dunkelgrünen Meerwasser, zwischen den teils haushohen Eisbrocken fahren knallrote Kajaks und Schlauchboote herum, besetzt mit Touristen in Überlebens-Overalls. Plötzlich ist alles voll knalliger Farben, als hätte jemand von Schwarz-Weiß auf Bunt umgeschaltet. 

Die Eisberge werden aus der Lagune über einen Fluss ins offene Meer gespült. Wer ihnen zu Fuß am Ufer folgt, gelangt an den Diamond Beach, der seinem Namen alle Ehre macht.

Der lange schwarze Strand ist übersät mit Eisbrocken, die teils so glatt und glasklar aussehen wie Diamanten. Sie entstehen, weil die starke Brandung die großen Eisberge zerkleinert und als Eis-Diamanten zurück auf den Strand spült. Man kann hier herrlich herumspazieren und immer wieder neue Formen erkennen, mal eine Schnecke, dann einen Seehund, dann das Matterhorn.

Es wird nie langweilig, auch weil es amüsant ist zu beobachten, wie die vielen Touristen sich mit den Eisbrocken für ein Foto in Szene setzen und manch einer zu spät merkt, dass ihn eine Welle von hinten erfasst und er nasse Beine bekommt.

Wer aber ein, zwei Kilometer den Strand entlangwandert, ist bald allein und kann sich an den Lichtspielen erfreuen, die Vulkansand, Eisbrocken und Sonne hier miteinander aufführen.

Hans Gasser

Schlafen in der Felswand

Nie ist der Himmel näher, nie sind die Sterne schöner: Bei einer Portaledge-Übernachtung ruht man in einer steilen Felswand. Das fühlt sich an wie Fliegen.

Portaledge-Übernachtung

Der Ort, um den es hier gehen soll, hat keine festen Koordinaten. Er kann in den USA liegen, in Asien oder im Allgäu, denn es ist ein Ort in der Vertikalen: Ein Portaledge (von Port-a-Ledge, Leiste zum Mitnehmen) kann man überall dort aufhängen, wo es eine sehr steile Felswand gibt. Es handelt sich um eine Art hängendes Zelt, bei gutem Wetter reicht auch die an einem Metallrahmen aufgespannte Liegefläche.

Greg Lowe, Gründer der Outdoor-Marke Lowe Alpine, verwendete einen frühen Prototyp namens Lurp 1972, als er mit Robert Kiesel die Nordwestwand des Half Dome im Yosemite-Nationalpark im Winter kletterte. Eine Wand, bei der man sich als Gelegenheitskletterer fragt, wie das überhaupt jemand klettern kann, mit Schneesturm oder ohne, aber beim Klettern sind Talent, Mut und Leidenswille eben sehr unterschiedlich verteilt.

Darum kommt man als Gelegenheitskletterer normalerweise auch nie in den Genuss einer Portaledge-Übernachtung, es sei denn, man hat Hilfe – in diesem Fall war es eine Testübernachtung mit Bergführer am Kofel in Oberammergau, Einstieg gesichert von der Seite statt kletternd von unten, warme Sommernacht statt Schneesturm. Aber dennoch einige Hundert Meter über dem Boden.

Es ist zwar nicht der Half Dome, aber man liegt unschlagbar auf dem Portaledge, gesichert im Klettergurt, gebettet auf eine dünne Schicht Kunststoff und viele Meter Luft. Ja, da ist auch ein bisschen Panik, aber nie ist der Himmel näher, nie sind die Sterne schöner. Und irgendwann schläft man ein und wacht morgens wieder auf – und es fühlt sich an wie Fliegen.

Marlene Weiß

Durch den Shwedagon gehen

Die mit Gold geschmückte uralte Pagode ist Myanmars heiligste buddhistische Stätte – und bis heute ein Ort gelebter Spiritualität.

Shwedagon in Myanmar

Da sitzen sie also und beten. Hunderte sind es schon tagsüber. Und am Abend, sobald die Sonne nicht mehr sticht, füllt sich der „Platz der Wünsche“ weiter. Schließlich hocken die Gläubigen dicht an dicht auf den noch warmen Marmorplatten: Junge, Alte, Paare mit kleinen Kindern. Dahinter leuchtet im Scheinwerferlicht der große, mit Goldplatten bestückte Stupa. Ergreifend kann diese innige Frömmigkeit selbst für diejenigen sein, denen der Buddhismus fremd bleibt.

Kein Ort in Myanmar wird mehr verehrt als der Shwedagon in Yangon. Und an keinen Ort mischten sich, bevor das Militär sich 2021 erneut an die Macht putschte, mehr Touristen unter die Einheimischen als hier. In der demokratischen Hoffnungszeit fühlte sich ein Besuch so an: Man geht zwischen vielen asiatischen und einigen europäischen Mit-Urlaubern die Stufen zur Pagode empor, vorbei an den Lotusblüten-Händlern, zieht, natürlich, die Schuhe aus, tritt durch ein Tor – und ist überwältigt von diesem Wald aus Gold.

Auf den ersten Blick ist es eine Wirrnis, dann erschließt sich das System: Den 99 Meter hohen Stupa, dessen Spitze Diamanten, Rubine, Saphire zieren, umgeben 64 Pagoden. Die Gläubigen umrunden die Pagode, kleben Blattgold auf Statuen.

Der ursprüngliche Schrein, womöglich 2500 Jahre alt, soll acht Haare von Siddharta Gautama, dem Begründer des Buddhismus, beherbergen. Spätere Herrscher bauten weitere Hallen, Schreine, Stupas. Woher all der Prunk kam? Vielleicht durch Handel, wohl eher durch Ausbeutung. Ein armes Volk in einem an Bodenschätzen reichen Land, das findet man hier bis heute.

Monika Maier-Albang

Pinguine in Afrika

An einem Strand außerhalb von Kapstadt kann man schräge Vögel beobachten: Haben die sich verschwommen?

Pinguine in Afrika

Tiere schauen in Afrika – da fallen einem alle möglichen Spezies ein, aber Pinguine? Das wäre ja in etwa so, als würden sich Flamingos in der Antarktis herumtreiben. In einem Nationalpark außerhalb von Kapstadt aber zählen die tapsigen Kerlchen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Am Boulders Beach der Ortschaft Simon’s Town auf der Kap-Halbinsel hat sich eine Kolonie von Brillenpinguinen eingerichtet – weltweit gibt es nur eine Handvoll derartiger Gebiete. Haben die sich verschwommen? Nein, ihre Vorfahren kamen schon vor Hunderttausenden Jahren aus Südamerika nach Afrika.

