"Diese Opfer könnten wir sein"

Als erstes Mitglied der Bundesregierung seit Kriegsbeginn bereist Außenministerin Baerbock die Ukraine: Eindrücke eines Besuches an Orten voller Tod und Trauer.

"Diese Opfer könnten wir sein"

Als erstes Mitglied der Bundesregierung seit Kriegsbeginn bereist Außenministerin Baerbock die Ukraine: Eindrücke eines Besuches an Orten voller Tod und Trauer.

Von Philipp Saul
10. Mai 2022 - 4 Min. Lesezeit

Eigentlich wollte sie schon vor Wochen nach Kiew fahren. Als Außenministerin in Zeiten des Krieges kommt Annalena Baerbock viel in Europa herum, doch ausgerechnet die Reise in die Ukraine, wo sich der Schrecken des Krieges zeigt, musste lange warten.

Wegen des Eklats um die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte Baerbock zunächst auf den Besuch in der ukrainischen Hauptstadt verzichtet, die sich fürs Erste erfolgreich gegen die russischen Angreifer gewehrt hat und seitdem beliebte Anlaufstelle westlicher Politiker ist.

Aber seit Steinmeier und der ukrainische Präsident Selenskij die diplomatischen Wogen geglättet haben, steht auch Baerbocks Besuch nichts mehr im Wege.

Und so reist die Außenministerin an diesem Dienstag als erstes deutsches Regierungsmitglied seit Kriegsbeginn in die Ukraine - in Splitterschutzweste und begleitet von schwer bewaffnetem Sicherheitspersonal, Journalisten und der ukrainischen Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa.

Ihr erster Termin führt Baerbock an den Ort, der wie kein anderer für den Schrecken und die Gräueltaten des Krieges steht:

In Butscha wurden nach dem Abzug der russischen Truppen mehr als 400 Leichen gefunden, getötet teils auf offener Straße in Alltagssituationen. Einige Menschen wurden mit Panzern überfahren, andere mit auf den Rücken gebundenen Händen erschossen. (Archivbild)

„Wir sind es diesen Opfern schuldig, dass wir hier nicht nur gedenken, sondern dass wir die Täter zur Verantwortung bringen“, sagt Baerbock. „Das werden wir als internationale Gemeinschaft tun. Das ist das Versprechen, was wir hier in Butscha geben können und geben müssen.“

Baerbock spricht in Butscha von "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Es sei ein Ort, an dem "die schlimmsten Verbrechen" verübt worden seien. "Und deswegen ist es mir unglaublich wichtig, heute hier zu sein."

In einer Kirche entzündet Baerbock eine Kerze für die Opfer. Der größte Wunsch der Menschen sei es, der Welt deutlich zu machen, welche Verbrechen passiert seien und wie groß der Schmerz sei.

"Diese Opfer könnten wir sein", sagt Baerbock. Man sehe Spielplätze, Supermärkte, Menschen, die zur Arbeit gingen. „Und dann sieht man die schlimmsten Spuren von Verbrechen genau daneben.“ Eine Bombe sei direkt in den Supermarkt eingeschlagen.

In der Kirche zeigten Bilder Menschen, die nur das getan hätten, was jeder Mensch tue, sagt Baerbock: Aufstehen, einkaufen gehen. Dabei seien sie kaltblütig ermordet worden.

In der wenige Kilometer von Butscha entfernten und ebenfalls schwer beschädigten Stadt Irpin sagt Baerbock in Richtung der Ukrainer: „Sie sind ein sehr tapferes Land, und alles, was wir tun können ist, an Ihrer Seite zu stehen.“

Bei den Gesprächen geht es auch um die Notwendigkeit, das Land von russischen Minen zu befreien. Große Teile des Gebiets um die Hauptstadt Kiew seien vermint, sagt Militärgouverneur Olexander Pawljuk.

„Irpin hat einen hohen Preis für den Sieg bezahlt“, berichtet Bürgermeister Olexander Markuschyn. Es seien Zivilisten erschossen, Frauen vergewaltigt und Wohnungen geplündert worden.

Nach dem Abzug der russischen Truppen sind nach Darstellung des Bürgermeisters inzwischen wieder 25 000 Menschen in die Stadt zurückkehrt, 5000 waren es demnach zur Zeit der russischen Besatzung. 2000 Wohnungen und 35 Hochhäuser seien durch russische Angriffe zerstört worden.

Baerbock betritt auch ein völlig zerbombtes Mehrfamilienhaus in Irpin. „Außenministerin eines Landes im Frieden zu sein, ist einfach. Aber eine ganz andere Sache ist es, Bürgermeister im Krieg zu sein. Mein ganz großer Respekt!“, sagt die Grünen-Politikern.

In der nahe gelegenen Hauptstadt Kiew eröffnet Baerbock anschließend die deutsche Botschaft wieder. Die Arbeit werde in Kürze in Minimalpräsenz mit eingeschränktem Betrieb wieder aufgenommen. Gemeinsam mit deutschen Unternehmen arbeite man zudem daran, dass die Ukraine „hochmoderne Systeme bekommen kann, um ihre Städte auch gegen zukünftige Angriffe zu schützen“.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba betont Baerbock: „Wir werden die europäische, freie Ukraine weiter unterstützen. Humanitär, finanziell, wirtschaftlich, technologisch, politisch und in Energiefragen.“ Das gelte auch langfristig.

