Auf der Flucht

Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Der zwölfte Tag

Bereitet Russland den Sturm auf Kiew vor? Putins Truppen versuchen Irpin, einen Vorort von Kiew, unter ihre Kontrolle zu bringen.

Immer mehr Ukrainer fliehen vor dem Krieg. Die Vereinten Nationen sprechen von der am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg: Allein nach Polen sind mehr als 900 000 Menschen aus der Ukraine geflohen.

Von Daniel Hofer, Christian Helten, Christine Kokot und Wolfgang Jaschensky

7. März 2022

Saporischschja

Eigentlich hätten viele Menschen in der Südostukraine in der letzten Woche ein traditionelles Fest gefeiert: Die Masleniza ist die Woche vor Beginn der orthodoxen Fastenzeit, sie gipfelt in der Verbrennung der Masleniza-Puppen. In diesem Jahr fällt das Fest oft anders aus. Diese Puppe trägt das Gesicht Wladimir Putins und wurde mittels Molotowcocktails entfacht.

Bila Krynytsia

Denis Hrynchuk wäre am 27. Oktober 24 Jahre alt geworden. So steht es auf der Erkennungsmarke, die seine Frau bei seiner Beerdigung in die Kamera hält.

Der junge Soldat der ukrainischen Armee starb am 28. Februar in der Region Donezk. Er hinterlässt neben seiner Frau einen einjährigen Sohn, seine Mutter, fünf Brüder und eine Schwester.

Buhas

Der Großteil des Gebietes in der Region Donezk, wo dieser russische Soldat in seinem gepanzerten Fahrzeug unterwegs ist, ist unter russischer Kontrolle. Buhas liegt etwa 60 Kilometer nördlich der umkämpften Stadt Mariupol.

Donezk

Opfer gibt es auf beiden Seiten. Am Montag beerdigen Soldaten der selbsternannten und von Putin anerkannten "Volksrepublik Donetzk" ihren Kommandeur Wladimir Zhoga.

Kramatorsk

Mit Schaufel und Besen kehrt eine Bewohnerin eines Wohnhauses im Osten der Ukraine die Trümmer ihres bisherigen Lebens zusammen.

Irpin

Russland bereitet offenbar den Sturm auf Kiew vor und zieht Truppen im Norden der Stadt zusammen. Das geht aus dem Bericht des ukrainischen Generalstabs hervor. Russische Truppen versuchen demnach gleichzeitig, die volle Kontrolle über die kurz vor Kiew liegende Stadt Irpin zu erlangen.

Von hier sind es nur wenige Kilometer zur nordwestlichen Stadtgrenze. Viele Menschen fliehen aus der Stadt.

Bilder russischer Truppen und ihrer Bewegungen sind für westliche Journalisten und Medien kaum zu bekommen. Dieses Bild ist ein Screenshot eines Videos, das das russische Verteidigungsministerium am Montag veröffentlicht hat. Es zeige eine russische Panzereinheit beim Vorrücken auf Kiew.

Die ukrainische Armee widersteht vorerst den schweren Angriffen, doch die Bewohner von Irpin können sie nicht länger schützen. Dieser Verwundete wurde am Bein getroffen, als er half, Zivilisten zu evakuieren. Am Sonntag wurde eine Fotoreporterin der New York Times Zeugin eines Beschusses fliehender Zivilisten. Mindestens vier von ihnen wurden getötet.

Wer nicht fliehen will, versteckt sich, wie die Frau im Keller ihres Hauses.

Horenka

Ähnlich ist die Situation in der Nachbarstadt Horenka: Russische Bomben zerstören Häuser, Existenzen - und töten Menschen.

Kiew

In der Hauptstadt hat die ukrainische Armee noch die Kontrolle über das gesamte Stadtgebiet. Der Berater des ukrainischen Innenministers, Wadym Denysenko, sagte laut der ukrainischen Internetzeitung Ukrajinska Prawda, vor Kiew habe sich eine große Menge an russischer Ausrüstung und Truppen angesammelt. "Wir gehen davon aus, dass der Kampf um Kiew die Schlüsselschlacht der nächsten Tage ist."