Etwa zwei- bis dreitausend gartenzwerggroße Frackträger watscheln hier äußerst Insta-tauglich (und olfaktorisch durchaus ebenso beeindruckend) am Strand im Schatten mächtiger Granitbrocken umher, im Hintergrund jenseits der False Bay flirrt dazu die Skyline von Kapstadt mit dem Tafelberg.

Pittoresker geht es kaum – doch vielen reisenden Social-Selbstdarstellern reicht es nicht, die Tiere aus sicherer Entfernung von den Holzstegen aus zu knipsen, die Besucher nicht verlassen dürfen. Sie rücken ihnen für Selfies aufs Gefieder, stellen ihnen nach und streicheln sie. Nicht gut für die weltweit gesehen stark gefährdeten Tiere, die sich am Boulders Beach aber dennoch gut halten. Sie kriegen nicht nur Stress von Menschen, sie machen auch den Menschen Stress: Ihre Geräusche – eine eigenwillige Kakofonie aus Krächzen und Tröten – nerven Anwohner, zumal die Tiere nachtaktiv sind. Auch so gesehen wirken die schrägen Vögel menschlicher als Löwen und Zebras zusammen.

Jochen Temsch

Zur Welle auf Tahiti

Teahupoo ist eine Herausforderung für gute Surfer. Aber die perfekte Welle wird auch noch von Walen, Delfinen und grünen Bergen garniert.

Teahupoo - Tahiti

Was Skifahrern die Streif in Kitzbühel, ist Wellenreitern Teahupoo auf Tahiti: der heiligste Tempel ihres Sports. Selbst Profis der World Tour fürchten die haushohe Röhre aus Wasser und Schaum, diesen Sommer surfen sie hier um olympische Medaillen. Dabei wurde die perfekte Welle erst Mitte der Achtzigerjahre zum ersten Mal gesurft. Denn das Dörfchen, vor dem sie mit unbändiger Kraft bricht, liegt auf der Halbinsel Tahiti Iti, eine lange Fahrt von den Hotels und Malls um die Haupstadt Papeete entfernt. Wo die Straße endet, sieht Tahiti noch so aus, wie man sich das am anderen Ende der Welt gern erträumt: Bungalows unter Palmen und dahinter urwaldgrüne Zuckerhüte mit scharf geschnittenen Graten. Das wäre also die Aussicht, wenn man draußen am Riff die Welle anpaddelt.

Aber wer im Surfkurs mal auf dem Brett stand, sollte jetzt nicht übermütig werden. Eine Anfängerwelle gebe es hier nicht, sagt Max Wasna, der Präsident des Tahiti Iti Surf Clubs. Die sieben Spots entlang der Südküste der Halbinsel sind allesamt Reefbreaks. Wer stürzt, wird im schlimmsten Fall übers Riff geschleift.

Netterweise chauffiert Wasna aber auch Dilettanten mit dem Boot hinaus, damit sie der berühmten Welle zumindest nahekommen. Buckelwale tauchen auf, Speerfischer dümpeln vor dem Riff. Das Meer ist so klar, dass man die Korallen sieht. Manchmal, erzählt Wasna, ritten Delfine die Wellen. Zwei Jünglinge röhren auf ihrem Jetski vorbei, otterhaft gleitet der eine ins Meer. Kurzes Anpaddeln, dann schneidet der Junge scharfe Kurven ins durchscheinende Blau. Man kann ihn nur beneiden, um den wohl schönsten Ort der Welt zum Surfen.

Florian Sanktjohanser

Auf dem Corcovado

Wer nach Rio de Janeiro reist, fährt meist auch auf den Corcovado. Die Aussicht ist einfach bezaubernd.

Corcovado

Egal, ob man mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro reist, mit der Fähre ankommt oder mit dem Auto: Man sieht die Christstatue, lange bevor man die Metropole erreicht hat. Sie ist das Wahrzeichen von Rio de Janeiro — und wohl das bekannteste Postkartenmotiv ganz Brasiliens.

Brasilianerinnen und Brasilianer sprechen oft lieber vom Corcovado. So heißt der Berg, auf dem die Statue seit 1931 steht. Nachts kann man den Hügel kaum erkennen, er verschwindet im Dunkel und man sieht nur die hell leuchtende Christstatue. Dort, auf der Plattform unter der Statue, versammeln sich täglich mehr als fünftausend Touristen. Manche von ihnen klettern oder wandern hoch, die Mehrheit nimmt die rote Zahnradbahn. Die stammt aus dem brasilianischen Kaiserreich, ist älter als die Christusstatue und eine Attraktion für sich.

In der Bahn sollte man sich nach rechts setzen: Die vier Kilometer lange Strecke führt durch Wald, dann aber macht der Zug eine Linkskurve und die Bäume lichten sich. Wer rechts aus dem Fenster blickt, sieht den Strand von Ipanema und das weite Meer dahinter. Manche sagen, dass man die Schönheit der Aussicht hier sogar hören kann: Dieser kleine Abschnitt wird wegen der typischen Reaktion der Fahrgäste auch die „curva do ó“ genannt — die Kurve des Ohhhh.

Oben angekommen, sieht man die Wälder, die die Stadt umgeben, und das Fußballstadion, man sieht Strände und den Zuckerhut. Dort sollte man übrigens hinfahren, um den besten Blick auf den Corcovado zu haben: Wer am späten Nachmittag in der Gegend um den Zuckerhut ist, kann der Sonne dabei zusehen, wie sie hinter der Statue verschwindet. 

Simon Sales Prado

Waikiki Beach

Der Traumblick zum Traumstrand war früher gar nicht beliebt. Warum wohl?

Waikiki Beach

Traumstrände sind lang und einsam, bieten mehlweißen Strand und wilde Palmen. Waikiki Beach in Honolulu auf der hawaiianischen Hauptinsel Oahu hat nichts davon. Waikiki ist kein Traumstrand, es ist nur einer der berühmtesten Strände der Welt. GIs, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Pazifikinseln erholten, Surfer, Elvis Presley und der spießige Zeitgeist der Fünfzigerjahre, in denen halb nackte Hula-Tänzerinnen, Cocktailbars in Treibholzoptik und phallischer Tiki-Dekor als das ungefähr Wildeste galten, was man sich vorstellen konnte, trugen zum Mythos Hawaii bei. The Kinks rockten schon 1966 in ihrem Song „Holiday in Waikiki“ vom Touristennepp.

