Chronologie

Vom Acker zur Weltpolitik

Als Sohn eines Bauern steigt Gorbatschow bis an die Spitze der Sowjetunion auf. Sein Leben in Bildern.

Von Philipp Saul
31. August 2022 - 3 Min. Lesezeit

2. März 1931

Kindheit und Jugend

Michail Gorbatschow wird im nordkaukasischen Dorf Priwolnoje (Region Stawropol) geboren. Der Sohn eines russischen Kolchose-Bauern und einer Ukrainerin lebt in einfachen Verhältnissen und arbeitet zunächst als Mähdreschermechaniker. Für den Wehrdienst ist er untauglich. An der Moskauer Lomonossow-Universität studiert Gorbatschow von 1950 an Jura und lernt seine spätere Frau Raissa (1932-1999) kennen. 1952 tritt Gorbatschow in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) ein. Es folgt eine steile politische Karriere.

Gorbatschow 1998 mit seiner Frau Raissa
Gorbatschow 1998 mit seiner Frau Raissa

1980

Gorbatschow rückt ins Politbüro auf

Gorbatschow im Jahr 1980
Gorbatschow im Jahr 1980

Nachdem Gorbatschow bereits seit 1971 Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei ist, steigt er 1980 ins Politbüro auf und gestaltet die Kreml-Politik mit.

11. März 1985

Gorbatschow wird Generalsekretär der Kommunistischen Partei

Beim SED-Parteitag in Ostberlin sitzt Gorbatschow 1986 neben Erich Honecker
Beim SED-Parteitag in Ostberlin sitzt Gorbatschow 1986 neben Erich Honecker

Gegen den Widerstand kommunistischer Altkader wird er mit 54 Jahren zum zweitjüngsten Generalsekretär der Parteigeschichte gewählt. Anschließend leitet Gorbatschow seine historische Reformpolitik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) ein. Der Prozess bringt den Menschen in dem totalitären System bis dahin nie da gewesene Freiheiten.

1986

Gorbatschow und Reagan sprechen über Abrüstung

US-Präsident Ronald Reagan und Gorbatschow 1986 auf Island
US-Präsident Ronald Reagan und Gorbatschow 1986 auf Island

Im isländischen Reykjavik verhandelt Gorbatschow mit US-Präsident Ronald Reagan über die weitgehende Abschaffung atomarer Lang- und Mittelstreckenraketen. Das Treffen läutet das Ende des Kalten Krieges ein. 1988 ratifizieren beide Präsidenten den INF-Vertrag, der die Vernichtung der atomaren Mittelstreckenraketen festlegt.

13.6.1989

„Gorbi, Gorbi“-Rufe in Bonn

Bei einem Besuch in Bonn löst Gorbatschow Begeisterungsstürme bei den Deutschen aus. "Gorbi, Gorbi" rufen Tausende dem sowjetischen Staatschef und seiner Frau entgegen. Eine wahre "Gorbimanie" bricht los. Kalt und abweisend hat man im Westen bis dahin die führenden Vertreter der kommunistischen Supermacht erlebt. Das Ehepaar Gorbatschow scheint nun aus ganz anderem Holz geschnitzt zu sein. Die Visite gilt als Meilenstein auf dem Weg zum Ende der Teilung Europas.

16. Juli 1990

Gorbatschow stimmt der deutschen Wiedervereinigung zu

Bundeskanzler Kohl im Gespräch mit Gorbatschow
Bundeskanzler Kohl im Gespräch mit Gorbatschow

Bei einem Treffen im Kaukasus mit Bundeskanzler Helmut Kohl spricht sich Gorbatschow für die Wiedervereinigung aus. Im selben Jahr erhält der Politiker, der nun offiziell den Amtstitel Sowjetpräsident trägt, den Friedensnobelpreis für seine mutigen Reformen. Besonders die Ostdeutschen verehren "Gorbi" auch Jahrzehnte später noch als Staatsmann, der ihnen die Freiheit brachte.

1991

Die Sowjetunion zerfällt

Während einer Sondersitzung des russischen Parlaments in Moskau hält der sowjetische Präsident Gorbatschow Notizen, die ihm vom russischen Präsidenten Boris Jelzin überreicht wurden.
Während einer Sondersitzung des russischen Parlaments in Moskau hält der sowjetische Präsident Gorbatschow Notizen, die ihm vom russischen Präsidenten Boris Jelzin überreicht wurden.

Der politische Prozess führt zu massiven Umbrüchen in allen Republiken des Sowjetstaates und letztlich zu einem Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums. Gorbatschow übersteht zwar zunächst einen Putsch von Parteifunktionären, aber immer mehr Sowjetrepubliken sagen sich von Moskau los. Daraufhin tritt er am 25. Dezember als Präsident zurück. Wenige Tage später löst sich der Staat selbst auf. Der neue starke Mann in Moskau wird Boris Jelzin.

Seit 1992

Das Leben nach der Macht

Gorbatschow 2004 im Gespräch mit Putin
Gorbatschow 2004 im Gespräch mit Putin

In Moskau nimmt die Gorbatschow-Stiftung 1992 ihre Arbeit auf. International bleibt der Ex-Präsident ein gefragter Diskussionsgast. In der russischen Tagespolitik ist seine Stimme über viele Jahre aber kaum zu vernehmen. Ein Großteil der russischen Bevölkerung sieht den früheren Partei- und Staatschef stets als Totengräber der Sowjetunion.

In Berlin erinnern Bundeskanzlerin Angela Merkel, Michail Gorbatschow und der frühere polnischen Gewerkschafter und Staatspräsident Lech Walesa (Mitte) 2009 an den Mauerfall.
In Berlin erinnern Bundeskanzlerin Angela Merkel, Michail Gorbatschow und der frühere polnischen Gewerkschafter und Staatspräsident Lech Walesa (Mitte) 2009 an den Mauerfall.

Von 2001 bis 2009 engagiert sich Gorbatschow im Petersburger Dialog, einem zivilgesellschaftlichen Forum zwischen Deutschland und Russland. Er ist zudem Miteigentümer der kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta, die immer wieder Missstände in Russland aufdeckt. Mehrfach fordert Gorbatschow Kremlchef Wladimir Putin auf, die Freiheit der Medien und Wahlen nicht weiter einzuschränken.

Gorbatschow bei einem Interview im Jahr 2016
Gorbatschow bei einem Interview im Jahr 2016

30. August 2022

Tod in Moskau

Im Alter von 91 Jahren stirbt der ehemalige sowjetische Staatschef in der russischen Hauptstadt nach schwerer und langer Krankheit, wie das Zentrale klinische Krankenhaus in Moskau mitteilt. Weltweit trauern Politiker und Politikerinnen um Gorbatschow und erinnern an sein Vermächtnis.

Team
Text Philipp Saul
Digitales Storytelling Philipp Saul