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb am Sonntag auf seinem Telegram-Kanal, die Stadt sammle weiter alle Ressourcen für ihre Verteidigung. Er habe mehrere Kontrollpunkte an der Stadtgrenze besucht; die Sicherheitskräfte seien entschlossen, jeden Angriff abzuwehren. Und noch bleibt sogar Zeit für einen Moment des Glücks. Die Freiwilligen Valery and Lesya geben sich in ihren Uniformen das Ja-Wort.

Lwiw

Immer mehr Ukrainer ziehen in den Krieg. Hier bekommen sie ein Training von dem früheren Soldaten Dennis Kohut, der heute eigentlich als Feuerwehrmann arbeitet. Die Stadt Lwiw (Lemberg) im Westen der Ukraine ist von den Kämpfen noch verschont geblieben.

Die Stadt ist auch Drehkreuz für die Flüchtlinge, die das Land verlassen.

Krakau, Polen

Sie hat es geschafft: Eine junge Ukrainerin am Bahnhof von Krakau. Insgesamt sind inzwischen mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, wie die Vereinten Nationen berechnet haben.

Cernivtsi

Stau, soweit das Auge reicht. An den Grenzen bilden sich ewige Schlangen. Diese Straße führt zur Grenze nach Rumänien.

Budapest, Ungarn

In vielen Städten rund um den Globus gingen Menschen gegen den Krieg auf die Straße - auch in der Hauptstadt Ungarns.

Belgrad

Im Ausland lebende Russen, die im Gegensatz zu ihren Landsleute innerhalb der Russischen Föderation freien Zugang zu Informationen haben, sind oft empört darüber, was ihr Präsident derzeit für Leid über die Ukraine und auch Russland selbst bringt. Dieser Demonstrant sagt sich mit einer eindeutigen Geste von seinem Vaterland los.

Jekaterinburg, Russland

Auch in Russland finden immer mehr Menschen den Mut, gegen Putin auf die Straße zu gehen. Sie riskieren dabei viel, wie dieser Mann in der Millionenstadt Jekaterinburg.

Auf der Flucht

Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Der zwölfte Tag

Bereitet Russland den Sturm auf Kiew vor? Putins Truppen versuchen Irpin, einen Vorort von Kiew, unter ihre Kontrolle zu bringen.

Immer mehr Ukrainer fliehen vor dem Krieg. Die Vereinten Nationen sprechen von der am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg: Allein nach Polen sind mehr als 900 000 Menschen aus der Ukraine geflohen.

Von Daniel Hofer, Christian Helten, Christine Kokot und Wolfgang Jaschensky

Saporischschja

Eigentlich hätten viele Menschen in der Südostukraine in der letzten Woche ein traditionelles Fest gefeiert: Die Masleniza ist die Woche vor Beginn der orthodoxen Fastenzeit, sie gipfelt in der Verbrennung der Masleniza-Puppen. In diesem Jahr fällt das Fest oft anders aus. Diese Puppe trägt das Gesicht Wladimir Putins und wurde mittels Molotowcocktails entfacht.

Bila Krynytsia

Denis Hrynchuk wäre am 27. Oktober 24 Jahre alt geworden. So steht es auf der Erkennungsmarke, die seine Frau bei seiner Beerdigung in die Kamera hält.

Der junge Soldat der ukrainischen Armee starb am 28. Februar in der Region Donezk. Er hinterlässt neben seiner Frau einen einjährigen Sohn, seine Mutter, fünf Brüder und eine Schwester.

Buhas

Der Großteil des Gebietes in der Region Donezk, wo dieser russische Soldat in seinem gepanzerten Fahrzeug unterwegs ist, ist unter russischer Kontrolle. Buhas liegt etwa 60 Kilometer nördlich der umkämpften Stadt Mariupol.

Donezk

Opfer gibt es auf beiden Seiten. Am Montag beerdigen Soldaten der selbsternannten und von Putin anerkannten "Volksrepublik Donetzk" ihren Kommandeur Wladimir Zhoga.

Kramatorsk

Mit Schaufel und Besen kehrt eine Bewohnerin eines Wohnhauses im Osten der Ukraine die Trümmer ihres bisherigen Lebens zusammen.