Ursprünglich war Waikiki der Königsfamilie vorbehalten, die dort Wellenreiten ging. Die ersten Hotels wurden Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, bevor die Amerikaner den letzten König wegputschten und sich den bis dahin unabhängigen Inselstaat Hawaii einverleibten. Die besten Zimmer hatten nicht etwa Blick auf den Pazifik, sondern in die exotisch blühenden Gärten – die Anreise mit dem Schiff war so lang und beschwerlich, dass die Gäste kein Meer mehr sehen konnten.

Heute stehen die kostspieligen Hotelhochhäuser, Bars und Restaurants direkt im Sand. Zum Surfen eignet sich das badewannenwarme türkisfarbene Wasser mit dem kleinen, aber langen Wellenbruch besonders gut für Anfänger, die hier Kurse buchen können. Macht Spaß. Aber das echte Hawaii-Gefühl erlebt man auf dem Archipel anderswo.

Jochen Temsch

Mit dem Kajak durch Venedig

Vom Wasser aus hat man nicht nur einen spektakulären Blick auf die Stadt. Man wird selbst zur Attraktion.

Mit dem Kajak durch Venedig

Der aufregendste Moment ist sicher der, in dem man aus einer jener schmalen Wasserstraßen, die Venedig prägen, quasi ins Freie entlassen wird: in den Canal Grande. Motorboote von links, Vaporetti von rechts, dazwischen kreuzende Gondeln. Und mitten im Gewusel wir, Touristen im Kajak. Der Guide treibt seine Gruppe zusammen, und auf sein Kommando hin paddeln alle los. Blick stur auf den Palazzo gegenüber gerichtet, volle Kraft voraus – alle kommen heil, aber mit Herzklopfen, auf der anderen Seite an.

Wer mit dem Kajak durch Venedig paddelt, ist zweierlei: ein Fremdkörper im eingespielten Miteinander der Wasserbenutzer, die einen das auch spüren lassen. Einige Gondolieri kommen unseren schmalen, leichten Plastikgefährten mit ihren flachen, schweren Holzbooten beängstigend nah. Unser Lächeln findet keinen Widerhall, vermutlich spüren sie, dass es mehr hilfloser Beschwichtigungsversuch ist, als wirklich freundlich gemeint.

Zum anderen ist man selbst Touristenattraktion. Auf jeder Brücke stehen Menschen, die die Gruppe fotografieren. Was nett ist, wenn man geschmeidig durch einen geraden Kanal paddelt. Und peinlich wird, sobald man um ein Hauseck zu lenken versucht. Wir haben, da wir später noch in die Lagune hinausfahren werden, meerestaugliche Kajaks – zu lang für jede elegante Kurvenfahrt, zumindest für Ungeübte.

Aber was soll’s. Wir sind glücklich nah ans Wasser gesetzt, das erstaunlich sauber ist. Kleine Krebse klettern die Hauswände empor, man sieht Fische vorbeihuschen und übersteht später, bei der Fahrt durch die Lagune, sogar einen aufziehenden Sturm. Und in der Nacht danach durchlebt man noch mal den Tag: Alles schwankt.

Monika Maier-Albang

Wandern im Wadi Rum

Hohe Felsberge, roter Sand und Frühlingsblumen: Eine Wanderung in Jordaniens schönster Wüste ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Wadi Rum in Jordanien

In die Wüste gehen. Das klingt nach Entbehrung, ist aber ein Erlebnis, wenn man es richtig macht. Entweder zu Fuß oder auf dem Rücken eines Kamels. In den späten Nachmittagsstunden, wenn die sinkende Sonne den Sand und die monumentalen Felsen des Wadi Rum in Jordanien rot, gelb und braun einfärbt, ist der beste Zeitpunkt dafür. Jetzt im Frühling sprießen kleine rosa Blümchen aus dem Sand, weswegen das schaukelnde Verkehrsmittel namens Kamel immer wieder stehen bleibt, den langen Hals nach unten beugt und daran nascht. So hat man genug Zeit, diese weite, unglaublich fotogene Landschaft aus Sand und bis zu 1700 Meter hohen Felsbergen aufzusaugen.

Es hat etwas Meditatives, ja sogar Biblisches, sich mit 4 km/h einem Zeltcamp zu nähern, das irgendwo hinter einem Felsen steht und das Lager für die Nacht sein wird.

Natürlich ist das hier alles für Touristen gemacht, vom Miet-Kameltreiber bis zu den vielen Zeltlagern. Und dennoch hat man in manchen Momenten das Gefühl, allein mit der gewaltigen Natur zu sein, der es so etwas von egal wäre, wenn man hier verdursten würde. In der Ferne ziehen Pick-ups und ein Wasser-Tanklaster Staubfahnen hinter sich her, aber die Kamelwanderer sind auf einmal von einer riesigen Schafherde umgeben, die im schönsten Abendlicht das Frühlingsgrün aus dem Sand rupft.

Und wenn man kurz vor Sonnenuntergang im Zeltlager ankommt, führt der erste Weg auf einen sonnenwarmen Felsen, in der Hand ein mitgebrachtes jordanisches Bier ohne Alkohol. Langsam schwinden die Farben aus der Wüste, erste Sterne sind zu sehen und aus dem Lager weht ein Duft von gebratenem Fleisch herüber. Entbehrung sieht anders aus.

Hans Gasser

Auf dem Mekong

Wer mit dem Schiff den Fluss in Laos bereist, fährt durch eine weitgehend unberührte Natur. Doch die wird bald der Vergangenheit angehören.

Auf dem Mekong

Gebratene Algen mit Tilapia-Filet, beides aus dem Fluss. Die Algen gepresst zu einer hauchdünnen Platte, mit kleinen Knoblauchstückchen darin, etwas Sesam und Chili obendrauf – auf der Mekong Pearl bekommt man das auf den Teller. Schmeckt wunderbar.

Wir sind unterwegs auf dem Mekong in Laos. Flussabwärts im Delta in Vietnam ist der Schiffsverkehr dicht. Hier aber, am Oberlauf des Flusses, kann man in sauberem Wasser schwimmen. Die Passagierboote aus Teakholz machen abends an menschenleeren Stellen halt. Tagsüber sieht man Wasserbüffel am Ufer liegen. Der Sand ist so weiß wie in der Karibik. Sandbänke wechseln mit steilen Felsabschnitten, dazwischen Teak- und Gummibäume. Ab und an ist ein Waschband zum Goldfördern zu sehen. Fischerbooten begegnet man nur wenigen. Selten stören Schnellboote die idyllische Ruhe.