Im Anschluss an die Pressekonferenz mit ihrem ukranischen Amtskollegen hat die deutsche Außenministerin in Kiew auch noch Präsident Selenskij getroffen. Auch der niederländische Außenminister Wopke Hoekstra ist bei dem Treffen anwesend, gemeinsam mit ihm ist Baerbock in die Ukraine gereist.

Und so reist die Außenministerin an diesem Dienstag als erstes deutsches Regierungsmitglied seit Kriegsbeginn in die Ukraine - in Splitterschutzweste und begleitet von schwer bewaffnetem Sicherheitspersonal, Journalisten und der ukrainischen Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa.

Ihr erster Termin führt Baerbock an den Ort, der wie kein anderer für den Schrecken und die Gräueltaten des Krieges steht:

In Butscha wurden nach dem Abzug der russischen Truppen mehr als 400 Leichen gefunden, getötet teils auf offener Straße in Alltagssituationen. Einige Menschen wurden mit Panzern überfahren, andere mit auf den Rücken gebundenen Händen erschossen. (Archivbild)

„Wir sind es diesen Opfern schuldig, dass wir hier nicht nur gedenken, sondern dass wir die Täter zur Verantwortung bringen“, sagt Baerbock. „Das werden wir als internationale Gemeinschaft tun. Das ist das Versprechen, was wir hier in Butscha geben können und geben müssen.“

Baerbock spricht in Butscha von "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Es sei ein Ort, an dem "die schlimmsten Verbrechen" verübt worden seien. "Und deswegen ist es mir unglaublich wichtig, heute hier zu sein."

In einer Kirche entzündet Baerbock eine Kerze für die Opfer. Der größte Wunsch der Menschen sei es, der Welt deutlich zu machen, welche Verbrechen passiert seien und wie groß der Schmerz sei.

"Diese Opfer könnten wir sein", sagt Baerbock. Man sehe Spielplätze, Supermärkte, Menschen, die zur Arbeit gingen. „Und dann sieht man die schlimmsten Spuren von Verbrechen genau daneben.“ Eine Bombe sei direkt in den Supermarkt eingeschlagen.

In der Kirche zeigten Bilder Menschen, die nur das getan hätten, was jeder Mensch tue, sagt Baerbock: Aufstehen, einkaufen gehen. Dabei seien sie kaltblütig ermordet worden.

In der wenige Kilometer von Butscha entfernten und ebenfalls schwer beschädigten Stadt Irpin sagt Baerbock in Richtung der Ukrainer: „Sie sind ein sehr tapferes Land, und alles, was wir tun können ist, an Ihrer Seite zu stehen.“

Bei den Gesprächen geht es auch um die Notwendigkeit, das Land von russischen Minen zu befreien. Große Teile des Gebiets um die Hauptstadt Kiew seien vermint, sagt Militärgouverneur Olexander Pawljuk.

„Irpin hat einen hohen Preis für den Sieg bezahlt“, berichtet Bürgermeister Olexander Markuschyn. Es seien Zivilisten erschossen, Frauen vergewaltigt und Wohnungen geplündert worden.

Nach dem Abzug der russischen Truppen sind nach Darstellung des Bürgermeisters inzwischen wieder 25 000 Menschen in die Stadt zurückkehrt, 5000 waren es demnach zur Zeit der russischen Besatzung. 2000 Wohnungen und 35 Hochhäuser seien durch russische Angriffe zerstört worden.

Baerbock betritt auch ein völlig zerbombtes Mehrfamilienhaus in Irpin. „Außenministerin eines Landes im Frieden zu sein, ist einfach. Aber eine ganz andere Sache ist es, Bürgermeister im Krieg zu sein. Mein ganz großer Respekt!“, sagt die Grünen-Politikern.

In der nahe gelegenen Hauptstadt Kiew eröffnet Baerbock anschließend die deutsche Botschaft wieder. Die Arbeit werde in Kürze in Minimalpräsenz mit eingeschränktem Betrieb wieder aufgenommen. Gemeinsam mit deutschen Unternehmen arbeite man zudem daran, dass die Ukraine „hochmoderne Systeme bekommen kann, um ihre Städte auch gegen zukünftige Angriffe zu schützen“.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba betont Baerbock: „Wir werden die europäische, freie Ukraine weiter unterstützen. Humanitär, finanziell, wirtschaftlich, technologisch, politisch und in Energiefragen.“ Das gelte auch langfristig.

Im Anschluss an die Pressekonferenz mit ihrem ukranischen Amtskollegen hat die deutsche Außenministerin in Kiew auch noch Präsident Selenskij getroffen. Auch der niederländische Außenminister Wopke Hoekstra ist bei dem Treffen anwesend, gemeinsam mit ihm ist Baerbock in die Ukraine gereist.

Team
Text Philipp Saul
Digitales Storytelling Philipp Saul