Werkstattbericht

Wie wir die NSDAP-Akten ausgewertet haben

KI fürs Entziffern krakeliger Handschriften, menschliche Expertise für den historischen Kontext: So kann die „Süddeutsche Zeitung“ über Millionen NSDAP-Mitglieder individualisierte Texte erstellen.

24. Juni 2026 | Lesezeit: 7 Min.

Der NS-Staat hat nicht nur seine verbrecherische Bürokratie genau dokumentiert – auch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) zeichnete penibel auf, welche Menschen sich ihr angeschlossen hatten. Wer die mehr als zehn Millionen Mitglieder waren, wer sich besonders früh der Partei Adolf Hitlers anschloss oder von ihr ausgezeichnet wurde, das konnte man bisher nur über mühsame Einzelfallanfragen im Bundesarchiv recherchieren.

Seit März sind die Mitgliederakten online zugänglich, ins Netz gestellt von den National Archives in Washington. Am Tag der Veröffentlichung brachen die Archiv-Server zusammen, so groß war das Interesse an den Dokumenten. Doch obwohl sich die Daten nach Stichworten durchsuchen lassen, muss man sich in der Regel durch viele Bilder klicken, um etwas über die eigene Familiengeschichte zu erfahren.

Landet man tatsächlich einen Treffer, bleiben trotzdem viele Fragen offen: Denn ohne historischen Kontext lässt sich mit den Mitgliedskarten an sich wenig anfangen. Ja, diese Person – die Oma, der Urgroßonkel oder der Vater – war in der NSDAP. Aber mit allen weiteren Fragen bleiben Angehörige und Interessierte allein zurück.

Die Süddeutsche Zeitung liefert darum zu jeder Karteikarte, die wir auslesen konnten, so viele Kontextinformationen wie möglich. So ist nicht nur eine Datenbank entstanden, in der Sie nach den Namen von Familienangehörigen oder ihrem Heimatort suchen können, sondern eine Sammlung individueller Artikel, die Antworten liefern sollen: Welchen Hinweis zu den Beweggründen kann das Geburtsjahr eines Parteimitglieds geben? Welche politischen Umstände prägten die Gesellschaft zum Zeitpunkt des Parteieintritts, und welche NSDAP-Mitglieder wurden für besondere Verdienste ausgezeichnet?

Antworten zu den wichtigsten Fragen im Überblick:

Text: Vivien Götz, Sören Müller-Hansen; Mitarbeit: Robert Probst, Markus Hametner; Redaktion: Marie-Louise Timcke; Digitales Storytelling: Vivien Götz

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