Zehn Tage braucht die Mekong Pearl für die etwa 600 Kilometer von der laotischen Hauptstadt Vientiane im Süden flussaufwärts über Luang Prabang bis zum Goldenen Dreieck, in das Grenzgebiet von Laos, Thailand und Myanmar. Es ist eine Schiffsreise durch noch weitgehend unberührte Natur. Die allerdings wird angesichts der Staudamm-Projekte, die China und Laos verfolgen, bald der Vergangenheit angehören.

Das Land wandelt sich rasant. Seit 2021 verbindet ein Schnellzug China mit dem ehemaligen Königreich Laos. Noch bringt der Fluss die Besucher zu entlegenen Dörfern, zu denen nicht einmal eine Straße führt. Vor den Häusern sieht man kleine, bunte Holzhäuschen. Sie sollen böse Geister vertreiben. Die vielen Touristen, die man bald auch im Landesinneren antreffen wird, werden sie wohl nicht aufhalten.

Lars Reichardt

Die Schönheit des Taj Mahal genießen

Das opulente Grabmal für die Lieblingsfrau eines Moguls verliert auch durch 40 000 Besucher täglich nichts von seiner Faszination.

Taj Mahal

Es gibt Sehenswürdigkeiten, die lassen sich nicht durch Overtourism zerstören. Das Taj Mahal ist einer dieser Orte, er liegt etwa 180 Kilometer von Delhi entfernt. Ein Tagesausflug dahin dauert also wirklich einen ganzen Tag, bei den Verkehrsverhältnissen in Indien. Man sollte zwei Übernachtungen einplanen. Vor dem Taj Mahal werden Busladungen entleert, umweltfreundliche Elektro-Zubringer fahren die täglich etwa 40 000 Besucher durch den üppig verzierten Empfangsbereich.

Es folgt eine Art Hütchenlauf vorbei an Selfie-Sticks und Instagram-Paaren. Frisch Verheiratete lassen sich gerne vor der Kulisse des Taj Mahals fotografieren, es ist schließlich nicht nur Unesco-Welterbe, sondern auch ein Monument der Liebe. Der Großmogul Shah Jahan ließ die Grabstätte um 1630 für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal bauen. Tonnenweise wurde Marmor auf Elefanten herbeigeschafft. Jahan fand später neben Mumtaz seine letzte Ruhe.

Dann geht es durch den Park, durch den helle Eichhörnchen jagen, und zum eigentlichen Gebäude hoch, das man nur mit Überschuhen betreten darf.

Der weiße Marmor, der die Schönheit des Ortes ausmacht, soll nicht abgetragen werden. In der Grabstätte umhüllt einen dann eine wohltuende Stille. So wie sich das gehört an so einem Ort. Das Licht ist gedämpft und durch die alten, kalten Steine meint man tatsächlich so etwas wie unendliche Liebe zu spüren. Allerdings ist der Ort selbst leider bedroht. Nicht die vielen Besucher, sondern Umweltschäden setzen dem Taj Mahal seit Jahren zu. Ein Grund mehr, bald hinzufahren.

David Pfeifer

Einmal im Leben

Lavendelfelder in der Provence

Wenn das pflanzliche Erkennungszeichen der Region blüht, dann bezirzt es alle Sinne. Und man kann sich in einen Rausch schauen, riechen, hören, fühlen und auch schmecken.

Die Zikaden bestimmen den sommerlichen Sound in der Provence. Ihr Zirpen ist nahezu überall zu hören. Nur in den Lavendelfeldern nicht. Dort dominieren stattdessen Bienen und Hummeln die Geräuschkulisse: Summend sammeln sie Blüte für Blüte die Pollen und den Nektar ein, zu Tausenden erzeugen sie einen satten Bassklang.

Von Juni bis in den August hinein blüht der Lavendel; oberhalb von 600 Metern der echte, etwa rund um Sault nahe dem Mont Ventoux, dazu in den Ebenen der Lavandin, eine sterile Kreuzung. Mögen die Zikaden einen hier im Süden Frankreichs, entlang der Rhône, auch abschneiden vom Lärm der Leute oder des Verkehrs (nicht selten zu dem Preis, dass dieses Zirpen selbst enervierend wird): Mitten in einem Lavendelfeld stehend, wird man noch einmal auf ganz andere Weise aus der Realität entführt.

Denn der Lavendel packt einen bei allen Sinnen: Da ist das im Wortsinn Offensichtliche, dieses Violett, ein Farbton, der so dominant wie hier nirgends anders vorkommt auf solch hektargroßen Flächen – hat man den perfekten Standort gefunden, sieht man nichts sonst. 

Da ist außerdem der unverwechselbare, intensive und trotzdem nicht aufdringliche Duft – frisch, angenehm herb, in feiner Balance dazu ein leicht süßlicher Hauch. Und eben das Bienenbrummen: vital, gleichzeitig beruhigend. Provenzalische Meditationsmusik.

Die Lavendelblüten anzufassen, sie zwischen den Fingern zu zerreiben, hinterlässt wiederum einen angenehm samtigen Eindruck auf der Haut. Nur die Geschmacksnerven müssen vertröstet werden. Was jedoch sein Gutes hat, weil somit der Rausch verlängert wird bis zum abendlichen Besuch eines Restaurants, das ein Dessert aus Lavendeleis anbietet.

Stefan Fischer

Eine Nacht in Koyasan

Räucherstäbchen, betende Mönche und ein ungewöhnlicher Friedhof: Mehr als hundert Tempel stehen auf dem Berg in Japan, viele nehmen Touristen auf.

Weltentrücktheit ist es wohl, was einem ein Tempelberg verspricht. Und tatsächlich beginnt der Ablösungsprozess bereits, wenn man in die steile Seilbahn steigt, hinauf nach Koyasan. Viele Japaner kommen zur inneren Einkehr und um Verstorbener zu gedenken, auch wenn das Unesco-Welterbe inzwischen viele Touristen anzieht.

Der buddhistische Mönch Kukai hat diesen Ort vor 1200 Jahren für einen ersten Tempel so ausgesucht, dass er besonders abgelegen und unzugänglich sein sollte. Heute stehen mehr als hundert dort, die Hälfte beherbergt Übernachtungsgäste, die pilgern oder zumindest Buddhismus schnuppern wollen. Meist werden die Tempelherbergen von einer Handvoll Mönche am Laufen gehalten.

Einer schlägt jetzt die Glocke zur Abendmeditation: Im schummrigen Licht bei Räucherstäbchenduft driftet man schnell ab, vergisst, wie man hierherkam. Danach darf man essen, was auch die Mönche essen. Jedes der vielen Schälchen ist eine Überraschung, die sich oft auch beim Verzehr nicht erschließt und alle Sinne beschäftigt.