Irpin

Russland bereitet offenbar den Sturm auf Kiew vor und zieht Truppen im Norden der Stadt zusammen. Das geht aus dem Bericht des ukrainischen Generalstabs hervor. Russische Truppen versuchen demnach gleichzeitig, die volle Kontrolle über die kurz vor Kiew liegende Stadt Irpin zu erlangen.

Von hier sind es nur wenige Kilometer zur nordwestlichen Stadtgrenze. Viele Menschen fliehen aus der Stadt.

Bilder russischer Truppen und ihrer Bewegungen sind für westliche Journalisten und Medien kaum zu bekommen. Dieses Bild ist ein Screenshot eines Videos, das das russische Verteidigungsministerium am Montag veröffentlicht hat. Es zeige eine russische Panzereinheit beim Vorrücken auf Kiew.

Die ukrainische Armee widersteht vorerst den schweren Angriffen, doch die Bewohner von Irpin können sie nicht länger schützen. Dieser Verwundete wurde am Bein getroffen, als er half, Zivilisten zu evakuieren. Am Sonntag wurde eine Fotoreporterin der New York Times Zeugin eines Beschusses fliehender Zivilisten. Mindestens vier von ihnen wurden getötet.

Wer nicht fliehen will, versteckt sich, wie die Frau im Keller ihres Hauses.

Horenka

Ähnlich ist die Situation in der Nachbarstadt Horenka: Russische Bomben zerstören Häuser, Existenzen - und töten Menschen.

Kiew

In der Hauptstadt hat die ukrainische Armee noch die Kontrolle über das gesamte Stadtgebiet. Der Berater des ukrainischen Innenministers, Wadym Denysenko, sagte laut der ukrainischen Internetzeitung Ukrajinska Prawda, vor Kiew habe sich eine große Menge an russischer Ausrüstung und Truppen angesammelt. "Wir gehen davon aus, dass der Kampf um Kiew die Schlüsselschlacht der nächsten Tage ist."

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb am Sonntag auf seinem Telegram-Kanal, die Stadt sammle weiter alle Ressourcen für ihre Verteidigung. Er habe mehrere Kontrollpunkte an der Stadtgrenze besucht; die Sicherheitskräfte seien entschlossen, jeden Angriff abzuwehren. Und noch bleibt sogar Zeit für einen Moment des Glücks. Die Freiwilligen Valery and Lesya geben sich in ihren Uniformen das Ja-Wort.

Lwiw

Immer mehr Ukrainer ziehen in den Krieg. Hier bekommen sie ein Training von dem früheren Soldaten Dennis Kohut, der heute eigentlich als Feuerwehrmann arbeitet. Die Stadt Lwiw (Lemberg) im Westen der Ukraine ist von den Kämpfen noch verschont geblieben.

Die Stadt ist auch Drehkreuz für die Flüchtlinge, die das Land verlassen.

Krakau, Polen

Sie hat es geschafft: Eine junge Ukrainerin am Bahnhof von Krakau. Insgesamt sind inzwischen mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, wie die Vereinten Nationen berechnet haben.

Cernivtsi

Stau, soweit das Auge reicht. An den Grenzen bilden sich ewige Schlangen. Diese Straße führt zur Grenze nach Rumänien.

Budapest, Ungarn

In vielen Städten rund um den Globus gingen Menschen gegen den Krieg auf die Straße - auch in der Hauptstadt Ungarns.

Belgrad

Im Ausland lebende Russen, die im Gegensatz zu ihren Landsleute innerhalb der Russischen Föderation freien Zugang zu Informationen haben, sind oft empört darüber, was ihr Präsident derzeit für Leid über die Ukraine und auch Russland selbst bringt. Dieser Demonstrant sagt sich mit einer eindeutigen Geste von seinem Vaterland los.

Jekaterinburg, Russland

Auch in Russland finden immer mehr Menschen den Mut, gegen Putin auf die Straße zu gehen. Sie riskieren dabei viel, wie dieser Mann in der Millionenstadt Jekaterinburg.

Team
Bildredaktion Daniel Hofer, Christine Kokot
Digitales Storytelling Wolfgang Jaschensky, Christian Helten