NSDAP-Mitgliederkartei
Warum wir uns der Auswertung der NSDAP-Akten widmen
Was unsere Datenbank kann
Wir wollen unseren Abonnentinnen und Abonnenten nicht bloß die alten Karteikarten präsentieren, sondern diese in den historischen Kontext einordnen und erklären. Lesen Sie in personalisierten Texten, was wir aus der NSDAP-Mitgliedskartei über Ihre Verwandten rekonstruieren konnten, wenn sie damals Hitler gefolgt sind, und in welchem Umfeld dies geschah.
Was geschah in den Monaten, in denen Opa, Urgroßmutter oder Großonkel der NSDAP beitraten, in Deutschland? Wie jung oder wie alt waren sie im Vergleich zu den anderen Parteimitgliedern? Wie stark war in dem Ort, in dem sie wohnten, die NSDAP bei der letzten regulären Reichstagswahl im November 1932? Was besagen Vermerke und Stempel auf der Karteikarte und was die Höhe der Mitgliedsnummer? Gehörten die Verwandten zu jenen Fanatikern, die sich Hitlers Führerpartei anschlossen, als diese noch eine Splitterpartei war? Oder waren sie „Märzgefallene“, die nach der letzten Reichstagswahl 1933 in großer Zahl in die Partei drängten? Waren sie zuvor Mitglieder der Hitlerjugend oder wurden sie, auch das gab es tausendfach, aus der Partei ausgeschlossen?
So entstehen die Geschichten aus der NSDAP-Kartei
Um diese Fragen zu beantworten, haben wir zwei umfangreiche Karteien zusammengeführt: zum einen die Zentralkartei, das alphabetisch aufgebaute Mitgliederregister der NSDAP; zum anderen die Gaukartei, die geografisch aufgebaut war nach Gauen, Kreisen und Ortsgruppen.








Unser Ansatz ermöglicht es, die Daten von Millionen NSDAP-Mitgliedern in personalisierten Artikeln einzuordnen. Die Texte entstehen ganz bewusst ohne den Einsatz von künstlicher Intelligenz, weder beim Schreiben noch im weiteren Prozess.
Um das alles auf die Beine zu stellen, hat ein SZ-Team aus Datenexperten, Entwicklern, Fachredakteuren, Designern und Infografikern eng zusammengearbeitet. Zudem haben Dutzende Mitglieder aus der gesamten Redaktion an diesem Gemeinschaftswerk mitgewirkt.
Auch über diese Texte hinaus werden wir in den nächsten Tagen sehr viel Einordnung und Hintergrund zur Mitgliedschaft in der NSDAP bieten. Dazu zählen weitere Datenanalysen, etwa zur Entwicklung der NSDAP in bestimmten Städten und Bevölkerungsgruppen, sowie Glossare, Reportagen und Interviews mit namhaften Historikern, aber auch ein Text, der sich der Frage zuwendet: Wie rede ich mit meiner Familie über die NS-Vergangenheit der eigenen Verwandten?
Wir werden zudem einigen besonders interessanten Geschichten nachgehen, die uns Leserinnen und Leser über ihre Familienmitglieder erzählen, Redakteure werden dazu recherchieren und diese für die SZ aufschreiben. Und wir werden die Datenbank und die Suche fortwährend verbessern, auch mithilfe jener Hinweise, die uns dazu aus unserer Leserschaft erreichen. Denn wir sind uns bewusst, dass sich solch ein gewaltiger, schwer lesbarer Datensatz trotz aller Sorgfalt nicht fehlerfrei aufbereiten lässt.
Unser Ziel ist es, Geschichte greifbarer und verständlicher zu machen. Wir werden damit nicht alle Antworten liefern können, die Daten aus der Mitgliederkartei können nichts aussagen über das Ausmaß der Verstrickung oder möglicher Schuld, weder bei den bekannten noch bei den Millionen unbekannten Namen in der Nazi-Kartei. Aber die Texte über die eigenen Verwandten können unseren Leserinnen und Lesern hoffentlich dabei helfen, in die eigene Familiengeschichte einzutauchen.
Die insgesamt zehn Millionen Mitglieder der NSDAP waren, das sollte betont werden, nicht die Einzigen, die Hitler folgten. Viele waren überzeugte Nazis und aus verschiedenen Gründen trotzdem nicht in der Partei. Es gab im Dritten Reich etliche weitere Organisatoren, die der NSDAP angeschlossen und ebenfalls nach dem Führerprinzip organisiert waren, die aber keine Mitgliedschaft in der NSDAP erforderten: von der Hitlerjugend bis zur NS-Frauenschaft, von der Deutschen Arbeitsfront bis zur SA oder SS.