Spätestens beim heißen Bad im Onsen verdampfen die letzten Alltagssorgen. Der nächste Tag startet früh mit Gebeten und endet mit Meditation. Immer wieder, immer wieder. Zumindest für die Mönche. Und für Kukai. Der ist für die Gläubigen nämlich gar nicht gestorben, sondern in ewiger Meditation versunken, in seinem Mausoleum auf dem Friedhof, wo ihm so viele nah sein wollen, dass sich Hunderttausende Gräber angesammelt haben, auch Gedenkstätten von Firmen wie Panasonic, Yakult und Kirin. Angesichts dieser Konzernnamen ist sie dann gar nicht mehr so weit weg, sondern wieder ganz nahe herangerückt, die Welt.

Anja Martin

Im Grand Canyon

Eine Aussicht zum Niederknien. Aber wer von der berühmten Schlucht nur schnell ein Foto macht, verpasst viel.

Grand Canyon

Wie es am Grand Canyon aussieht? Weiß doch jeder, von Fotos, aus Filmen, grandiose Kulisse, ganz klar. Und dann steht man an der Kante dieser Schlucht und hat selten so intensiv erfasst, dass kein Foto die Wirkung dieser Landschaft tatsächlich wiedergeben kann. Als hätte ein Riese seine Finger in das brettebene Hochplateau im Norden des US-Bundesstaats Arizona gebohrt und das Land auseinandergezogen. 450 Kilometer lang, bis zu 1600 Meter tief, ein steinernes Meer in Rot, Beige, Violett, Braun, ganz unten als schmales grünes Band der Colorado River. So viel größer, tiefer, weiter als gedacht.

Am Grand Canyon ist so ziemlich alles möglich, was die touristische Erlebnisindustrie an schnellen Kicks hergibt, Skywalk, Rafting, Helikopterflug, Fallschirmsprung. Muss man zum Glück alles nicht machen. Aber was sein muss, ist eine Wanderung hinein in den Canyon. Spätestens jetzt verliert die Landschaft alles Kulissenartige, ganz real anstrengend windet sich der Pfad an den Kanten, Säulen und Abbrüchen der farbigen Gesteinsschichten vorbei.

Das kann einen ziemlichen Sog entwickeln, einen Rausch der Tiefe der anderen Art. Schafft man es zu Fuß bis zum Fluss? 1500 Höhenmeter sind das, und es hat schon einen guten Grund, dass auf Schildern davor gewarnt wird, an einem Tag hinunter- und wieder hinaufzusteigen. Jedes Jahr kollabieren Menschen, weil die Anstrengung zu viel wurde oder die Hitze auf dem schattenlosen Weg zu groß. Aber damals, an diesem perfekten Tag, sonnig und trotzdem nicht zu warm, der Himmel klar, die Beine jung und fit, da hat man es einfach gemacht. Nie war es so schön, ganz unten zu sein. 

Eva Dignös

Diamond Beach in Island

Im Südosten Islands führen Vulkansand, Gletschereis und Sonne zusammen ein Naturspektakel auf.

Diamond Beach in Island

Wo sind denn jetzt die Eisberge? Am Ufer der Lagune Jökulsárlón, in die Islands größter Gletscher seine Eisberge kalbt, ist alles neblig, grau in grau. Ein paar Eiderenten mit winzigen Küken schwimmen hier, sie scheinen keine Kälte zu kennen. Doch auf einmal bricht etwas Sonnenlicht durch die Wolken und die Szenerie ändert sich komplett.

Himmelblaue Eisberge schwimmen in dem dunkelgrünen Meerwasser, zwischen den teils haushohen Eisbrocken fahren knallrote Kajaks und Schlauchboote herum, besetzt mit Touristen in Überlebens-Overalls. Plötzlich ist alles voll knalliger Farben, als hätte jemand von Schwarz-Weiß auf Bunt umgeschaltet. 

Die Eisberge werden aus der Lagune über einen Fluss ins offene Meer gespült. Wer ihnen zu Fuß am Ufer folgt, gelangt an den Diamond Beach, der seinem Namen alle Ehre macht.

Der lange schwarze Strand ist übersät mit Eisbrocken, die teils so glatt und glasklar aussehen wie Diamanten. Sie entstehen, weil die starke Brandung die großen Eisberge zerkleinert und als Eis-Diamanten zurück auf den Strand spült. Man kann hier herrlich herumspazieren und immer wieder neue Formen erkennen, mal eine Schnecke, dann einen Seehund, dann das Matterhorn.

Es wird nie langweilig, auch weil es amüsant ist zu beobachten, wie die vielen Touristen sich mit den Eisbrocken für ein Foto in Szene setzen und manch einer zu spät merkt, dass ihn eine Welle von hinten erfasst und er nasse Beine bekommt.

Wer aber ein, zwei Kilometer den Strand entlangwandert, ist bald allein und kann sich an den Lichtspielen erfreuen, die Vulkansand, Eisbrocken und Sonne hier miteinander aufführen.

Hans Gasser

Schlafen in der Felswand

Nie ist der Himmel näher, nie sind die Sterne schöner: Bei einer Portaledge-Übernachtung ruht man in einer steilen Felswand. Das fühlt sich an wie Fliegen.

Portaledge-Übernachtung

Der Ort, um den es hier gehen soll, hat keine festen Koordinaten. Er kann in den USA liegen, in Asien oder im Allgäu, denn es ist ein Ort in der Vertikalen: Ein Portaledge (von Port-a-Ledge, Leiste zum Mitnehmen) kann man überall dort aufhängen, wo es eine sehr steile Felswand gibt. Es handelt sich um eine Art hängendes Zelt, bei gutem Wetter reicht auch die an einem Metallrahmen aufgespannte Liegefläche.

Greg Lowe, Gründer der Outdoor-Marke Lowe Alpine, verwendete einen frühen Prototyp namens Lurp 1972, als er mit Robert Kiesel die Nordwestwand des Half Dome im Yosemite-Nationalpark im Winter kletterte. Eine Wand, bei der man sich als Gelegenheitskletterer fragt, wie das überhaupt jemand klettern kann, mit Schneesturm oder ohne, aber beim Klettern sind Talent, Mut und Leidenswille eben sehr unterschiedlich verteilt.

Darum kommt man als Gelegenheitskletterer normalerweise auch nie in den Genuss einer Portaledge-Übernachtung, es sei denn, man hat Hilfe – in diesem Fall war es eine Testübernachtung mit Bergführer am Kofel in Oberammergau, Einstieg gesichert von der Seite statt kletternd von unten, warme Sommernacht statt Schneesturm. Aber dennoch einige Hundert Meter über dem Boden.

Es ist zwar nicht der Half Dome, aber man liegt unschlagbar auf dem Portaledge, gesichert im Klettergurt, gebettet auf eine dünne Schicht Kunststoff und viele Meter Luft. Ja, da ist auch ein bisschen Panik, aber nie ist der Himmel näher, nie sind die Sterne schöner. Und irgendwann schläft man ein und wacht morgens wieder auf – und es fühlt sich an wie Fliegen.

Marlene Weiß

Durch den Shwedagon gehen

Die mit Gold geschmückte uralte Pagode ist Myanmars heiligste buddhistische Stätte – und bis heute ein Ort gelebter Spiritualität.

Shwedagon in Myanmar

Da sitzen sie also und beten. Hunderte sind es schon tagsüber. Und am Abend, sobald die Sonne nicht mehr sticht, füllt sich der „Platz der Wünsche“ weiter. Schließlich hocken die Gläubigen dicht an dicht auf den noch warmen Marmorplatten: Junge, Alte, Paare mit kleinen Kindern. Dahinter leuchtet im Scheinwerferlicht der große, mit Goldplatten bestückte Stupa. Ergreifend kann diese innige Frömmigkeit selbst für diejenigen sein, denen der Buddhismus fremd bleibt.

Kein Ort in Myanmar wird mehr verehrt als der Shwedagon in Yangon. Und an keinen Ort mischten sich, bevor das Militär sich 2021 erneut an die Macht putschte, mehr Touristen unter die Einheimischen als hier. In der demokratischen Hoffnungszeit fühlte sich ein Besuch so an: Man geht zwischen vielen asiatischen und einigen europäischen Mit-Urlaubern die Stufen zur Pagode empor, vorbei an den Lotusblüten-Händlern, zieht, natürlich, die Schuhe aus, tritt durch ein Tor – und ist überwältigt von diesem Wald aus Gold.

Auf den ersten Blick ist es eine Wirrnis, dann erschließt sich das System: Den 99 Meter hohen Stupa, dessen Spitze Diamanten, Rubine, Saphire zieren, umgeben 64 Pagoden. Die Gläubigen umrunden die Pagode, kleben Blattgold auf Statuen.

Der ursprüngliche Schrein, womöglich 2500 Jahre alt, soll acht Haare von Siddharta Gautama, dem Begründer des Buddhismus, beherbergen. Spätere Herrscher bauten weitere Hallen, Schreine, Stupas. Woher all der Prunk kam? Vielleicht durch Handel, wohl eher durch Ausbeutung. Ein armes Volk in einem an Bodenschätzen reichen Land, das findet man hier bis heute.

Monika Maier-Albang

Pinguine in Afrika

An einem Strand außerhalb von Kapstadt kann man schräge Vögel beobachten: Haben die sich verschwommen?

Pinguine in Afrika

Tiere schauen in Afrika – da fallen einem alle möglichen Spezies ein, aber Pinguine? Das wäre ja in etwa so, als würden sich Flamingos in der Antarktis herumtreiben. In einem Nationalpark außerhalb von Kapstadt aber zählen die tapsigen Kerlchen zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Am Boulders Beach der Ortschaft Simon’s Town auf der Kap-Halbinsel hat sich eine Kolonie von Brillenpinguinen eingerichtet – weltweit gibt es nur eine Handvoll derartiger Gebiete. Haben die sich verschwommen? Nein, ihre Vorfahren kamen schon vor Hunderttausenden Jahren aus Südamerika nach Afrika.

Etwa zwei- bis dreitausend gartenzwerggroße Frackträger watscheln hier äußerst Insta-tauglich (und olfaktorisch durchaus ebenso beeindruckend) am Strand im Schatten mächtiger Granitbrocken umher, im Hintergrund jenseits der False Bay flirrt dazu die Skyline von Kapstadt mit dem Tafelberg.

Pittoresker geht es kaum – doch vielen reisenden Social-Selbstdarstellern reicht es nicht, die Tiere aus sicherer Entfernung von den Holzstegen aus zu knipsen, die Besucher nicht verlassen dürfen. Sie rücken ihnen für Selfies aufs Gefieder, stellen ihnen nach und streicheln sie. Nicht gut für die weltweit gesehen stark gefährdeten Tiere, die sich am Boulders Beach aber dennoch gut halten. Sie kriegen nicht nur Stress von Menschen, sie machen auch den Menschen Stress: Ihre Geräusche – eine eigenwillige Kakofonie aus Krächzen und Tröten – nerven Anwohner, zumal die Tiere nachtaktiv sind. Auch so gesehen wirken die schrägen Vögel menschlicher als Löwen und Zebras zusammen.

Jochen Temsch

Zur Welle auf Tahiti

Teahupoo ist eine Herausforderung für gute Surfer. Aber die perfekte Welle wird auch noch von Walen, Delfinen und grünen Bergen garniert.

Teahupoo - Tahiti

Was Skifahrern die Streif in Kitzbühel, ist Wellenreitern Teahupoo auf Tahiti: der heiligste Tempel ihres Sports. Selbst Profis der World Tour fürchten die haushohe Röhre aus Wasser und Schaum, diesen Sommer surfen sie hier um olympische Medaillen. Dabei wurde die perfekte Welle erst Mitte der Achtzigerjahre zum ersten Mal gesurft. Denn das Dörfchen, vor dem sie mit unbändiger Kraft bricht, liegt auf der Halbinsel Tahiti Iti, eine lange Fahrt von den Hotels und Malls um die Haupstadt Papeete entfernt. Wo die Straße endet, sieht Tahiti noch so aus, wie man sich das am anderen Ende der Welt gern erträumt: Bungalows unter Palmen und dahinter urwaldgrüne Zuckerhüte mit scharf geschnittenen Graten. Das wäre also die Aussicht, wenn man draußen am Riff die Welle anpaddelt.

Aber wer im Surfkurs mal auf dem Brett stand, sollte jetzt nicht übermütig werden. Eine Anfängerwelle gebe es hier nicht, sagt Max Wasna, der Präsident des Tahiti Iti Surf Clubs. Die sieben Spots entlang der Südküste der Halbinsel sind allesamt Reefbreaks. Wer stürzt, wird im schlimmsten Fall übers Riff geschleift.

Netterweise chauffiert Wasna aber auch Dilettanten mit dem Boot hinaus, damit sie der berühmten Welle zumindest nahekommen. Buckelwale tauchen auf, Speerfischer dümpeln vor dem Riff. Das Meer ist so klar, dass man die Korallen sieht. Manchmal, erzählt Wasna, ritten Delfine die Wellen. Zwei Jünglinge röhren auf ihrem Jetski vorbei, otterhaft gleitet der eine ins Meer. Kurzes Anpaddeln, dann schneidet der Junge scharfe Kurven ins durchscheinende Blau. Man kann ihn nur beneiden, um den wohl schönsten Ort der Welt zum Surfen.

Florian Sanktjohanser

Auf dem Corcovado

Wer nach Rio de Janeiro reist, fährt meist auch auf den Corcovado. Die Aussicht ist einfach bezaubernd.

Corcovado

Egal, ob man mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro reist, mit der Fähre ankommt oder mit dem Auto: Man sieht die Christstatue, lange bevor man die Metropole erreicht hat. Sie ist das Wahrzeichen von Rio de Janeiro — und wohl das bekannteste Postkartenmotiv ganz Brasiliens.

Brasilianerinnen und Brasilianer sprechen oft lieber vom Corcovado. So heißt der Berg, auf dem die Statue seit 1931 steht. Nachts kann man den Hügel kaum erkennen, er verschwindet im Dunkel und man sieht nur die hell leuchtende Christstatue. Dort, auf der Plattform unter der Statue, versammeln sich täglich mehr als fünftausend Touristen. Manche von ihnen klettern oder wandern hoch, die Mehrheit nimmt die rote Zahnradbahn. Die stammt aus dem brasilianischen Kaiserreich, ist älter als die Christusstatue und eine Attraktion für sich.

In der Bahn sollte man sich nach rechts setzen: Die vier Kilometer lange Strecke führt durch Wald, dann aber macht der Zug eine Linkskurve und die Bäume lichten sich. Wer rechts aus dem Fenster blickt, sieht den Strand von Ipanema und das weite Meer dahinter. Manche sagen, dass man die Schönheit der Aussicht hier sogar hören kann: Dieser kleine Abschnitt wird wegen der typischen Reaktion der Fahrgäste auch die „curva do ó“ genannt — die Kurve des Ohhhh.

Oben angekommen, sieht man die Wälder, die die Stadt umgeben, und das Fußballstadion, man sieht Strände und den Zuckerhut. Dort sollte man übrigens hinfahren, um den besten Blick auf den Corcovado zu haben: Wer am späten Nachmittag in der Gegend um den Zuckerhut ist, kann der Sonne dabei zusehen, wie sie hinter der Statue verschwindet. 

Simon Sales Prado

Waikiki Beach

Der Traumblick zum Traumstrand war früher gar nicht beliebt. Warum wohl?

Waikiki Beach

Traumstrände sind lang und einsam, bieten mehlweißen Strand und wilde Palmen. Waikiki Beach in Honolulu auf der hawaiianischen Hauptinsel Oahu hat nichts davon. Waikiki ist kein Traumstrand, es ist nur einer der berühmtesten Strände der Welt. GIs, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Pazifikinseln erholten, Surfer, Elvis Presley und der spießige Zeitgeist der Fünfzigerjahre, in denen halb nackte Hula-Tänzerinnen, Cocktailbars in Treibholzoptik und phallischer Tiki-Dekor als das ungefähr Wildeste galten, was man sich vorstellen konnte, trugen zum Mythos Hawaii bei. The Kinks rockten schon 1966 in ihrem Song „Holiday in Waikiki“ vom Touristennepp.

Ursprünglich war Waikiki der Königsfamilie vorbehalten, die dort Wellenreiten ging. Die ersten Hotels wurden Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, bevor die Amerikaner den letzten König wegputschten und sich den bis dahin unabhängigen Inselstaat Hawaii einverleibten. Die besten Zimmer hatten nicht etwa Blick auf den Pazifik, sondern in die exotisch blühenden Gärten – die Anreise mit dem Schiff war so lang und beschwerlich, dass die Gäste kein Meer mehr sehen konnten.

Heute stehen die kostspieligen Hotelhochhäuser, Bars und Restaurants direkt im Sand. Zum Surfen eignet sich das badewannenwarme türkisfarbene Wasser mit dem kleinen, aber langen Wellenbruch besonders gut für Anfänger, die hier Kurse buchen können. Macht Spaß. Aber das echte Hawaii-Gefühl erlebt man auf dem Archipel anderswo.

Jochen Temsch

Mit dem Kajak durch Venedig

Vom Wasser aus hat man nicht nur einen spektakulären Blick auf die Stadt. Man wird selbst zur Attraktion.

Mit dem Kajak durch Venedig

Der aufregendste Moment ist sicher der, in dem man aus einer jener schmalen Wasserstraßen, die Venedig prägen, quasi ins Freie entlassen wird: in den Canal Grande. Motorboote von links, Vaporetti von rechts, dazwischen kreuzende Gondeln. Und mitten im Gewusel wir, Touristen im Kajak. Der Guide treibt seine Gruppe zusammen, und auf sein Kommando hin paddeln alle los. Blick stur auf den Palazzo gegenüber gerichtet, volle Kraft voraus – alle kommen heil, aber mit Herzklopfen, auf der anderen Seite an.

Wer mit dem Kajak durch Venedig paddelt, ist zweierlei: ein Fremdkörper im eingespielten Miteinander der Wasserbenutzer, die einen das auch spüren lassen. Einige Gondolieri kommen unseren schmalen, leichten Plastikgefährten mit ihren flachen, schweren Holzbooten beängstigend nah. Unser Lächeln findet keinen Widerhall, vermutlich spüren sie, dass es mehr hilfloser Beschwichtigungsversuch ist, als wirklich freundlich gemeint.

Zum anderen ist man selbst Touristenattraktion. Auf jeder Brücke stehen Menschen, die die Gruppe fotografieren. Was nett ist, wenn man geschmeidig durch einen geraden Kanal paddelt. Und peinlich wird, sobald man um ein Hauseck zu lenken versucht. Wir haben, da wir später noch in die Lagune hinausfahren werden, meerestaugliche Kajaks – zu lang für jede elegante Kurvenfahrt, zumindest für Ungeübte.

Aber was soll’s. Wir sind glücklich nah ans Wasser gesetzt, das erstaunlich sauber ist. Kleine Krebse klettern die Hauswände empor, man sieht Fische vorbeihuschen und übersteht später, bei der Fahrt durch die Lagune, sogar einen aufziehenden Sturm. Und in der Nacht danach durchlebt man noch mal den Tag: Alles schwankt.

Monika Maier-Albang

Wandern im Wadi Rum

Hohe Felsberge, roter Sand und Frühlingsblumen: Eine Wanderung in Jordaniens schönster Wüste ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Wadi Rum in Jordanien

In die Wüste gehen. Das klingt nach Entbehrung, ist aber ein Erlebnis, wenn man es richtig macht. Entweder zu Fuß oder auf dem Rücken eines Kamels. In den späten Nachmittagsstunden, wenn die sinkende Sonne den Sand und die monumentalen Felsen des Wadi Rum in Jordanien rot, gelb und braun einfärbt, ist der beste Zeitpunkt dafür. Jetzt im Frühling sprießen kleine rosa Blümchen aus dem Sand, weswegen das schaukelnde Verkehrsmittel namens Kamel immer wieder stehen bleibt, den langen Hals nach unten beugt und daran nascht. So hat man genug Zeit, diese weite, unglaublich fotogene Landschaft aus Sand und bis zu 1700 Meter hohen Felsbergen aufzusaugen.

Es hat etwas Meditatives, ja sogar Biblisches, sich mit 4 km/h einem Zeltcamp zu nähern, das irgendwo hinter einem Felsen steht und das Lager für die Nacht sein wird.

Natürlich ist das hier alles für Touristen gemacht, vom Miet-Kameltreiber bis zu den vielen Zeltlagern. Und dennoch hat man in manchen Momenten das Gefühl, allein mit der gewaltigen Natur zu sein, der es so etwas von egal wäre, wenn man hier verdursten würde. In der Ferne ziehen Pick-ups und ein Wasser-Tanklaster Staubfahnen hinter sich her, aber die Kamelwanderer sind auf einmal von einer riesigen Schafherde umgeben, die im schönsten Abendlicht das Frühlingsgrün aus dem Sand rupft.

Und wenn man kurz vor Sonnenuntergang im Zeltlager ankommt, führt der erste Weg auf einen sonnenwarmen Felsen, in der Hand ein mitgebrachtes jordanisches Bier ohne Alkohol. Langsam schwinden die Farben aus der Wüste, erste Sterne sind zu sehen und aus dem Lager weht ein Duft von gebratenem Fleisch herüber. Entbehrung sieht anders aus.

Hans Gasser

Auf dem Mekong

Wer mit dem Schiff den Fluss in Laos bereist, fährt durch eine weitgehend unberührte Natur. Doch die wird bald der Vergangenheit angehören.

Auf dem Mekong

Gebratene Algen mit Tilapia-Filet, beides aus dem Fluss. Die Algen gepresst zu einer hauchdünnen Platte, mit kleinen Knoblauchstückchen darin, etwas Sesam und Chili obendrauf – auf der Mekong Pearl bekommt man das auf den Teller. Schmeckt wunderbar.

Wir sind unterwegs auf dem Mekong in Laos. Flussabwärts im Delta in Vietnam ist der Schiffsverkehr dicht. Hier aber, am Oberlauf des Flusses, kann man in sauberem Wasser schwimmen. Die Passagierboote aus Teakholz machen abends an menschenleeren Stellen halt. Tagsüber sieht man Wasserbüffel am Ufer liegen. Der Sand ist so weiß wie in der Karibik. Sandbänke wechseln mit steilen Felsabschnitten, dazwischen Teak- und Gummibäume. Ab und an ist ein Waschband zum Goldfördern zu sehen. Fischerbooten begegnet man nur wenigen. Selten stören Schnellboote die idyllische Ruhe.

Zehn Tage braucht die Mekong Pearl für die etwa 600 Kilometer von der laotischen Hauptstadt Vientiane im Süden flussaufwärts über Luang Prabang bis zum Goldenen Dreieck, in das Grenzgebiet von Laos, Thailand und Myanmar. Es ist eine Schiffsreise durch noch weitgehend unberührte Natur. Die allerdings wird angesichts der Staudamm-Projekte, die China und Laos verfolgen, bald der Vergangenheit angehören.

Das Land wandelt sich rasant. Seit 2021 verbindet ein Schnellzug China mit dem ehemaligen Königreich Laos. Noch bringt der Fluss die Besucher zu entlegenen Dörfern, zu denen nicht einmal eine Straße führt. Vor den Häusern sieht man kleine, bunte Holzhäuschen. Sie sollen böse Geister vertreiben. Die vielen Touristen, die man bald auch im Landesinneren antreffen wird, werden sie wohl nicht aufhalten.

Lars Reichardt

Die Schönheit des Taj Mahal genießen

Das opulente Grabmal für die Lieblingsfrau eines Moguls verliert auch durch 40 000 Besucher täglich nichts von seiner Faszination.

Taj Mahal

Es gibt Sehenswürdigkeiten, die lassen sich nicht durch Overtourism zerstören. Das Taj Mahal ist einer dieser Orte, er liegt etwa 180 Kilometer von Delhi entfernt. Ein Tagesausflug dahin dauert also wirklich einen ganzen Tag, bei den Verkehrsverhältnissen in Indien. Man sollte zwei Übernachtungen einplanen. Vor dem Taj Mahal werden Busladungen entleert, umweltfreundliche Elektro-Zubringer fahren die täglich etwa 40 000 Besucher durch den üppig verzierten Empfangsbereich.

Es folgt eine Art Hütchenlauf vorbei an Selfie-Sticks und Instagram-Paaren. Frisch Verheiratete lassen sich gerne vor der Kulisse des Taj Mahals fotografieren, es ist schließlich nicht nur Unesco-Welterbe, sondern auch ein Monument der Liebe. Der Großmogul Shah Jahan ließ die Grabstätte um 1630 für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal bauen. Tonnenweise wurde Marmor auf Elefanten herbeigeschafft. Jahan fand später neben Mumtaz seine letzte Ruhe.

Dann geht es durch den Park, durch den helle Eichhörnchen jagen, und zum eigentlichen Gebäude hoch, das man nur mit Überschuhen betreten darf.

Der weiße Marmor, der die Schönheit des Ortes ausmacht, soll nicht abgetragen werden. In der Grabstätte umhüllt einen dann eine wohltuende Stille. So wie sich das gehört an so einem Ort. Das Licht ist gedämpft und durch die alten, kalten Steine meint man tatsächlich so etwas wie unendliche Liebe zu spüren. Allerdings ist der Ort selbst leider bedroht. Nicht die vielen Besucher, sondern Umweltschäden setzen dem Taj Mahal seit Jahren zu. Ein Grund mehr, bald hinzufahren.

David Pfeifer

Teil 1

Die schönsten Reiseziele der Welt

Teil 2

Die schönsten Reiseziele der Welt